Rita Gerlspeck hinter dem Kassentresen: Ein Bild, das die Freisinger seit Jahrzehnten mit einem Einkauf in der Innenstadt verbinden.
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Rita Gerlspeck hinter dem Kassentresen: Ein Bild, das die Freisinger seit Jahrzehnten mit einem Einkauf in der Innenstadt verbinden.

Das letzte Kapitel zweier Erfolgsgeschichten

Schwerer Schlag für Einzelhandel in Freising - zwei Traditionshäuser verschwinden für immer

  • Helmut Hobmaier
    vonHelmut Hobmaier
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Der Einzelhandel muss immer mehr kämpfen. In der Freisinger Innenstadt schließen jetzt zwei Traditionshäuser: Deller Schuhmoden und das Schuh- und Sporthaus Gerlspeck.

  • Der Druck auf den Einzelhandel steigt in Zeiten von Onlinehandel und Internet immer mehr.
  • Auch zwei Freisinger Erfolgsgeschichten gehen nun zu Ende: Deller Schuhmoden und Sport Gerlspeck schließen.
  • „Es werden wehmütige Momente sein“, gesteht Seniorchefin Rita Gerlspeck.

Freising – Für den Einzelhandel wird es immer schwieriger – und die Corona-Pandemie hat die Situation noch verschärft. Die Folge: Auch für immer mehr alteingesessene Geschäfte wird es zunehmend „enger“. Jetzt schließen in der Freisinger Innenstadt zwei Traditionshäuser: Deller Schuhmoden und das Schuh- und Sporthaus Gerlspeck.

Freising: Zwei Traditionshäuser in der Innenstadt schließen - Sport Gerlspeck und Schuhmoden Deller

Es war die Zeit des Aufschwungs: „Schuh Gerlspeck“ wurde von Anton und Rita Gerlspeck im November 1961 gegründet. Anfangs noch in einem Laden in der Oberen Hauptstraße 8, später in der Unteren Hauptstraße 1, wo das Geschäft direkt am Marienplatz bis heute ein fester Bestandteil der Freisinger Innenstadt ist.

Auch eine eigene Schuhfabrik in Eggenfelden und eine Filiale in Erlangen führte man über viele Jahre. In den 80er Jahren fanden 38 Mitarbeiter eine Anstellung bei den Gerlspecks. Es waren viele Mitarbeiter – und dennoch herrschte eine familiäre Atmosphäre. Über viele Jahre wurden Weihnachtsfeiern im Privathaus der Gerlspecks gefeiert, zu denen die Haushälterin der Familie aufkochte. Seit 1986 sind drei der vier Gerlspeck-Töchter in Verkauf und Büro bis heute im Familienunternehmen eingebunden.

Prominent: „Gold-Rosi“ Mittermaier kam zur Eröffnung der Gerlspeck-Skiabteilung im Jahr 1978. Rechts die Inhaber Rita und Anton Gerlspeck.

Bereits in den 70er Jahren wurde die „Alpin Skischule Freising“ gegründet. Viele Freisinger lernten dort das Skifahren – und werden sich an die „gute, alte Skifahrerzeit“ noch liebevoll erinnern. Drei Jahrzehnte waren hier an die 100 Skilehrer mit den kleinen „Skihaserl“ in den Weihnachtsferien und an den Winterwochenenden in der Wildschönau unterwegs, um ihnen die Pistenschwünge beizubringen.

Das Ende einer Ära: Sport Gerlspeck schließt - „Druck für den Einzelhandel ist leider zunehmend gestiegen“

Rita Gerlspeck hinter dem Kassentresen – auch das ein prägendes und typisches Bild, an das sich viele seit Jahrzehnten gerne erinnern. Und natürlich auch an die legendäre Rutschbahn in die Kinderabteilung im Untergeschoss. Generationen sind hier gerutscht – ein Freisinger Klassiker.

„In den vergangenen 20 Jahren ist der Druck für den Einzelhandel aber leider zunehmend gestiegen“, bedauert Rita Gerlspeck. Internet und Onlinehandel hielten Einzug und reduzierten die Umsätze vor Ort deutlich. „Das sind Entwicklungen, die wohl auch künftig keine positive Perspektive für ein Familienunternehmen bieten“, sagt die Seniorchefin. Schweren Herzen habe man deshalb den Entschluss zur Geschäftsaufgabe gefasst.

