Eine Ärztin vor einem Beatmungsgerät auf der Intensivstation
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Die Lage am Klinikum ist laut Dr. Christian Fiedler, dem Pandemiebeauftragten, derzeit ruhig. Ob die Bevölkerung und die Klinikmitarbeiter aber eine zweite Welle mit einem zweiten Lockdown mitmachen würden, hält er für fraglich.

Wegen steigender Corona-Infektionen

Droht der zweite Lockdown? Besorgter Pandemiebeauftragter warnt den Staat: „Das wird nicht gehen“

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Die Zahl der Corona-Infizierten in Bayern steigt wieder deutlich. Der Pandemiebeauftragte des Klinikums Freising macht sich große Sorgen über einen zweiten Lockdown.

  • Die Zahl der Corona-Infizierten in Bayern steigt wieder.
  • Viele Menschen befürchten neue Einschränkungen im Alltag.
  • Am Klinikum Freising ist die Sorge groß - denn das hätte verheerende Folgen.

Freising – Es ist noch nicht lange her, da mussten die Mitarbeiter des Klinikums Freisings tagtäglich an ihre Grenzen gehen. Während des Corona-Lockdowns erlebte das Personal „die maximale Belastung“, sagt Dr. Christian Fiedler, Pandemiebeauftragter am Klinikum. Obwohl die Infektionszahlen in ganz Deutschland stetig steigen, sei die Lage am Klinikum derzeit ruhig. Sorge hat Fiedler trotzdem: „Ob die Bevölkerung – und auch die Klinikmitarbeiter – eine zweite Welle mit einem zweiten Lockdown mitmachen würden, ist fraglich.“

Jedes Bett, das für Covid-19-Patienten geblockt ist, bedeutet ein Bett weniger für ,normale‘ Kranke.

Dr. Christian Fiedler, Pandemiebeauftragter am Klinikum

Die Zahl der Fälle im Landkreis Freising nehme zwar wieder zu. „Aber diese Menschen sind anscheinend nicht so krank, dass sie stationär behandelt werden müssten“, sagt Fiedler. „Wir haben keinen Anstieg zu verzeichnen.“ Aktuell befänden sich sechs Patienten im Krankenhaus, keiner davon auf der Intensivstation. „Insgesamt muss man sagen, dass die Patienten, die wir in den letzten Wochen bekommen haben, in der Meldestatistik des Landkreises nicht auffallen“, erklärt Fiedler. Dabei handle es sich um Lkw-Fahrer oder Flugreisende, die ins Freisinger Krankenhaus gekommen seien. „Die Statistik geht aber nach dem Erstwohnsitz.“

Doch auch wenn die Zahl der Erkrankten zunimmt, ist das Klinikum vorbereitet. Dort steht weiterhin eine Isolationsstation mit 16 Zimmern beziehungsweise 30 Betten nur für Coronapatienten zur Verfügung – mit eigenem Personal und vollständig abgeschottet vom Rest des Hauses. „Zur Hochzeit hatten wir vier Corona-Stationen. Theoretisch kann man also wieder aufrüsten“, sagt Fiedler. Er betont aber auch: „Jedes Bett, das für Covid-19-Patienten geblockt ist, bedeutet ein Bett weniger für ,normale‘ Kranke.“

Sorge um zweiten Corona-Lockdown in Freising: Qualität der Schutzausrüstung teils „katastrophal“

Natürlich müsse man den Regelbetrieb bei steigenden Fallzahlen ein weiteres Mal runterfahren. „Aber ob das so nahtlos geht?“ Der Pandemiebeauftragte sagt: Einmal sei eine solche Ausnahmesituation wie im Frühjahr zwar machbar. „Aber wenn dieser Notbetrieb, der alles gefordert hat, zur Routine wird und zwei, drei Mal im Jahr laufen muss – das wird nicht gehen.“ Fiedler ist sich nicht sicher, ob das Klinikpersonal noch einmal all die Strapazen ohne Wenn und Aber in Kaufe nehmen würde, und auch, ob sich die Bevölkerung gegen einen erneuten Lockdown nicht wehren würden.

Heikel sei überdies das Thema Schutzausrüstung. Man habe zwar einiges eingelagert und bestelle weiterhin nach. „Aber man kriegt nach wie vor kaum etwas – und wenn, dann ist die Qualität katastrophal“, sagt Fiedler. Sollten sich die Ereignisse vom März wiederholen, werde es eng. „Da war die Ausrüstung, die wir normalerweise immer für ein halbes Jahr vorrätig haben, in einer Woche weg.“

Corona in Bayern: „Die Pandemie ist noch nicht überstanden“ - Kommt der zweite Lockdown?

Damit es gar nicht so weit kommt, appelliert nicht nur die Staatsregierung, sondern auch das Landratsamt an die Bürger. Am Montag kamen die Akteure, die in den Katastrophenschutz involviert sind, im Landratsamt zum Informationsaustausch zusammen. Dabei ging es vor allem um den Anstieg der Infektionszahlen in ganz Deutschland, teilt Robert Winkler, der das Büro des Landrats leitet, mit. Von einer zweiten Welle könne zwar noch nicht gesprochen werden. „Nichtsdestotrotz sollten sich auch die Bürgerinnen und Bürger wieder in Erinnerung rufen, dass die Pandemie noch nicht überstanden ist. Deshalb sollten alle zu größter Vorsicht angehalten werden.“

In dieser Runde wurde zudem die erneute Einrichtung eines Testzentrums diskutiert. Dieses könnte das BRK Freising ab September möglicherweise wieder betreiben, berichtet BRK-Chef Albert Söhl dem Tagblatt. „Derzeit laufen die Gespräche.“

Lesen Sie auch: Ein „personeller Neubeginn“ und eine „konzeptionelle Neuausrichtung“ sind für das Klinikum Freising geplant. Landrat Helmut Petz soll dafür eine „Task Force“ bilden. 

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