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Rund 70 Prozent der Belegschaft am Klinikum Freising wurden am Dienstag auf Corona getestet. Zudem wurden ein Besuchsverbot  und ein weitreichender Aufnahmestopp verhängt.

Ausbruch auf Krebsstation in Freising

Klinikum-Patienten positiv auf Corona getestet: Besuchsverbot  dennoch aufgehoben - Betrieb wieder hochgefahren

  • Wolfgang Schnetz
    vonWolfgang Schnetz
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  • Andreas Beschorner
    Andreas Beschorner
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Nach dem Corona-Ausbruch auf der Krebsstation am Klinikum Freising galten für das Wochenende ein Besuchsverbot und ein Aufnahmestopp. Mittlerweile hat das Klinikum den Betrieb weitgehend wieder hochgefahren. Nur ein Fachbereich hält am Aufnahmestopp fest.

  • Auf der Krebsstation des Klinikums Freising ist eine Mitarbeiterin positiv auf das Coronavirus getestet worden.
  • Neben Massentests wurden kurzfristig ein Besuchsverbot und ein Aufnahmestopp verhängt.
  • Das Besuchsverbot ist zwischenzeitlich wieder aufgehoben. 
  • Neun Patienten sind positiv auf Corona getestet worden.
  • Die Klinikleitung appelliert deutlich an die Bevölkerung.
  • Alle Informationen rund um das Coronavirus finden Sie auch immer bei uns auf merkur.de.

Update 20. Juli, 19 Uhr: Das Besuchsverbot vom vergangenen Wochenende am Klinikum Freising wurde aufgehoben, teilte Klinikumssprecher Sascha Alexander am späten Montagnachmittag mit: „Bis auf Weiteres können Patienten einen Besucher pro Tag empfangen. Dies kann ein – auch täglich wechselnder – enger Familienangehöriger sein oder eine (fest) registrierte Kontaktperson. Ansonsten gelten die bisherigen Regelungen gemäß den Handlungsempfehlungen (Rahmenkonzept) des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege für ein einrichtungsindividuelles Schutz- und Hygienekonzept in Krankenhäusern sowie Vorsorge- und Pflegeeinrichtungen vom 26.Juni 2020.

Ansonsten gelten die bisherigen Regelungen gemäß den Handlungsempfehlungen des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege für ein einrichtungsindividuelles Schutz- und Hygienekonzept in Krankenhäusern sowie Vorsorge- und Pflegeeinrichtungen. Alexander weiter: „Der Test aller stationären Patienten, zu dem wir uns im Nachgang zum Massentest der Mitarbeiter entschlossen hatten, um weitere Risiken auszuschließen, wurde am Montag abgeschlossen.“ Die letzten Ergebnisse wurden ebenfalls am Montag erwartet.

Massentest auch bei den Patienten: neun sind „positiv“

Bis dato wurden von 76 Personen „neun Patienten positiv getestet“. Eingerechnet seien laut Klinikumssprecher hier bereits die Patienten, „die vergangene Woche unter anderem bei einer verbindlichen Routine-Untersuchung im Rahmen der Überweisung in eine Reha-Einrichtung positiv getestet worden waren“. Alexander: „Dadurch beläuft sich der Zahl der aktuell neu hinzu gekommenen, infizierten Patienten auf vier.“ Die Klinikumsleitung gehe davon aus, dass diese Infektionen durch den Kontakt mit Besuchern hervorgerufen wurden. In der Lagebesprechung des Klinikums am Montag wurde beschlossen, „alle bis dato negativ getesteten Patienten aus der ersten Testphase am morgigen Mittwoch nochmals zu überprüfen, um jede Infektion auszuschließen“. Aktuell seien laut Pressemitteilung vom Montag eine ganze Reihe von Mitarbeitern des Klinikums „vorsorglich und per Anordnung des Gesundheitsamts Freising in Quarantäne“. Positiv getestet seien (Stand: Montagmorgen) zehn Mitarbeiter. Von diesen „hatten sich die meisten parallel zum Massentest testen lassen“. Sie alle befinden sich in Quarantäne. 

Im Fachbereich der Inneren Medizin gilt Aufnahmestopp weiterhin

Zum Aufnahmestopp im Klinikum nimmt Sprecher Sascha Alexander wie folgt Stellung: „Das Klinikum Freising war bis Samstagabend abgemeldet. Notaufnahme, Kreißsaal, Intensivstation, Stroke und auch Palliativstation waren davon auch betroffen.“ Ab Sonntag dann, als erste flächendeckend negative Ergebnisse der ersten Bereiche eintrafen, konnte die Notfallversorgung für Extern wieder verfügbar gemacht werden: Notaufnahme, Kreißsaal, Intensivstation und  Stroke waren ab da uneingeschränkt erreichbar. „Aufnahmen“ von elektiven (ausgewählten) Patienten erfolgten ohnehin nicht am Wochenende, sondern nur von Notfallpatienten. Das Klinikum Freising sei „aktuell wieder angemeldet“ und werde lediglich im Fachbereich der Inneren Medizin als Vorsichtsmaßnahme zunächst bis Mittwoch auf eine Aufnahme von Patienten verzichten, hieß es weiter. Der Pressesprecher: „Diese Entscheidung wird täglich überprüft.“

