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Eine lebhafte Diskussion bestritten (v. l.) Gisela Sengl (MdL), Kreisrat Toni Wollschläger, Moderatorin Veronika Hannus, Biobauer Franz Lenz, Verena Juranowitsch und Joana Bayraktar (Grüne Jugend). 

Kritik am Konsumverhalten bei grüner Agrar-Debatte

Bessere Situation für Bauern und Umwelt: Landwirte fordern Umdenken der Verbraucher

Grüne Agrarpolitik soll die Situation für Bauern und für die Umwelt verbessern. Beim Diskussionsabend der Freisinger Grünen stand vor allem das Konsumverhalten der Bürger in der Kritik.

Freising – Es sind keine leichten Zeiten für die Landwirte in der Region. Glyphosat, Bienensterben oder Nitrat im Grundwasser: Für vieles werden die Bauern verantwortlich gemacht. Um „miteinander zu reden, statt übereinander“ lud der Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen am Donnerstag zu einem Diskussionsabend in den Grünen Hof ein. Franz Lenz, Biobauer und Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband aus dem Landkreis Ebersberg, Toni Wollschläger, Biobauer und Kreisrat aus dem Landkreis Freising, und die Agrarpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der Grünen, Gisela Sengl, diskutierten gemeinsam mit zahlreichen Landwirten, wie grüne Agrarpolitik dazu beitragen könne, die Situation für die Bauern und für die Umwelt zu verbessern.

„Die meinen, das Essen wächst im Supermarkt“

„Hart angepackt“ werde man derzeit von der Gesellschaft. So drückte Lenz eingangs das aus, was viele Bauernfamilien derzeit resignieren lässt: Ihre Arbeit finde in der Gesellschaft nicht die richtige Wertschätzung. Dass das viel mit der Entfremdung der Bevölkerung von der Landwirtschaft zu tun habe, schilderte Toni Wollschläger. Wenn Schulkassen bei ihm auf dem Hof zu Gast seien, zeige sich, wie wenig Ahnung die jungen Menschen hätten von der „wichtigsten Profession, die es auf der Welt gibt. Die meinen, das Essen wächst im Supermarkt auf dem Regal.“ Vom Bild des Bauern als Versorger der Nation sei nicht mehr viel übrig.

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Um eine allgemeine Versorgung der Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg sicher zu stellen, sei 1957 die gemeinsame Agrarpolitik in Europa (GAP) beschlossen worden, erinnerte Sengl. Agrarsubventionen hätten die Produktivität in der Landwirtschaft erhöht. Dass diese immer noch nach dem „Gießkannenprinzip“ als pauschale Flächenprämie ausgezahlt würden, sei nicht mehr zeitgemäß, meinte Wollschläger. Dabei würden nur die Landwirte belohnt, die ihre Anbauflächen vergrößerten. Die Agrarpolitik solle sich so ausrichten, dass sie es Landwirten ermögliche, mit Umweltleistungen Geld zu verdienen. „Die Flächenprämien müssen weg“, forderte Wollschläger.

Bioprodukte müssen auch gekauft werden

Dass das sicherlich nicht von heute auf morgen gehe, davon war Lenz überzeugt. Denn: „Was hilft es, wenn wir Bioprodukte produzieren und die Verbraucher kaufen sie nicht?“ Viele würden sofort auf die Richtlinien des ökologischen Landbaus umstellen, wenn sie die Gewissheit hätten, dass ihre Produkte abgenommen würden, stimmte ein Landwirt aus dem Publikum zu.

Als „Absatzmotor“ für Bio-Lebensmittel sehe ihre Partei die Verwendung in Einrichtungen mit Gemeinschaftsverpflegung, sagte Sengl. Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern oder Kantinen von Unternehmen müssten ökologischer denken. Mit einem entsprechenden Antrag sei man allerdings im Landtag gescheitert. „Da spielen die wirtschaftlichen Interessen eine größere Rolle“, so die Grünen-Politikerin. Wie auch bei „Otto Normalverbraucher“, monierte ein Bauer. „Wir exportieren gute Waren ins Ausland, von dort werden günstige Agrarprodukte importiert und die Verbraucher kaufen beim Discounter, nicht beim örtlichen Bauern.“ Ganz anders sei das in Frankreich, warf eine Zuhörerin ein. Der Franzose fahre keinen SUV, sondern einen verbeulten Renault, und gebe dafür mehr Geld für gutes Essen aus.Maria Martin

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