1. Startseite
  2. Lokales
  3. Freising
  4. Freising

Bunte Bands bieten tolles Fest: Bei Freisinger Nacht der Musik spielt Corona nur im Hintergrund mit

Erstellt:

Von: Andreas Beschorner

Kommentare

Liveband Apollon‘s Smile spielt vor Publikum in Freisinger Augustiner-Bierstüberl
Lokalmatadore mit unterschiedlichen Facetten: Das begeisterte Publikum wurde Zeuge, wie sich Apollon’s Smile im Augustiner-Bierstüberl zu Midlife or Crisis wandelte. © Lehmann

Für ganz unterschiedliche Herbsttöne sorgte die Freisinger Nacht der Musik. Insgesamt durch elf Lokale konnten die Besucher mit ihren Banderln ziehen.

Freising – Es war wieder „Banderl“-Zeit: Nach einem Jahr Zwangspause rief die Freisinger Nacht der Musik das Volk in die Innenstadt, in elf Bars und Gasthäusern tobten sich lokale und überregionale Bands aus. Und das Volk –brav und gewissenhaft nach 3G-Regeln zugelassen und mit den begehrten „Banderln“ versehen – feierte kräftig mit bei der Veranstaltung, die der Verein Prima leben und stereo (Plus) organisiert hatte.

Samstag, 18 Uhr: Vor den beiden Verkaufsstellen auf dem Marienplatz haben sich schon vor längerer Zeit Schlangen gebildet. Die nach Unterhaltung und Live-Musik dürstende Fangemeinde wartet gerne, schließlich wird man für das Anstehen mit Musik diverser Stilrichtungen und mit Locations von ganz unterschiedlicher Atmosphäre belohnt.

Zwischen urig-griabig und edel-gemütlich

Man nehme zum Beispiel das Augustiner-Bierstüberl in der Ziegelgasse und das Freisinger Augustiner in der Oberen Hauptstraße. Trotz der Namensähnlichkeit offenbarte sich auf diesen beiden „Bühnen“ die ganze Bandbreite dessen, was die Freisinger Nacht der Musik in diesem Jahr und schon seit Jahrzehnten ausmacht: Das Bierstüberl – eine urige, griabige Kneipe, eng, die Decke etwas niedrig – beheimatete an diesem Abend erst die Lokalmatadore von Apollon’s Smile, die sich dann zu Midlife or Crisis? wandelten. Schönes, ruhiges, feines Singer-Songwritertum stieß auf guten, erdigen, ehrlichen Rock und Blues, die große, weite Welt des knackigen Sounds fand an der Ziegelgasse großen Zuspruch.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Freising-Newsletter.)

Rund 200 Meter weiter das Freisinger Augustiner, eine neue, edle, gemütliche Schänke im besten Sinn des Worts, die an diesem Abend den Rahmen für die Viergeimusi bildete. Die vier Mannen aus vier verschiedenen Gegenden Oberbayerns haben sich ganz dem weißblauen Liedgut verschrieben, unverfälscht und zünftig zupfte und blies das Quartett, dass es nur so eine Freude war –und das nicht nur für die weißblaue Seele.

Blaskapelle auf dem Marienplatz Freising
Die weißblaue Seele wurde auf dem Marienplatz gestreichelt, wo neben einem Biergarten der Niederbayerische Musikantenstammtisch für gute Laune sorgte. © Beschorner

Die wurde auch am Marienplatz gestreichelt, wo neben dem „Banderl“-Verkauf auch ein kleiner Biergarten aufgebaut war, den der Niederbayerische Musikantenstammtisch gar lustig und stimmungsvoll im Dreivierteltakt, mit Landler oder Zwiefachem beschallte, und für die kleinsten Gäste gab es als Sondereinlage sogar die Titelmelodie vom Pumuckl: „Hurra, Hurra …“

Fette Bläsersätze und dicke Beats

Auf eine Art Mixtur aus bayerischer Tradition und Songwriter traf man im Etcetera, wo Maxi Pongratz von Kofelgschroa seine Akkordeonkünste und Texte präsentierte. Und überhaupt: Songwriter standen an diesem Abend oft auf den Bühnen der Innenstadt-Kneipen: Clemens Ripp im Effe & Gold beispielsweise oder auch Raffael Luto und Oliver Splawski im Café Nebenan hielten die Fahne der tiefgründigen Texte und des Gitarrenspiels aus Freisinger Landen hoch – sehr hoch!

Eher sanft und smoothig ging es an der Fischergasse mit der Julia Schröter Band in Junker’s Café-Rösterei zu, ebenfalls zu den lokalen Musikgrößen gehörten Petra Lewi und Titus Waldenfels, die sich so gar nicht einer Musikrichtung zuordnen lassen wollen und auch an diesem Abend in Sissi’s Kaffeehaus zwischen Country und Swing ebenso souverän wechselten wie zwischen Pop und Chanson.

Und dann gab’s da eben noch die Bands, die sich einer etwas härteren Gangart verschrieben hatten und das am Samstag in Freising auch voller Hingabe auslebten: Indie & Rock gab’s von Skofja im Effe & Gold, wo auch Against the grain die Wände leicht ins Beben brachten, weil sie ihrem Selbstverständnis nach schließlich dafür zuständig sind, dass Punk eben nicht dead ist.

Fette Bläsersätze und dicke Beats vom Akkordeon – das ist die Welt der Band mit dem längsten Namen aller Combos an diesem Samstag: The Sensational Skydrunk Heartbeat Orchestra, das im Furtner von Liebe, Umweltschutz und Geflüchteten sang. Nicht zu vergessen – und auch nicht zu überhören – die Friends of Pablo, die im Sammamera der Sparte Synthie und Hip-Hop bei der Freisinger Nacht der Musik einen würdigen und wichtigen Platz erkämpften.

The Marienplatz traten in the Q-Bar auf

Und dann war da noch The Marienplatz, die allerdings nicht auf the Marienplatz auftraten, sondern in the Q-Bar. The Marienplatz heißt das musikalisch facettenreiche Trio, weil es bekanntlich auch in München einen Marienplatz gibt, von wo die drei Musiker Synthie, Gitarre und Bass mitgebracht hatten, mit denen sie ihre lyrischen Texte untermalten.

Um 22 Uhr gingen die Lichter allerdings schon wieder aus, wurde der Stecker gezogen oder die Gitarre weggelegt. Das war früh, aber nach so langer Zeit des Darbens waren alle froh, überhaupt wieder eine Nacht der Musik in der Kulturstadt Freising erlebt zu haben. Es waren eben besondere „Banderl“, mit denen die musikalische Pilgerschaft von einem Ort zum andern möglich war.

Auch interessant

Kommentare