Kardinal Reinhard Marx im Freisinger Dom
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Nur wenige ausgewählte Besucher konnten die Korbiniansvesper „live“ erleben. Eine Kindersegnung mit Handauflegung war diesmal nicht möglich. Dafür berichteten einige Kinder in Videobotschaften, wie es ihnen in der Pandemie ergeht.

Ein etwas anderes Korbiniansfest

Kardinal Marx im Freisinger Dom: „Corona kann auch ein Stoppschild sein“

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Diesmal war alles anders beim Korbiniansfest im Freisinger Mariendom. Kinder schickten Video-Botschaften und segneten ihre Eltern - und umgekehrt.

Freising – „D’Schui is ma a bissl abganga.“ Die traditionelle Kindersegnung beim Korbiniansfest war in diesem ganz besonderen Jahr anders: Videobotschaften wurden bei der Vesper eingespielt, in denen Kinder sagten, wie es ihnen in der Corona-Zeit so ergeht. Und im Mariendom selbst folgten die wenigen Gläubigen dem Appell des Erzbischofs, dass Eltern ihre Kinder und die Kinder ihre Eltern segnen sollten.

Kardinal Marx: Corona als kreative Pause nutzen

Nicht die einzige Besonderheit des Festes zu Ehren des heiligen Korbinian, die unter dem Motto „Wohin gehst du?“ stand. Corona und seine Folgen – das stand auch im Mittelpunkt der Predigt von Erzbischof Reinhard Marx am Samstagvormittag beim Festgottesdienst, der online per Live-Stream übertragen wurde. Die Krise könne auch etwas lehren, so Marx: „Dass wir sterblich sind und nicht alles machen können“, „dass wir aufeinander achten müssen“, und auch „dass wir auf uns selbst zurückgeworfen“ wurden. Die Corona-Krise könne als eine Art „Stopp-Schild“ wirken, das die Menschen „als kreative Pause nutzen“ sollten. Und weiter: Corona könne die beiden Elemente des Menschseins verbinden – das Element des Aufbruchs, des Drängens, überallhin zu wollen, mit dem Element, auch mal zu Hause und daheim zu bleiben mit den Lieben.

Das, so Reinhard Kardinal Marx, gelte denn auch für die Kirche. Man dürfe nicht so tun, als wäre nichts geschehen. Nein: Auch Kirche müsse die Gefühle von Heimat und Geborgenheit mit dem Element des Aufbruchs und des Wagens zusammenbringen. Dazu habe man eben den synodalen Weg eingeschlagen. „Wir müssen mithelfen, dass das Gerümpel auf die Seite geräumt wird, um den Blick auf die Botschaft Jesu frei zu machen.“ Es gelte bei vielen Themen „zu hören, was Gott uns in dieser Zeit – beschleunigt durch Corona – sagen will“.

Die Vesper wurde im Internet übertragen

Corona war es auch, was dann am Nachmittag die – ebenfalls im Internet übertragene – Korbiniansvesper im Dom mitbestimmte: Marx ging in seiner Ansprache an die Kindern auf die Regelung ein, man solle sich nur noch mit seinem besten Freund oder der besten Freundin treffen. Korbinian, so sagte der Erzbischof, sei aber auch in diesen Zeiten „ein Freund aller Menschen“, besonders aber der Kinder: „Wir sind nicht allein, liebe Kinder.“ Weil die Kindersegnung in diesem Jahr mit Handauflegung durch den Kardinal selbstverständlich nicht möglich war, bat Marx die Eltern, ihre Kinder zu segnen – und umgekehrt.

Mit Mundschutz im Mariendom: Reinhard Kardinal Marx beim Festgottesdienst, der per Live-Stream übertragen wurde. Motto: „Wohin gehst Du?“.

Dass sich die Kinder auch viel später an diese Corona-Zeit erinnern werden, wie Marx gesagt hatte, zeigten einige Videobotschaften von Kindern: Das Spielen mit anderen Kindern fehlte dem einen, dass niemand aus der Familie krank werde, wünschte sich ein anderer. Abgesagt worden war auch das Fest der Begegnung am Freitagabend: OB Tobias Eschenbacher und die Stadtkapelle entsandten nach dem Gottdienst am Vorabend des Korbiniansfestes ihren Gruß an die Partnergemeinden ebenfalls per Videobotschaft. Weihbischof Bernhard Haßlberger hatte das Motto des Korbiniansfestes 2020 aufgegriffen und in seiner Predigt betont, trotz unterschiedlicher Wege sei das Ziel dasselbe: „Einmal bei Gott zu sein.“ Dieses Ziel gebe Kraft und Mut, auch wenn es einmal mühsam sei.

Zum Auftakt eine spektakuläre Lichtinstallation

„Wohin gehst du?“ – oder auf Latein: „Quo vadis?“ – geradezu eingehüllt in diese Sätze fühlten sich die ausgewählten Gottesdienstbesucher am Freitagabend dann bei einer spektakulären und atmosphärisch unglaublich dichten Lichtinstallation: Detlef Hartung und Georg Maximilian Trenz, international bekannt für ihre typografischen Projektionen, tauchten den abgedunkelten Mariendom in schwebende und tanzende Lichtbänder, nutzten Wände, Säulen und die Decke der Konkathedrale als Leinwand für Lichtspiele und zur Abbildung des auf diese Weise allgegenwärtige Mottos des Korbiniansfestes 2020.

Ein Korbiniansfest, wie es noch nie eines gab.

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