Schmähgedicht

Böhmermann: Freisinger Front gegen Erdogan

  • schließen
  • Manuel Eser
    Manuel Eser
    schließen
  • Andreas Beschorner
    Andreas Beschorner
    schließen

Freising - Im Fall Böhmermann haben Freisinger Politiker klar Position gegen Recep Tayyip Erdogan bezogen: Meinungs- und Pressefreiheit in Deutschland müssten vor dem türkischen Präsidenten geschützt werden.

„Sein Menschenrecht sei nun verletzt,

wohl Pech gehabt, wir sind vernetzt.

So ist das mal mit deutscher Presse,

da kriegt ein jeder auf die Fresse.“

Margerithe Saiko findet nicht nur deutliche Worte, die Schriftstellerin aus Au hat auch eine klare Meinung zu der aktuellen Diskussion um das sogenannte Schmähgedicht von Jan Böhmermann auf Recep Tayyip Erdogan. „Demokratie ist gleich Meinungsfreiheit“, sagt sie. Dass die Wellen nun so hoch schlagen, und der türkische Präsident sogar Strafantrag gegen den ZDF-Moderator gestellt hat, ist für Saiko Inspiration genug, selbst Erdogan-kritische Gedichte zu verfassen, die sie auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht. Für sie trägt auch die Bundeskanzlerin eine Mitverantwortung. „Dass Erdogan nun so auf den Putz hat, ist der Preis, den Frau Merkel dafür bezahlen muss, dass sie seine Dienste in Kauf genommen hat, um den Flüchtlingsstrom einzudämmen“, sagt Saiko und fügt hinzu: „Eine hässliche Tatsache!“ Böhmermanns Gedicht sei im Hinblick dessen, was deutsche Politiker sich international an Häme bieten lassen müssen, absolut im Rahmen – im Rahmen dessen, was Satire erlaubt. Und auch wenn es nicht die Krönung des Philosophischen sei, hätte, so die Meinung der Schriftstellerin, Erdogan nicht so überreagieren dürfen. „In der Satire gibt es vieles, über das man streiten kann – aber nicht so.“

Die Aussagen Freisinger CSU-Politiker sind ebenfalls mehr als deutlich: Freisings Kulturreferent Hubert Hierl fordert grundsätzlich, man solle die Angelegenheit „tiefer hängen“. Er könne in der Beurteilung des Vorfalls nur Kabarettist und Schauspieler Dieter Hallervorden zustimmen. Dass der türkische Staatspräsident jetzt sogar persönlich Anzeige gegen Jan Böhmermann erstattet habe, „bringt uns die Türkei nicht näher“. Der Bundesregierung würde Hierl dringend empfehlen, kein Verfahren gegen Böhmermann anzuregen.

Ähnlich sieht es Bundestagsabgeordneter Erich Irlstorfer: In Deutschland habe man Presse- und Meinungsfreiheit. Man dürfe und werde sich vom Ausland „nicht diktieren lassen, was wir dürfen und was nicht. Wir brauchen da keine Belehrung.“ Und wenn jemand Deutschland einen guten Rat geben könne, dann wäre „Herr Erdogan wohl eher die zweite Wahl“, meinte Irlstorfer ironisch, fast schon satirisch. Und vor allem, so der MdB: Die deutsche Regierung sei nicht erpressbar.

Ozan Iyibas, Kreisvorsitzender der Europa-Union mit türkischen Wurzeln, empfiehlt der Bundesregierung ebenfalls, sich klar zu positionieren. „An der ein oder anderen Stelle des Gedichts gibt es heftige Formulierungen, aber das gehört zur Satire“, sagt er. „Wir haben in Deutschland Freiheiten, die wir ganz hoch halten sollten. Dazu gehören Meinungs- und Pressefreiheit.“ Erdogans Reaktion auf das Gedicht sei ein klares Indiz, dass er Grundrechte nicht respektiere. „In der Türkei herrscht ein totalitäres Regime ohne Gewaltenteilung.“ Sollte die Bundesrepublik vor dem türkischen Staatsoberhaupt einknicken, würde sich Deutschland nicht nur zum Gespött machen, sondern sich Erdogan zudem ausliefern. „Er wird das auch künftig als Druckmittel nutzen.“

Johannes Becher ist nicht nur Bezirksrat, der mit dem Grünen Kabarett selbst schon humoristisches Talent bewiesen hat, sondern auch studierter Jurist. Seine Einschätzung: „Vom Wortlaut her erfüllt das Gedicht den Tatbestand der Schmähkritik, im Gesamtkontext ist es aber zulässig.“ Denn Böhmermann habe Erdogan ja nicht in den Nachrichten beleidigt, sondern in einer Satiresendung – mit entsprechender Anmoderation, basierend auf einem „gewissen Vorverhalten des türkischen Präsidenten“. Das Fazit des Grünen-Politikers zum Schmähgedicht: „Eine überzogene, ausfällige, aber zulässige Meinung.“ Nun ist er gespannt, wie Merkel aus der Nummer wieder herauskomme. „Denn selten ist jemand mit weniger Aufwand zur Staatsaffäre geworden. In Bezug auf Selbstdarstellung hat Böhmermann alles richtig gemacht.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Heimatshop Winter Aktion, jetzt Rabatte von bis zu 30% sichern!

<center>Magnet mit Kuhflecken</center>

Magnet mit Kuhflecken

Magnet mit Kuhflecken
<center>Brotzeit-Brettl "Brotzeit"</center>

Brotzeit-Brettl "Brotzeit"

Brotzeit-Brettl "Brotzeit"
<center>Bayerisches Schmankerl-Memo</center>

Bayerisches Schmankerl-Memo

Bayerisches Schmankerl-Memo
<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Meistgelesene Artikel

Gemeinde übernimmt Defizit des Kindergartens „Arche Noah“
Langenbach - Das Defizit des Langenbacher Pfarrkindergartens „Arche Noah“ stieg im vergangenen Kindergartenjahr an. Nun beschäftigte das Minus den Gemeinderat.
Gemeinde übernimmt Defizit des Kindergartens „Arche Noah“
Arbeitsverbot für Flüchtlinge: Fassungslosigkeit in den Betrieben
Freising - Seit Wochen erhalten viele Flüchtlinge keine Arbeitsgenehmigung mehr. So will es das Bayerische Innenministerium. Nicht nur für Asylbewerber und ehrenamtliche …
Arbeitsverbot für Flüchtlinge: Fassungslosigkeit in den Betrieben
Interview mit Bianca Jenny: „Viele Moosburgerinnen schreiben mir“
Moosburg - Mit zarten 17 Jahren will es Bianca Jenny bei DSDS zum Superstar schaffen. Wir haben die Moosburgerin zum Kuchenessen getroffen - und im Interview einiges …
Interview mit Bianca Jenny: „Viele Moosburgerinnen schreiben mir“
Nandlstadt: Bürgermeister wird von seinem Vize gerügt
Nandlstadt - Im Gemeinderat Nandlstadt herrscht eine „immense Unzufriedenheit“ darüber, dass viele Themen nicht angepackt werden – so zumindest beschreibt es 2. …
Nandlstadt: Bürgermeister wird von seinem Vize gerügt

Kommentare