Das begehrte Vakzin: Die Äzte in der Region warten derzeit Vergebens auf den Corona-Impfstoff.
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Das begehrte Vakzin: Die Äzte in der Region warten derzeit Vergebens auf den Corona-Impfstoff.

„Spätestens Dienstag sind wir leer“

XXL-Impfaktion für Lehrer und Erzieher: 2400 Personen werden zusätzlich geimpft - Impfstoff wieder knapp

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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In einer XXL-Aktion wird das Personal von Kitas und Grundschulen am Wochenende geimpft. Doch der Impfstoff wird schon wieder knapp. Der Frust wächst.

  • Grundschullehrer und Kita-Personal wird ab Freitag, 12. März, geimpft.
  • Allerdings geht dem Landkreis laut BRK-Chef Anfang nächster Woche der Corona-Impfstoff aus.
  • Ausgerechnet jetzt, wo mehr als 50 Ärzte zur Impfunterstützung parat stehen.

Freising – Heute hüh, morgen hott. Das ständige Tauziehen um die Impfregularien in der Corona-Pandemie sorgt beim medizinischen Personal vor Ort zunehmend für Ärger. „Ich war mit Kritik bisher sehr zurückhaltend“, sagte Albert Söhl, Leiter des BRK-Kreisverbands Freising, dem FT. „Aber dass wir nie Planungssicherheit haben, ist für uns brutal anstrengend.

Corona-Impfung in Freising: Frust bei medizinischem Personal wächst - „Für uns brutal anstrengend“

Besonders stört Söhl, dass die Politik Impfstoffengpässe offenbar immer noch nicht im Griff hat. „Nach wie vor wird uns kurzfristig mitgeteilt, dass bei Lieferungen, die wir erwarten, nicht die bestellten Mengen ankommen“, berichtete Söhl.

BRK-Chef Albert Söhl: Spätestens am Dienstag geht im Landkreis der Impfstoff aus.

Er verstehe zwar, dass mit der weltweiten und deutschlandweiten Produktion und dem Transport von Impfstoff eine „irrsinnige Logistik“ verbunden sei. „Aber wir müssen planen können, weil wir die Menschen ja zu einem Impftermin einladen. Da ist es ganz schlecht, wenn nicht die bestellte Menge an Impfstoff bei uns ankommt.“

Corona in Freising: XXL-Impfaktion am Wochenende - Rund 2400 Personen werden zusätzlich geimpft

Am Wochenende findet parallel zum normalen Betrieb am Impfzentrum eine Großaktion in der Realschule Gute Änger statt, bei der das Personal der Grundschulen und Kitas des Landkreises geimpft wird – insgesamt rund 2400 Personen. „Dafür haben wir genügend Impfstoff gesammelt“, sagt Söhl.

„Aber am Montag, spätestens Dienstag sind wir leer.“ Zwar hat der BRK-Chef schon SOS gefunkt. Er kann im Augenblick aber nur hoffen, dass zumindest Teilmengen bereits georderter Bestellungen früher ankommen als signalisiert.

Corona: Grundschul-und Kitapersonal wird geimpft - Doch Impfstoff wird schon wieder knapp

Die Bereitschaft der Ärzte, zusätzlich zum Impfzentrum in den eigenen Praxen Corona-Impfungen vorzunehmen, ist im Landkreis groß. „Es haben sich bei uns über 50 Praxen gemeldet, die spätestens zum 1. April sicher starten können. Das sind etwa 80 Prozent“, teilte Ärztesprecher Georg Miedl mit. „Zusätzlich haben sich auch ein Betriebsärzteteam und Fachärzte angeboten.“

Landrat Helmut Petz nimmt das „mit großer Erleichterung“ zur Kenntnis. „Durch Impfungen in den Arztpraxen kann die Impfquote um ein Vielfaches gesteigert werden.“, betonte er in einem Schreiben. Deshalb möchte Petz, dass Ärzte möglichst schon im März miteinsteigen. Entsprechende Schulungen, wo es auch um die Datenerfassung der geimpften Personen ging, fanden bereits statt.

Ärztesprecher Georg Miedl: „Wir könnten sofort mit den Impfungen beginnen.“

Das große Problem: Wenn schon dem Impfzentrum kaum genügend Vakzin zur Verfügung steht, wie sollen Hausärzte dann erst mit AstraZeneca und Co. versorgt werden? Aus diesem Grund habe die Politik den Startschuss für niedergelassene Ärzte auch von Anfang auf Mitte April verlegt, ist Söhl überzeugt. „Das hat nichts damit zu tun, dass wir nicht früher loslegen könnten.“

Corona-Impfung in Bayern: Ärztesprecher mit klarer Ansage an Politik - „Größte Bremse ist reduzierte Impfstoffmenge“

Miedl bekräftigt das. „Aus Sicht der Ärzteschaft könnten wir sofort mit den Impfungen beginnen, da die rechtlichen Voraussetzungen eigentlich geklärt sind“, sagt er. „Die größte Bremse ist die reduzierte Impfstoffmenge.“

Seine klare Ansage an die Politik: „Die Regierungen auf Bundes- und Länderebene sollten nicht um einen möglichen Starttermin ringen, sondern vielmehr all ihre Kraft in die Organisation von Produktion und Verteilung von Impfstoffen stecken.“

Weiterhin sollen sich alle impfwilligen Bürger im Kreis Freising für die Corona-Impfung registrieren. Das Landratsamt erklärt, wie die Terminvergabe abläuft. Corona hat auch der Wachstumsregion München einen herben Dämpfer versetzt. Dennoch blicken die Experten des Planungsverbands optimistisch in die Zukunft. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Freising-Newsletter.

(Von Manuel Eser)

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