Feuerwehrmann bei der Arbeit
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Während eines Einsatzes hatte ein Feuerwehrmann Kontakt mit einem Infizierten. Danach musste er sich erst einmal selbst in Quarantäne schicken.

„Das kann es doch nicht sein“

Nach Kontakt mit Corona-Infiziertem: Feuerwehrmann will in Quarantäne - Landratsamt ignoriert ihn

  • Franziska Konrad
    vonFranziska Konrad
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Wer Kontakt mit einem Corona-Infizierten hat, wird in der Regel umgehend in Quarantäne geschickt. Nicht so bei einem Münchner Feuerwehrmann. Für seine Isolierung musste der Freisinger regelrecht kämpfen.

München/Freising - Alles begann mit einem ganz gewöhnlichen Einsatz der Münchner Feuerwehr. Doch dieser entwickelte sich für Feuerwehrmann David H. (Name von der Redaktion geändert) zu einem chaotischen Corona-Behördenwirrwarr. Im Laufe des Einsatzes erfuhren der Freisinger und seine Kollegen, dass ein Patient - zu dem sie engen Körperkontakt hatten - mit Covid-19 infiziert war. Inzwischen befindet sich H. zwar in Quarantäne, aber bis dorthin war es ein langer Weg.

Corona in Bayern: Feuerwehrmann möchte nach Einsatz in Quarantäne - Keine Rückmeldung vom Gesundheitsamt

Unmittelbar nach Dienstschluss schilderte der Feuerwehrmann seinem Vorgesetzten die Lage. Für ihn war klar: Er gehörte in Quarantäne - und das möglichst schnell. Denn bereits am nächsten Tag stand sein nächster Dienst an. „Das wäre unverantwortlich gewesen, so wieder in die Arbeit zu gehen“, betont H.. Um zu erfahren, wie er weiter Vorgehen sollte, versuchte David H. sein Glück beim Freisinger Gesundheitsamt - jedoch ohne Erfolg. Weder auf seine Anfrage per Mail noch auf seine Anrufe erhielt er eine Antwort. „Ich habe bestimmt 20 Mal angerufen. Aber nie nahm jemand ab“, macht der Feuerwehrmann seinem Ärger Luft.

Auch seine Versuche, telefonisch beim Contact-Tracing-Team (CTT) durchzukommen, blieben erfolglos. Dieses unterstützt Gesundheitsämter bei der Ermittlung und Nachverfolgung von Kontaktpersonen. „Bisher habe ich zirka 70 Mal dort angerufen. Weder gibt es hier eine Bandansprache, noch wird man zurückgerufen. Es ist einfach immer besetzt. Und das seit inzwischen drei Tagen.“

Freising: Feuerwehrmann kämpft um Quarantäne - Zweite Mail zeigt Wirkung

Da sich bereits am Tag nach dem Einsatz alle anderen Kollegen - aus München und dem Münchner Umland - in Quarantäne befanden, wurde auch H. erst einmal nach Hause geschickt. Der Feuerwehrmann begab sich in Selbst-Quarantäne. Symptome zeigt H. bisher keine. Auch ein negatives Testergebnis kann er bereits vorlegen, genauso wie eine Impfung. Für H. ist das jedoch kein Grund zur Entwarnung. „Man weiß ja, dass ein Test erst nach fünf Tagen richtig aussagekräftig ist. Außerdem ist nicht bewiesen, dass Geimpfte das Virus nicht weiterübertragen.“

Daher ließ der Feuerwehrmann bei seinem Kampf um eine Quarantäne nicht locker. Wenige Tage später startete er einen neuen Versuch beim Landratsamt. Eine Sache machte H. dieses Mal jedoch anders: Er setzte in seiner Mail unter anderem Bürgermeister und Landrat in CC. Gut 15 Minuten später ploppte in seinem Posteingang eine Rückmeldung auf. Noch am selben Tag kam David H. für 14 Tage in Quarantäne. Darüber ist der Freisinger zwar heilfroh - für das ganze Hin und Her hat er jedoch kein Verständnis.

„Da ist man selbst drauf und dran alles zu tun, um in Quarantäne zu kommen und einen möglichen Ausbruch zu verhindern und dann werfen einem die Behörden auch noch einen Knüppel zwischen die Beine.“ Was H. aber mindestens genauso ärgert: „Kaum macht man ein bisschen Druck - und setzt Bürgermeister und Landrat in CC - geht die Sache plötzlich ruckzuck. Das kann es doch nicht sein.“

Freising: Quarantäne für Feuerwehrmann - Landratsamt äußert sich zu Vorfall

Das Freisinger Landratsamt hat sich inzwischen zu dem Vorfall geäußert. „Da sich der Einsatz in München abgespielt hat, mussten wir warten, bis wir vom Münchner Gesundheitsamt bestätigt bekamen, dass ein Freisinger an dem Einsatz beteiligt war“, erklärt Landratsamt-Pressesprecher Robert Stangl. Erst im Anschluss könne das Amt eine Person als Kontaktperson ersten Grades einstufen. „Das muss alles nacheinander abgearbeitet werden - das zieht sich“, so Stangl.

Drei Tage nach dem Einsatz wartet die Behörde immer noch auf jene Meldung aus München. Bei David H. haben die Mitarbeiter in diesem Fall jedoch eine Ausnahme gemacht und ihn bereits in Quarantäne geschickt. Der Grund: Bei dem Mann sei ersichtlich gewesen, dass er als Kontaktpersonengruppe der Kategorie 1 eingeordnet werde, so Stangl. Dass in der jüngsten Mail Landrat und Bürgermeister in CC gesetzt waren, habe diese Entscheidung nicht beeinflusst. „Die Kollegen haben von sich aus gehandelt“, betont Stangl.

Corona in Bayern: Feuerwehrmann 14 Tage in Quarantäne - Landratsamt wartet auf Daten aus München

Warum die Quarantäne-Verordnung bei H.s Kollegen deutlich schneller erfolgte, kann der Pressesprecher nur mutmaßen. Zumindest bei den Münchner Kollegen sei der letzte Schritt - die Datenweitergabe an ein weiteres Amt - weggefallen. „Dadurch ging die ganze Sache vermutlich etwas schneller.“ Warum sämtliche Anrufe des Feuerwehrmannes beim Gesundheitsamt ins Leere liefen - dafür hat Stangl hingegen keine Erklärung. „Das ist in der Tat fraglich. Unter der Nummer der Vermittlung vom Landratsamt müsste man eigentlich jemanden an das Telefon bekommen.“

Doch Stangl wird auch nicht müde zu betonen: „Wir haben momentan ein großes Fallaufkommen. Und die Kollegen haben den Fokus darauf, dass die Fälle abgearbeitet werden.“ Wenn alles gut läuft, ist David H.s Fall in spätestens 14 Tagen komplett abgearbeitet - und der Feuerwehrmann guten Gewissens bereit für den nächsten Einsatz.

Die Ärzte hatten ihm kaum noch eine Chance gegeben. Aber Rainer Braun aus Nandlstadt ist ein Kämpfer und hat Corona überlebt. Doch er leidet noch immer unter den Folgen. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Freising-Newsletter. (kof)

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