13 von 14 Betten plötzlich belegt

Corona-Lage in Klinikum verschärft sich: Intensivstation am Anschlag - „Stimmung sehr angespannt“

  • Helmut Hobmaier
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Die Lage am Klinikum Freising verschärft sich: Die Intensivstation läuft voll. Die Stimmung ist sehr angespannt.

Landkreis - Noch Mitte der Woche war die Lage am Klinikum Freising stabil: Die Zahl der Corona-Patienten auf der Isolier- und Intensivstation schien nicht an die rasant gestiegene Sieben-Tage-Inzidenz gekoppelt. Am Freitag aber änderte sich die Situation. 13 von 14 Betten der Intensivstation waren belegt. „Die Stimmung ist sehr angespannt“, berichtete Pressesprecher Sascha Alexander.

Corona: Intensivstation läuft voll - Leistungsschub für Radiologie

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Im Klinikum herrsche unter der neuen Geschäftsführerin Maren Kreuzer eine regelrechte Aufbruchsstimmung, berichtet der Pressesprecher. Viele Projekte würden jetzt angepackt, und es gebe hochkarätige personelle Verstärkungen in vielen Bereichen.

So habe ein neuer Kaufmännischer Leiter die Lücke geschlossen, die Maren Kreuzer seit ihrer Beförderung zur Geschäftsführerin auf diesem Posten hinterlassen hatte. Auch gebe es einige neue Belegärzte, etwa im HNO-Bereich. Die Radiologie, die künftig wieder komplett in Eigenregie des Klinikums betrieben wird, soll nicht nur bezüglich des Behandlungsspektrums erheblich erweitert werden. Neben diesem „Leistungsschub“ gebe es auch einen Chefarzt, der in der obersten Liga spiele. Ein Name wird noch nicht genannt, der Vertrag sei aber bereits unterschrieben, verrät Alexander.

Klinikum Freising: Sechs Betten für Schwerkranke, direkt neben der Intensivstation

Erweitert wird auch die Intensivstation, und zwar um einen dauerhaften „Intermediate-Care-Bereich“. Direkt neben der Intensivstation werden bereits vorhandene Räume zu einem hochmodernen Annex mit sechs Betten für Patienten umgebaut, die zwar schwer krank sind, aber nicht das volle Leistungsspektrum einer Intensivstation benötigen. Der Startschuss für dieses Projekt könnte noch in diesem Jahr fallen.

Nicht weniger wichtig ist der ebenfalls geplante Ausbau der Notaufnahme. Hier hat man sich zum Ziel gesetzt, die Vorgaben für eine Hochstufung dieses Bereichs zu erfüllen, auch um mehr Fördergelder zu bekommen. Und schließlich soll auch die IT des Klinikums ertüchtigt werden – bis hin zu einem modernen Intranet.

Um das Klinikum zukunftsfähig zu machen, hat man eine eigene Task Force installiert, die ihrerseits auch bereits erste Ergebnisse abgeliefert hat. So will man ein besonderes Augenmerk auf die Akut-Geriatrie und die Stationäre Schmerztherapie legen – „zwei Bereiche mit einem sehr hohen Bedarf“, wie Alexander betont. Mit an Bord sind auch einige neue Fachleute wie eine Qualitätsmanagerin und ein Controller.

Corona im Landkreis Freising: Klinikum stolz auf geringe Sterbequote

Die Stimmung im Haus sei trotz der sich jetzt verschärfenden Corona-Lage so gut wie seit langem nicht mehr: „Alle sind interessiert und motiviert“, berichtet Alexander, „niemand schleicht hier mit hängenden Köpfen rum“. Positiv sei auch, dass Ärzte und Pfleger auf Augenhöhe zusammenarbeiteten. Das Klinikum Freising sei ein „schönes Beispiel, wie es auch laufen kann“ – trotz der Pandemie.

Auf diesem Sektor habe man inzwischen sehr viel Erfahrung gesammelt. Man sei stolz auf die geringe Sterbequote bei den Coronapatienten, berichtet der Pressesprecher. Deren Betreuung in der Intensivstation über oft mehr als vier Wochen sei freilich extrem aufwendig.

Dritte Corona-Welle: Patienten werden immer jünger - 100 ambulante Krebspatienten geimpft

Auch im Klinikum Freising liegen während der dritten Welle jüngere Coronapatienten auf Intensiv. Von den fünf Schwerkranken Mitte der Woche waren zwei Mitte 50 und zwei weitere jünger als 70 Jahre. Noch nutzt man nur eine Station als Isolierstation. Während der ersten Welle waren es drei Stationen, auf denen bis zu 60 Covid-Patienten lagen. Die Situation am Freitagmorgen: 13 Coronafälle auf der Isolierstation, vier auf der Intensivstation. Tags zuvor waren es noch sechs gewesen. Im Laufe des Tages aber verschärfte sich die Lage allerdings. Fast alle Betten der Intensivstation waren plötzlich belegt.

Auf Initiative von Chefarztes Dr. Christoph von Schilling gab es am Klinikum übrigens vor kurzem eine besondere Aktion: etwa 100 ambulante Krebspatienten wurden geimpft – das Klinikum fungierte als Außenstelle des Impfzentrums, von wo aus man mit Impfstoff beliefert worden war. Am Klinikum dominiert übrigens unter den Corona-Patienten die britsche Virus-Variante. Andere Mutationen sind bislang nicht aufgetreten.

Lesen Sie auch: „Den meisten steht das Wasser bis zum Hals“: Alarmstufe Rot in der Gastronomie im Kreis Freising Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Freising-Newsletter.

Rubriklistenbild: © Klinikum Freising

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