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An ihrem Schreibtisch in Attaching ist das erste Buch von Franzi Sgoff größtenteils entstanden. Im Gespräch mit dem Freisinger Tagblatt erzählt die 22-Jährige, wo sie beim Schreiben an ihre Grenzen gestoßen ist.

Erstlingswerk kommt im Frühjahr heraus

Die blinde Autorin Franzi Sgoff (22) hat ihr erstes Jugendbuch geschrieben

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Sie hat sich einen Traum erfüllt: Franzi Sgoff hat ein Buch geschrieben. In dem Jugendbuch geht es um Liebe, Freundschaft, alltägliche Sorgen  und Blindheit. Denn die 22-jährige Autorin ist blind.

Freising - Vor gut einem Jahr traf sich das FT mit der jungen Freisingerin zum Interview, um sich mit ihr über ihre Blindheit zu unterhalten. In einem Nebensatz hat Franzi Sgoff damals erwähnt, dass sie gerade dabei ist, ein Buch zu schreiben. 13 Monate später haben wir nachgefragt, was daraus geworden ist. Und siehe da: Ihr Erstlingswerk steht kurz vor der Veröffentlichung. Und sie hat schon die nächsten großen Pläne.

Franzi, was macht das Autorendasein? Wann kann man dein Buch kaufen?

Es ist gerade in der Überarbeitungsphase. Das heißt, ich lese es von vorne bis hinten noch einmal durch, erweitere hier was, streiche dort was. Wobei mir das Streichen ganz besonders schwer fällt. Geplanter Erscheinungstermin ist heuer im Frühjahr.

Du hast uns im Interview vor gut einem Jahr erzählt, dass du das Thema Blindheit nicht in den Fokus rücken möchtest. Ist es dabei geblieben?

Ehrlich gesagt, nein. Damals gab es auch schon ein blindes Mädchen in dem Buch, das aber erst auf Seite 40 zum ersten Mal vorkam. Weil sie jetzt eine der Protagonistinnen ist, musste ich alles umschreiben – eine der Hauptfiguren darf natürlich nicht erst so spät in Erscheinung treten.

Wieso hast du dich anders entschieden und das Thema nun doch vertieft?

Es war die Idee meiner Lektorin, die auch blind ist. In vielen Gesprächen sind wir zum Schluss gekommen, dass wir die Chance, das Thema in einem Jugendbuch jungen Leuten nahezubringen, nicht verstreichen lassen dürfen. Es ist ein wirklich spannender Aspekt, weil man das Thema in dieser Form, in einem Jugendbuch, nicht schon zig mal gelesen hat. Es gibt ja viele blinde Autoren, die auch über Blindheit schreiben. Aber oft eben in Autobiografien. Oder aus ihrer Feder stammen Romane für erwachsene Leser.

Worum geht es in deinem Roman?

Es geht um drei Mädchen, die ihre Pubertät in Freising erleben. Es geht um Freundschaft. Der Titel: „Wozu braucht man Jungs?“ Es geht ums Erwachsenwerden, um Brüder, Familien, die Liebe, um ganz alltägliche Sorgen und eben auch um das Thema Blindheit. Es richtet sich an Leser – Mädchen und Jungen – ab etwa zwölf Jahren.

Hat dich deine Blindheit beim Schreiben auch mal an Grenzen gebracht?

O ja. Etwa dann, als meine Lektorin wollte, dass ich Freising nicht nur salopp nebenbei erwähne, sondern mich wirklich auf konkrete Orte in Freising beziehe, diese auch beschreibe. Dafür musste ich aber erst einmal viel und ausführlich recherchieren. Ich war in einer Eisdiele, habe mich mit großartiger Unterstützung meiner Freunde an der Karl-Meichelbeck-Realschule umgesehen, mir erzählen lassen, wie das da genau aussieht, ich habe versucht, mir ein Bild von der Schulbushaltestelle zu machen. Es war sehr spannend, weil ich mir meine Heimatstadt Freising einmal komplett neu erarbeiten musste. Denn das, wie ich die Dinge sehe und wie sie andere sehen – da liegen ja dadurch, dass ich noch nie sehen konnte, Welten dazwischen. Ich bin meinen Freundinnen so dankbar, dass sie sich da so viel Zeit für mich und die Recherchearbeit genommen haben.

Und wie ist das mit dem Cover?

Da muss ich mich komplett auf meine Berater verlassen: Meine Freunde, den Verleger, meine Eltern. Das Cover ist für den Sehenden natürlich ausschlaggebend, ob er sich von dem Buch angesprochen fühlt. Für mich ist das normalerweise völlig irrelevant. Ich nehme das Buch in die Hand und lese den Klappentext.

Wie viel Franzi steckt in den Protagonisten?

In jedem der drei Mädchen steckt ein bisschen was von mir. Da ist beispielsweise Sabrina und ihre Tolpatschigkeit: Ich trete auch oft und gerne in Fettnäpfchen, sage Dinge, ohne davor groß darüber nachzudenken. Aber ich bin auch oft sehr vernünftig, so wie Mona, die die anderen manchmal ein bisschen zurückhält mit ihren verrückten Ideen. Es gibt aber auch die schüchterne Seite an mir, wie bei Susanne. Da sie blind ist, steckt viel von mir in ihr und umgekehrt. Auch sie hadert manchmal mit ihrer Blindheit, hat oft den Wunsch, einfach zu den Sehenden dazuzugehören. Sie möchte das Thema Inklusion anpacken, Neues ausprobieren, lässt sich von ihrer Blindheit nicht in die Schranken weisen – so wie ich.

Wie viel Raum nimmt das Buch in deinem Leben ein?

Viel, sehr viel! Ich versuche, jeden Tag zu schreiben. Ich denke sehr oft an das Buch, stelle mir schon jetzt vor, wie es mal sein wird, anderen daraus vorzulesen. Ich bin schon auf der Suche nach passenden Locations, an Schulen beispielsweise.

Im Frühjahr soll „Wozu braucht man Jungs?“ erscheinen? Bist du gerade arg im Stress?

Ich kann am Besten auf den letzten Drücker arbeiten. Ich telefoniere viel mit meiner Lektorin, wir bearbeiten so zusammen ganze Textpassagen. Am Anfang war es schwer, meinen und ihren Stil unter einen Hut zu bringen. Mittlerweile läuft das gut und wir finden die Goldene Mitte immer schnell.

Du hast ja mittlerweile einen Vertrag mit dem Freisinger Schwarzbuchverlag unterzeichnet. Wie kam das zustande?

Ich habe lange überlegt, ob ich einen Verlag suchen oder das Buch ohne Verleger veröffentlichen soll. Das ist aber wahnsinnig aufwändig. Da war mir die Verantwortung einfach zu groß. Am Ende bin ich beim Freisinger Schwarzbuchverlag gelandet, ich hab all meinen Mut zusammengenommen und ihm geschrieben. Er hat mir relativ schnell geantwortet, ich hab ihm Leseproben zukommen lassen – dann ging alles ganz schnell. Wir haben uns getroffen und sind uns schnell einig geworden.

Was wünschst du dir für dein Buch?

Mein größter Wunsch wäre, es auch als Hörbuch zu produzieren. Ob das geht, liegt auch an meinem Verleger. Reich werde ich mit meinem Buch wohl nicht – da müsste ich schon sehr, sehr viele Exemplare verkaufen. Aber ich hoffe sehr, dass es das erste Buch einer Reihe sein wird. Denn meine Mädels haben noch so viel zu erzählen...

Interview: Andrea Beschorner

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