Linken-Direktkandidat Nicolas-Pano Graßy (l.) und Parteikollege Albert Schindlbeck
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Enttäuscht: Linken-Direktkandidat Nicolas-Pano Graßy (l.), hier mit Parteikollege Albert Schindlbeck am Wahlabend im Freisinger Landratsamt, schaffte nur 2,0 Prozent.

Überblick am Tag nach der Bundestagswahl

Gewinner und Verlierer im Kreis Freising: Linke schwächer als Die Basis, AfD rutscht auf Platz sechs

  • Andreas Beschorner
    VonAndreas Beschorner
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Am Tag nach der Bundestagswahl lohnt das Endergebnis im Wahlkreis 214 ein genaueres Hinsehen - nicht nur auf die vier Vertreter, die nach Berlin fahren.

Freising – Wo normalerweise bei Wahlen die Spannung mit Händen zu greifen ist, ging es dieses Mal sachlich und nüchtern zu: im Landratsamt, wo wegen Corona die Teilnehmerzahl stark beschränkt war und sich beispielsweise SPD und AfD gar nicht blicken ließen. Aber Die Partei war da – zu dritt, wie es erlaubt war.

Dieses Trio sorgte mächtig für Stimmung, als kurz vor 21 Uhr Erich Irlstorfer mit Familie erschien. Staccato-Klatschen über Minuten hinweg, „Erich! Erich!“-Rufe und sogar ein „Superman!“ kam von den Dreien, die sich zu Ehren des Mannes erhoben hatten, der abermals das Direktmandat erobert hat.

CSU-Mann nur in drei Gemeinden über 40 Prozent

Das Endergebnis im Wahlkreis 214 lohnt ein genaueres Hinsehen – besonders auf die vier Vertreter, die nach Berlin fahren. Irlstorfers 36,2 Prozent bedeuten zwar gegenüber 2013 ein Minus von fast 18 Prozent, sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten Andreas Mehltretter (SPD) beträgt aber immer noch über 20 Prozent. „Ausreißer“ gab es bei Irlstorfers Erststimmen-Ergebnis kaum, allerdings konnte er nur in drei Gemeinden im Landkreis die 40-Prozent-Hürde knacken (Hohenkammer, Kirchdorf und Zolling).

Die schlechtesten Resultate im Landkreis fuhr Irlstorfer in Au ein, wo er es gerade mal auf 25,4 Prozent brachte und deutlich hinter dem Lokalmatadoren Karl Ecker (40,3 Prozent) landete, und in der Stadt Freising, wo er mit 26,6 Prozent nur knapp vor Leon Eckert von den Grünen (23,1 Prozent) liegt. Bei den Zweitstimmen hingegen hatten in Freising die Grünen mit 24,9 Prozent knapp die Nase vor der CSU mit ihren 23,9 Prozent.

Grünen-Kandidat in SPD-Hochburg

Traditionell stark im Landkreis waren die Grünen in Kranzberg (16 Prozent Erst- und 15,5 Prozent Zweitstimmen), in Neufahrn (15,2 beziehungsweise 14,4 Prozent), in Moosburg (14,1 beziehungsweise 15,8 Prozent), in Marzling (17,3 / 19,8 Prozent) und Haag (14,2 / 15,8). In seiner Heimatgemeinde Eching schaffte Leon Eckert sogar 17,7 Prozent der Erststimmen und 16 Prozent der Zweitstimmen. Damit lag er in der SPD-Hochburg bei den Erststimmen sogar vor Andreas Mehltretter.

Der SPD-Mann wiederum konnte in Eching mit 16,4 Prozent bei den Erst- und 18,3 Prozent bei den Zweitstimmen besonders punkten – sowie auch in Langenbach, Neufahrn und Moosburg. Am schlechtesten schnitt Genosse Mehltretter mit 6,5 Prozent in Au ab.

Verluste für die AfD

Verluste hat die AfD im Wahlkreis 214 zu verzeichnen: Bei den Erststimmen gab es für Johannes Huber ein Minus von 3,2 Prozent, bei den Zweitstimmen rutschte die AfD im Wahlkreis um 4,5 Prozent ab. Damit verlor die AfD im Wahlkreis bei den Zweitstimmen ihren zweiten Platz (hinter der CSU) von 2017 und ist jetzt nur mehr die sechststärkste Kraft. Huber, der 2017 noch auf Platz drei bei den Direktkandidaten gelegen hatte, landete jetzt auf Platz fünf.

Und die ganz kleinen Parteien? Da bekam Eckhard Reineke (Die Basis) mit 2,5 Prozent mehr Stimmen als Linken-Kandidat Nicolas-Pano Graßy (2,0 Prozent). Emilia Kirner von der ÖDP schaffte 1,6 Prozent. Und Die Partei? Deren „Kanzlerkandidat“ Daniel Weigelt ergatterte 1,1 Prozent und interpretierte das in einer Pressemitteilung als klaren Auftrag „zur Regierungsbildung mit allen geimpften und demokratischen Parteien“ – außer mit der FDP, weil man weiterhin nicht mit „Spaßparteien“ zusammenarbeite.

Wie der Wahlabend in Freising verlief, erfahren Sie im Live-Ticker des Freisinger Tagblatt.

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