Aus Mangel an Beweisen

Chip mit Kinderporno fehlt: Freisinger freigesprochen

Freising - Ein kinderpornographisches Video soll ein 42-Jähriger aus Freising auf seinem Smartphone empfangen haben. Vieles deutete bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht Freising darauf hin. Doch der entscheidende Beweis fehlte.

Der Absender der Datei vom Juli 2014, ein 53-Jähriger aus Baden-Württemberg, ist zwischenzeitlich rechtskräftig zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Vor dem Amtsgericht Freising bestritt sein 42-jähriger Chatpartner, von dem Video gewusst zu haben.

Offensichtlich handelte es sich um eine ganze Gruppe von Männern, die sich im Internet bis in den Sommer 2014 hinein eifrig über pornographische Themen ausgetauscht haben. Chatprotokolle sind überliefert, wonach der in Freising lebende Angeklagte und der Württemberger sich über ihre Vorlieben unterhielten. So fragte der Württemberger den Freisinger einmal, auf welche Haarfarbe er denn stünde. Er könne noch mehr liefern.

Auf seine Internet-Plaudereien angesprochen, gab der Angeklagte an, in einem ganz normalen Chat ganz normale Themen besprochen zu haben. „Da wurde aber nicht über Weihnachtsgeschenke geredet“, bohrte Richterin Tanja Weihönig nach. Der 43-Jährige räumte daraufhin pornographische Gesprächsinhalte ein: „Ja, darum ging es auch.“ Das sei schließlich nicht verboten. Er habe Pornos empfangen und verschickt. Dabei habe es sich aber ausschließlich um Erwachsenenfilme gehandelt.

Merkwürdigerweise war der 42-Jährige in der Chatgruppe als „Jasmin“ bekannt. Dem Gericht gestand er ein, im Netz auch als Frau kommuniziert zu haben. Die Frage des Württembergers nach seiner bevorzugten Haarfarbe hatte der Angeklagte wie folgt beantwortet: „Gähn, langweilige Gruppe.“

Im Prozess blieb er dabei, weder ein kinderpornographisches Video bestellt noch dessen Empfang festgestellt zu haben. „Ich stehe nicht auf so was“, versicherte er Richterin Weihönig. „Mein einziger Fehler war, dass ich nicht zur Polizei gegangen bin.“ Zur Polizei zu gehen freilich hätte bloß Sinn gemacht, wenn er das Video eben doch bemerkt hätte.

Die Kripo Erding war von Kollegen aus dem benachbarten Bundesland auf den Angeklagten aufmerksam gemacht worden. Fahnder durchsuchten seine Bleibe – allerdings ohne Erfolg. Der Mann hatte sich im August 2014, wenige Wochen nachdem er das Video empfangen haben soll, ein neues Telefon und eine andere Sim-Karte zugelegt.

Zwar vermochte die Kripo den 42-Jährigen als Lügner zu überführen, den Besitz von Kinderpornos konnten sie ihm nicht nachweisen. Dass der Freisinger in der polizeilichen Vernehmung behauptet hatte, mit Chatgruppen nichts zu schaffen zu haben, begründet keinen strafrechtlichen Vorwurf. Der als Zeuge geladene Absender des Videos selbst war diesbezüglich keine Hilfe.

Das Amtsgericht Freising stellte das Verfahren gegen den 42-Jährigen schließlich ein. Zwar hatte das Gericht in Baden-Württemberg das Mädchen auf dem Video als Minderjährige identifiziert, Richterin Weihönig und der Staatsanwalt gelangten jedoch zu der Ansicht, das dies nicht eindeutig feststellbar sei. Für einen Schuldspruch hätte das Gericht den Nachweis aber führen müssen. Aufwendige Nachermittlungen in Baden-Württemberg wären dazu notwendig geworden – das Ganze ohne den entscheidenden Beweis: der Telefonchip-Karte.

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa-tmn

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