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Einen humorigen Abend erlebten die Besucher im Freisinger Lindenkeller, als Shahak Shapira auf der Bühne stand.

Satire im Lindenkeller 

Bitterböser Humor

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Rechtspopulisten und -extremisten sind sein Lieblingsthema, kein Witz ist für ihn tabu: Satiriker Shahak Shapira macht vor nichts und niemandem Halt. Der Freisinger Lindenkeller war brechend voll – bei manchen Pointen blieb einem aber das Lachen im Halse stecken.

Freising – Ohne Rechtspopulismus wäre Shahak Shapiras Programm wohl nur halb so lang. Er zeigt Wahlplakate mit Rechtschreibfehlern, erzählt Geschichten von Neonazis, die zu einer Demo, die in Frankfurt am Main geplant ist, aus Versehen „oder Dummheit“ nach Frankfurt an der Oder fahren, zieht über Donald Trump und seine Ausländerfeindlichkeit her. Keine Sekunde lässt Shapira einen Zweifel daran, was er von rechter Gesinnung hält. Das Publikum im Lindenkeller dankt es ihm mit tosendem Applaus. Kein Wunder, dass sich niemand meldet, als er fragt: „Sind AfD-Wähler hier?“

Wenn Shapira mal nicht über Politik spricht, bedient er sich Klischees über Gangster-Rap: Früher haben sich die Musiker gegenseitig beschossen – heute lege sich Bushido beispielsweise mit der Post auf Twitter an. „Das größte Problem sind noch Youtube-Klicks“, sagt Shapira. Auch den Sexismus und die Gewaltverherrlichung in den Songs prangert er an – und fragt in die Runde: „Ist es nicht erstaunlich, welche Aussagen wir tolerieren, wenn ein paar fette Beats darunter liegen?“ Sagt’s und spannt erneut den Bogen zu seinem Lieblingsthema: „Komisch, dass die AfD noch nicht auf die Idee gekommen ist.“

Shahak Shapira macht über alles Witze. Man merkt: Er ist ein Vertreter der „Satire-darf-alles“-Fraktion. Manche Witze scheinen für das Publikum dann doch etwas zu starker Tobak zu sein. Beispielsweise, als er auf die Missbrauchsfälle in der Kirche zu sprechen kommt und eine Brücke zu Schauspieler Bill Cosby, der wegen sexuellen Missbrauchs in den USA angeklagt wurde, schlägt. Da bleibt manchem das Lachen regelrecht im Halse stecken.

Zum Abschluss seines Auftritts liest er noch aus seinem Buch, der „Holygen Bimbel“, vor: die Bibel in der Jugendsprache der sozialen Medien. Da merkt man, dass einige Besucher den Trend nicht mitbekommen haben – und trotzdem haben sie ihren Spaß.

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