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Betrugsprozess: Ex-Verkäufer muss über zwei Jahre „einrücken“  

Mit Schneeballsystem in die Zelle gerutscht

Das war ein Novum: Die Betrugsopfer zeigten kaum Interesse an einer Bestrafung des ehemaligen Freisinger Verkäufers (46), der seine Freunde um insgesamt 300 000 Euro geprellt hatte. Dennoch muss er hinter Gitter: Wegen schweren Betrugs geht’s zwei Jahre und drei Monate hinter Gitter. Der Angeklagte akzeptierte.

Landshut/Freising – Wie berichtet, hatte der 46-Jährige seine Freunde und Bekannten aus der Region zwischen 2012 und 2014 mit angeblich lukrativen Auto-, Motorrad- und Uhren-Geschäften im sogenannten Schneeballsystem „gepratzelt“. Das bedeutete: Die meisten der Investoren bekamen weder hohe Renditen noch das dem 46-Jährigen anvertraute Geld zurück.

27 Fälle des gewerbsmäßigen und damit schweren Betrugs waren dem Angeklagten vorgeworfen worden. Die Beweisaufnahme ergab dann 21 Fälle mit einem Betrugsschaden von 300 000 Euro.

Inzwischen hatte sich der Angeklagte um weiteren „Täter-Opfer-Ausgleich“ bemüht: Wie sein Verteidiger Patrick Schladt belegte, haben sein Mandant und seine neue Lebensgefährtin inzwischen 7500 Euro aufgebracht, so dass jedes der Betrugsopfer zumindest noch 500 Euro erhält. Auch die Ex-Ehefrau (43) des 46-Jährigen wurde noch einmal gehört. Sie bestätigte, dass ihre Familie bereits mit insgesamt rund 68 000 Euro für die Schulden „eingesprungen“ sei.

Staatsanwältin Vanessa Fleischer beantragte in ihrem Plädoyer für die 21 Fälle des schweren Betrugs eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Strafmildernd wertete sie dabei vor allem das umfassende Geständnis und die Tatsache, dass die Betrugsopfer so gut wie kein Interesse an einer Strafverfolgung zeigten. Strafverschärfend allerdings müssten die hohe Schadenssumme und der lange Zeitraum der Betrügereien gewertet werden.

Verteidiger Patrick Schladt wollte besonders strafmildernd neben dem Geständnis auch den Täter-Opfer-Ausgleich gewertet wissen. Der Verteidiger hielt deshalb eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren zur Bewährung für angemessen. In diesem Fall werde sich sein Mandant um weitere Schadenswiedergutmachung bemühen.

Wenn auch die Geschädigten kein Strafverfolgungsinteresse hätten, gäbe es trotzdem einen staatlichen Strafanspruch, formulierte es Richter Ralph Reiter in der Urteilsbegründung. Vor allem im Hinblick auf die hohe Schadenssumme „muss ein Denkzettel sein“. Hintergrund für die Verschuldung des 46-Jährigen sei offenbar Glücksspiel gewesen, wobei er sich in ein dubioses Milieu begeben habe und unter Druck geraten sei. Sein „Schneeballsystem“ sei zwar nicht besonders kriminell gewesen, allerdings habe der 46-Jährige eine gewisse Emsigkeit bei dem Versuch, ein Loch nach dem anderen zu stopfen, an den Tag gelegt. Letztlich, sagte Reiter, sei die Kammer lediglich von bedingtem Vorsatz ausgegangen und habe strafmildernd gewertet, dass es sich nicht um besonders schutzwürdige Opfer, deren Existenz gefährdet worden sei, gehandelt habe: „Sie haben sich einfach von den Renditeversprechen blenden lassen.“ Walter Schöttl

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