Seniorchefin Rita Gerlspeck: „Es werden wehmütige Momente sein“

Was bleibt, sind Tausende von zufriedenen Kunden und ein stolzer Blick auf sechs erfolgreiche Jahrzehnte. Es gab immer wieder Höhen und Tiefen, und auch persönliche Schicksalsschläge wie etwa den frühen Tod von Anton Gerlspeck im Jahr 1998. Dank vieler treuer Wegbegleiter und Freunde habe man bis jetzt alle Hürden gemeistert, sagt Rita Gerlspeck – auch dank der Vermieter sowie dem Bankhaus Sperrer und der Sparkasse Freising, mit denen man stets vertrauensvoll zusammengearbeitet habe.

Rita Gerlspeck: „Ein großer Dank geht auch an unsere Mitarbeiter, von denen viele über Jahrzehnte für uns gearbeitet haben. Und nicht zuletzt der größte Dank an unsere Kunden, die uns nahezu 60 Jahre die Treue gehalten haben und somit dem Einzelhandel in immer turbulenteren Zeiten eine Chance gegeben haben. Es war auch eine Chance für uns als Familienunternehmen, das von den Kunden, die vor Ort einkaufen, lebt.

Sport Gerlspeck in Freising: Sechs erfolgreiche Jahrzehnte und tausende zufriedene Kunden

Es werden wehmütige Momente sein, wenn man zum letzten Mal den Schlüssel ins Schloss der Eingangstür mit der Gerlspeck-Inschrift steckt, wenn man ein letztes Mal nach unten rutscht, ein letztes Mal hinterm Kassentresen steht oder einer Kundschaft auf Knien in die Schuhe hilft.“ Und, so Rita Gerlspeck, „wenn die Lichter im Schaufenster für immer ausgemacht werden.“ Aber: „Es werden auch viele schöne Erinnerungen bleiben.“ Über die Nachnutzung der Räumlichkeiten ist noch nichts bekannt. Es laufen Gespräche.

Freising: Ära geht zu Ende - für Familie Deller ist nach über 100 Jahren Schluss mit dem Schuhgeschäft

Und noch eine Ära endet in Freising: Die Familie Deller führt ihr Schuhmodehaus nicht mehr weiter – nach mehr als 100 Jahren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg avancierte das Schuhhaus Deller zum Freisinger Modetreffpunkt.

Die Geschichte reicht also weit zurück: Matthias Deller, eines von sieben Kindern einer Hopfenbauernfamilie aus Reichertshausen, erbt im Jahr 1903 von seinem Onkel ein Haus an der Unteren Hauptstraße 15 in Freising – und eröffnet darin ein Schuhgeschäft. Matthias Deller beteiligt sich rege am gesellschaftlichen Leben und tritt vielen Vereinen bei, um Kontakte zu knüpfen.

Vielfach fungiert der engagierte Geschäftsmann auch als Vorsitzender, etwa der Heiliggeist-Stiftung. Sein Ansehen wächst und das Schuhgeschäft ist bald rundum etabliert. Noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs übernehmen seine Kinder Richard, Berta und Maria gemeinsam das Geschäft in der Freisinger Innenstadt. Richard muss zum Militär – und so sind es die beiden Schwestern, die das Geschäft während der Kriegsjahre führen.

Schuhmoden Deller gibt in Freising Geschäft auf: Nachfolger ist bereits gefunden

Nach dem Krieg heiratet Richard Deller seine Gattin Anna Pirsch. Der wirtschaftliche Aufschwung ermöglicht es, das Schuhgeschäft 1954 zu modernisieren und eine Lederwarenabteilung anzugliedern. 1962 kommt dann die erste Etage des Hauses als Verkaufsraum hinzu.

Sohn Martin entscheidet sich für den Kaufmannsberuf, absolviert eine solide Ausbildung und übernimmt das Haus 1978 von seinem Vater. Erneut wird das Schuhhaus Deller auf den neuesten Stand gebracht, das Sortiment erweitert – und avanciert zum Modetreffpunkt in der Kreisstadt. Der Umsatz wächst stetig, und es folgen weitere Umgestaltungen.

Bitte Platz nehmen! Im Schuhhaus Deller saßen die Kunden immer in der ersten Reihe. Ein Blick in das Geschäft nach der Modernisierung im Jahr 1954.

Doch nun geht auch diese Freisinger Erfolgsgeschichte zu Ende: Martin Deller wird im nächsten Jahr 70, und seine Kinder haben sich beruflich anders orientiert. Schweren Herzens hat sich Deller daher entschlossen, das Geschäft aufzugeben. Er hat aber bereits einen Nachfolger gefunden, der das Geschäft in ähnlicher, bewährter Weise fortführen wird.

Die B301-Nordostumfahrung wird am Montag für den Verkehr freigegeben. Auf 4,2 Kilometern kann man nun zur A 92 gelangen, ohne sich durch die Stadt quälen zu müssen. Alle Neuigkeiten und Nachrichten aus Freising und der Region lesen Sie immer aktuell hier.

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