Update 19.Juli, 11.30 Uhr: Neben dem Besuchsverbot, das nach dem Corona-Ausbruch am Klinikum Freising verhängt wurde, wurde zusätzlich ein Aufnahmestopp erlassen. Dr. Christian Fiedler, der Leiter der Notaufnahme und Pandemiebeauftragter des Krankenhauses, bestätigte auf Anfrage, dass man für alle „zeitlich disponiblen Patienten“ einen Aufnahmestopp verhängt habe. Für akut behandlungsbedürftige Patienten und Notfälle gelte diese Regelung selbstverständlich nicht.

Eine Reihe von Patienten des Klinikums Freising während Krankenhausaufenthalt positiv auf Corona getestet

Der Grund  für den Aufnahmestopp ist besorgniserregend: Laut Dr. Fiedler seien elf Patienten des Klinikums während ihres Krankenhaus-Aufenthalts positiv auf Corona getestet worden. Das habe laut Fiedler zur Folge, dass zahlreiche Pflegekräfte in Quarantäne geschickt werden mussten. 

Das Personal sei von den Verantwortlichen des Hauses von dem Aufnahmestopp in Kenntnis gesetzt worden. Aufgenommen werden demnach nur noch Patienten, die vital gefährdet seien, also solche mit lebensbedrohlichen Erkrankungen. Geöffnet für neue Patienten blieben also, so Fiedler, selbstverständlich die Intensivstation und die Schlaganfallstation. Geschlossen bleibe hingegen für eine Woche auch die Lymphangiologie.

Nach Corona-Ausbruch am Klinikum Freising: Aufnahmestopp! Patienten müssen vertröstet werden

Patienten, die genauso gut bei ihrem Hausarzt oder erst in ein oder zwei Wochen behandelt werden können, müssten leider abgewiesen und „vertröstet“ werden. Das ist alles neu: Bis Freitagnachmittag hieß es laut offizieller Mitteilung aus dem Klinikum, dass lediglich Kranke mit „zeitlich planbaren Eingriffen das Haus nicht ohne ein aktuelles Attest betreten dürfen“. Diese Anordnung wurde nun verschärft, außer Notfällen werden an der Alois-Steinecker-Straße keine neuen Patienten mehr aufgenommen, „zeitlich disponibel einbestellte Patienten“ werden vorerst nicht behandelt.

Freisinger Pflegekräfte, die Kontakt zu Corona-Infizierten hatten, 14 Tage in Quarantäne

Im Gegensatz zu den Massentests bei den Mitarbeitern, bei denen lediglich eine Drau positiv getestet worden war, zeigten die Patiententests nun ein ganz anderes Bild: Elf Patienten seien während ihre Aufenthalts im Freisinger Klinikum mit dem Corona-Virus infiziert worden, wie die Untersuchungen jetzt ergeben hätten. Sämtliche Pflegekräfte, die diese elf Patienten versorgt hatten, müssen nun für 14 Tage in Quarantäne, schildert Fiedler. Und das führe dazu, dass es mit einsatzfähigen Pflegekräften „wahnsinnig knapp“ werde.

 Elf infizierte Patienten: Schleppten Besucher das Virus ins Klinikum Freising?

Wie es zu der Ansteckung kommen konnte, kann sich Fiedler nur dadurch erklären, dass Besucher das Virus eingeschleppt hätten. Landrat Helmut Petz sagte, er sei als Vorsitzender des Aufsichtsrats nicht in das operative Geschäft des Klinikums eingebunden. Darüber, dass Besucher nicht mehr eingelassen würden, sei er von Interims-Geschäftsführerin Maren Kreuzer informiert worden. Dass nun auch teilweise ein Aufnahmestopp verfügt worden sei, davon habe er keine Kenntnis, so Petz am Wochenende.

Update 18. Juli, 12.50 Uhr: Wie jetzt bekannt wurde, gilt am Klinikum Freising nicht nur, wie bislang berichtet, über das Wochenende ein Besuchsverbot, sondern es wurde wohl auch ein Aufnahmestopp verhängt. Das Personal sei von den Verantwortlichen des Hauses davon in Kenntnis gesetzt worden, wir örtliche Medien erfuhren. Aufgenommen würden demnach nur noch Patienten, die vital gefährdet seien, also solche mit lebensbedrohlichen Erkrankungen. Bisher hieß es laut offizieller Pressemitteilung aus dem Klinikum,  dass  lediglich Kranke mit „zeitlich planbaren Eingriffen das Haus nicht ohne ein aktuelles Attest betreten dürfen“. Diese Anordnung wurde nun wohl verschärft.

