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Caritas schlägt Alarm: Die Wohnungsnot im Kreis Freising wird immer größer

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Von: Andreas Beschorner

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Wohnungsmangel
In Freising fehlt bezahlbarer Wohnraum: ein Problem, das laut Caritas-Geschäftsführerin Carolin Dümer schon „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen ist. © Symbolbild dpa / Frank Rumpenhorst

Es ist kein neues Problem, aber es ist eines, das sich immer weiter verschärft: das Fehlen bezahlbaren Wohnraums. Und es gibt keinen Fachdienst bei der Caritas, den dieses Problem nicht betrifft.

Freising – Es ist kein neues Problem, aber es ist eines, das sich immer weiter verschärft: das Fehlen bezahlbaren Wohnraums. Und es gibt keinen Fachdienst bei der Caritas, den dieses Problem nicht betrifft, wie bei der Vorstellung des Jahresberichts deutlich wurde.

Caritas-Geschäftsführerin Carolin Dümer sagte, dieses Problem sei ja inzwischen schon „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“. Auch Normalverdiener hätten inzwischen Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden. Während man davon ausgehe, dass im Schnitt 30 Prozent des Einkommens für Miete ausgegeben werden, seien es im Raum Freising nicht selten 50 Prozent. Was an öffentlich gefördertem Wohnraum im Landkreis gebaut werde, sei „viel, viel zu wenig“. Und: Die Bindung als öffentlich geförderter Wohnraum müsse unbedingt verlängert werden. Dümer forderte „mindestens 50 Jahre“.

Die einzelnen Fachdienstleiter bestätigten diese Aussagen: Günter Miß zum Beispiel, der für Soziale Dienste bei der Caritas zuständig ist, schilderte, dass das Thema Wohnungsnot „querbeet“ alle Bereiche betreffe. Ein Beispiel: Christiane Buser sei dafür zuständig, obdachlose Bürger wieder „mietfähig“ zu machen. Das Ergebnis: Selbst Menschen, die wieder „fit“ seien, eine Wohnung zu mieten, würden wegen der Preise keine Unterkunft finden.

Hinzukomme, dass die vom Job-Center gesetzten Obergrenzen für Mieten in Freising viel zu niedrig seien. „Das reicht nie. Das muss geändert werden“, so die Forderung von Miß. Auch bei der Schuldnerberatung spüre man dieses Problem allenthalben, weil die Schuldenfalle oft deshalb zuschnappe, weil die Mieten zu hoch seien. Eine billigere Wohnung zu finden, sei eben praktisch unmöglich.

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Verschärft werde die Lage noch durch Flüchtlinge, deren Asylbewerberverfahren abgeschlossen sei und die eigentlich aus staatlichen Unterkünften ausziehen müssten. Deren Chancen, eine Wohnung zu ergattern, seien zudem „sehr, sehr gering“.

Auch die sich im Aufbau befindliche Koordinierungsstelle für niedrigschwellige Angebote für Senioren und der Fachdienst Ambulante Pflege und Betreuung seien mit dem Problem der Wohnungsnot konfrontiert, sagten die Leiterinnen Edith Wesel und Regina Simnacher – beispielsweise dann, wenn ein Umzug in eine seniorengerechte Wohnung anstehe.

Im Fachdienst für Kinder, Jugend und Familie, den Bettina Erifiu-Wolf leitet, spürt man die Wohnraumknappheit ebenfalls. Dann nämlich, wenn Familien von Scheidung oder Trennung betroffen seien und man zwei Wohnungen benötige. Das stürze Frauen, aber auch Männer oft in die Armut. Oder eine Trennung werde nicht vollzogen, weil man keine zweite Wohnung finde. Kinder würden dann in der nach wie vor gemeinsam genutzten Wohnung Dinge erleben, „die sie nicht erleben sollten“.

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Schwierig sei es auch für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die im Alveni Jugendhaus in Au betreut werden: Sie würden sich, wenn sie in eine Gemeinschaftsunterkunft umziehen müssten, schwer tun, so Jugendhaus-Leiter Heinz Frickenstein.

Die sozialpsychiatrischen Dienste kümmern sich laut Fachdienstleiter Christian Jotter eher um das „innere Lebenshaus“ der Menschen. Dagegen versuche der Fachdienst für Beschäftigung, Integration und Qualifizierung sozial benachteiligter Menschen mit dem neuen Projekt „BeMobil“, Langzeitarbeitslose in anderen Landkreise in Arbeit zu bringen – mit der Aussicht, dort dann auch eine Wohnung zu finden.

Ebenfalls in Freising sucht ein Vater mit vier Kindern dringend nach Wohnraum. Momentan wohnt die fünfköpfige Familie auf zehn Quadratmeter. 

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