Der Hintergrund war ein zehnstündiger Kraftakt: Nach dem Corona-Ausbruch auf der Krebsstation im Klinikum Freising wurde am Dienstag wie berichtet ein Massentest mittels Rachenabstrich durchgeführt. Am Freitagnachmittag lagen nun sämtliche Ergebnisse vor. Die Verantwortlichen sind erleichtert: „Unter den über 600 Getesteten fand sich lediglich eine infizierte Mitarbeiterin“, berichtet Klinikum-Sprecher Sascha Alexander. Die Frau, bei der mittels Rachenabstrich das SARS-CoV2-Virus nachgewiesen wurde, arbeite bei der Klinikums-Dienstleistungstochter Medtralog und sei bereits am Donnerstagfrüh informiert worden. Sie befinde sich in Quarantäne.

Corona-Ausbruch am Klinikum Freising: Besuchsverbot und Aufnahmestopp

613 Mitarbeiter des Klinikums hatten sich freiwillig dem Corona-Test unterzogen. Hinzu kommen Beschäftigte, die zeitgleich einen Abstrich privat beim Hausarzt oder nachträglich beim Betriebsarzt bekommen haben. „Insgesamt wurden rund 650 Klinik-Mitarbeiter untersucht, was rund 70 Prozent der Belegschaft entspricht“, berichtet Alexander.

Patienten wurden am Dienstag nicht getestet, da dies bereits bei der stationären Aufnahme geschieht, beziehungsweise Patienten mit zeitlich planbaren Eingriffen das Haus nicht ohne ein aktuelles Attest betreten dürfen.  Um dennoch jedes Risiko auszuschließen, dass in den vergangenen Tagen Infektionen über Besucher ins Klinikum gekommen sein könnten, werden laut Alexander aktuell erneut sämtliche stationär untergebrachten Patienten getestet. Zudem seien Besuche an diesem Wochenende untersagt – mit Ausnahme von Geburtshilfe- und Palliativstation.

Corona-Ausbruch am Klinikum Freising: Klinikleitung appelliert an Bevölkerung

„Die aktuellen Ereignisse im Klinikum Freising haben uns sehr belastet, denn über viele Wochen und Monate war es uns während der Pandemie vorbildlich gelungen, trotz zahlreicher infizierter Patienten weitere Ansteckungen zu verhindern“, sagt Interimsgeschäftsführerin Maren Kreuzer. Die Mitarbeiter hätten Außerordentliches geleistet und sehr professionell gearbeitet. Der Massentest habe dies eindrücklich bestätigt.

Dass sich dennoch in kurzer Zeit mehrere Patienten und Pflegekräfte infiziert hätten, zeige laut dem Ärztlichen Direktor Dr. Markus Neumaier, wie schwierig das Virus trotz aller strengen Hygienemaßnahmen zu kontrollieren sei: „Tests geben uns immer nur Momentaufnahmen und nie eine absolute Sicherheit. Wir haben es sogar öfter erleben müssen, dass mehrfach negativ getestete Patienten plötzlich positiv wurden.“

Corona-Ausbruch am Klinikum Freising: Lokale Ausbrüchen werden Normalität

DieKlinikumsleitung mahnt daher dringend alle Mitarbeiter, aber auch die Bevölkerung, bei den Hygienemaßnahmen nicht nachzulassen – selbst wenn es vermeintlich so scheine, als sei die Pandemie überstanden. „Wir gehen davon aus, dass uns das Corona-Virus noch sehr lange begleiten wird“, sagt Interimsgeschäftsführerin Kreuzer an. Lokale Ausbrüche in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen würden künftig die Normalität sein.

Video: Coronavirus in Deutschland  Studie schmälert Hoffnung auf Impfstoff

Gerade für Kliniken in sogenannten Corona-Hot spots bedeute dies einen erheblichen organisatorischen Aufwand sowie eine hohe Belastung für die Mitarbeiter. Maßnahmen wie die Verlegung von Patienten, eine angeordnete Quarantäne für Mitarbeiter bis hin zu kurzzeitigen Reduzierungen der medizinischen Kapazitäten bei einem Infektionsfall ließen sich dabei nicht immer vermeiden. Kreuzer betont: „Dies ist kein Zeichen für mangelnde Hygiene oder Sorglosigkeit in den Kliniken, sondern zeigt, wie schwierig es ist, dieses Virus zu bekämpfen – zumal es keinen Impfstoff gibt.“ 

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Corona-Ende durch Impfstoff? Virologe warnt vor falschen Erwartungen

Auf dem Weg zu einer Art Arrangement mit dem Sars-CoV-2-Virus* plädiert Virologe Hendrik Streeck für Pragmatismus, vor allem auch bei den politischen Entscheidern - und warnt gleichzeitig vor falschen Erwartungen. „Es ist wichtig, auch Szenarien zu entwerfen für den Fall, dass es vielleicht keinen Impfstoff geben wird“, sagte er nun der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Alle Informationen rund um das Coronavirus in Deutschland finden Sie auch immer aktuell in unserem Corona-Ticker bei merkur.de

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