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„Lage spitzt sich langsam zu“: 67 Infizierte im Klinikum - Mehr Beatmungsgeräte angefordert

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Von: Andrea Hermann

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Grüner Plan zur Corona-Krise: Zulagen für Helfer
Die derzeitige Situation am Klinikum „zehrt schon an den Pflegekräften“, berichtete Dr. Markus Neumaier, Ärztlicher Direktor am Klinikum Freising. © Symbolbild dpa / Jens Büttner

Die Zahl der Infizierten im Kreis Freising nimmt stetig zu. Im Klinikum werden derzeit 67 Patienten versorgt. Elf der 16 Beatmungsgeräte sind belegt. Die Verantwortlichen rüsten sich für die nächsten Tage.

Landkreis – Die derzeitige Situation am Klinikum „zehrt schon an den Pflegekräften“, berichtete Dr. Markus Neumaier, Ärztlicher Direktor am Klinikum Freising, am Donnerstag in einer Pressekonferenz im Landratsamt: Aktuell müssten 67 Patienten mit Coronavirus im Krankenhaus versorgt werden – 13 davon auf der Intensivstation. Von den 16 Beatmungsgeräten seien mittlerweile elf belegt. „Die Lage spitzt sich langsam zu“, sagte er. Auch wenn man „hoch motivierte, leistungsfähige Mitarbeiter“ habe, von denen bislang „nur“ einer an Covid-19 erkrankt sei, so seien diese einer „deutlichen Belastung“ ausgesetzt.

Auch die Beschaffung von Schutzausrüstung sei eine „permanente Herausforderung“, gab Dr. Neumaier zu. „Wir sind ständig auf der Suche.“ Zum Glück sei die Bevölkerung „sehr hilfsbereit“ und würde Mund-Nasen-Masken nähen sowie Hilfe anbieten. Und bei der Beschaffung von Beatmungsgeräten entspanne sich die Lage hoffentlich auch bald: Heute, Freitag, soll das Klinikum drei neue Geräte bekommen, nächste Woche noch einmal zwei und weitere fünf seien angefragt.

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Die neue Gesundheitsamt-Leiterin Dr. Kathrin Mariß-Heinrich stellte Landrat Josef Hauner am Donnerstag vor. © Lehmann

Gut einen Monat ist es her, dass das Coronavirus erstmals bei einem Patienten im Landkreis Freising nachgewiesen wurde. Mittlerweile verzeichnet das Gesundheitsamt 581 infizierte Fälle – davon sind 215 Bürger wieder genesen – und zehn Tote, berichtete Dr. Kathrin Mariß-Heinrich, die am 1. April die Leitung des Gesundheitsamts übernommen hat. Mit Blick auf den Verlauf sagte sie: „Die Kurve zeigt, dass wir den Verlauf verlangsamen können.“

Zwei Hotels im Visier als Hilfskrankenhaus

Unterdessen laufen die Bemühungen um die Einrichtung von Hilfskrankenhäusern weiter, berichtete Karoline Schatz vom Amt für Öffentliche Sicherheit und Ordnu

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Versorgungsarzt ist Dr. Marco Bardenheuer. © Hermann

ng. Man habe bereits mit mehreren Hotels Kontakt aufgenommen, in denen man im Bedarfsfall „Patienten, die leicht behandelbar sind“, unterbringen kann. Aktuell habe man zwei im Visier, die man mit einer Vorlaufzeit von 48 Stunden in Betrieb nehmen könne.

Dr. Bardenheuer ist Versorgungsarzt

Um die Koordinierung der ambulanten Versorgung während der Corona-Krise zu verbessern, haben Innen- und Gesundheitsministerium kürzlich die Einsetzung eines Versorgungsarztes in allen Landkreisen und kreisfreien Städten Bayerns verfügt. In Freising wird dieses neu geschaffene Amt der Chirurg Dr. Marco Bardenheuer übernehmen, der das Bindeglied zwischen Institutionen und Ärzte sein wird.

Hausärzte fühlen sich gut versorgt

Stellvertretend für die niedergelassenen Ärzte sprach Georg Miedl. Er betonte, dass sich „die Ärzte gut versorgt fühlen“ – nicht zuletzt wegen der materiellen Unterstützung seitens des Landkreises. „Mir ist keine Praxis bekannt, die geschlossen werden musste.“ Und auch der „wieder genesene Lungenarzt“ Dr. Markus Herden sei am Start und würde vermehrt Corona-Sprechstunden anbieten, erklärte Miedl.

Langes Warten auf das Testergebnis

Zur Situation im Auer Seniorenheim, wo einige Infektions- und Todesfälle verzeichnet werden (wir haben berichtet), nahm Christine Setzepfandt vom Gesundheitsamt Stellung. Am 22. März habe man nach dem Tod eines 93-jährigen Bewohners einen „ersten Hinweis“ über eine mögliche Corona-Erkrankung erhalten – das Testergebnis selbst sei erst am 31. März eingetroffen. Nachdem in der vergangenen Woche zwei weitere positive Fälle aufgetreten sind, habe man „sofort Kontakt mit dem Seniorenheim aufgenommen“, berichtete Setzepfandt. Insgesamt hätten vergangene Woche sieben bis zwölf Bewohner verdächtige Symptome aufgewiesen – „die meisten innerhalb eines Wohnbereichs“.

Fünf Todesfälle im Seniorenheim

Mittlerweile seien drei Bewohner, „betagt und mit Vorerkrankungen“, so Setze–pfandt, am Coronavirus gestorben. Zudem gebe es zwei weitere Todesfälle zu verzeichnen – bei einem stehe das Ergebnis noch aus, bei dem anderen sei es „eher unwahrscheinlich“, dass er an Covid-19 erkrankt sei. 14 Bewohner seien in verschiedenen Kliniken untergebracht worden – bei neun sei Corona bestätigt worden, bei fünf stehe das Testergebnis noch aus. Zudem seien 27 Bewohner vor Ort, die erkrankt seien. Auch die Mitarbeiter hätte es erwischt: Elf hätten sich mit dem Coronavirus angesteckt, 27 seien negativ getestet worden, bei zwei stehe das Ergebnis noch aus.

Zur Infektionskette konnte Setzepfandt nicht viel sagen: „Die große Vermutung ist, dass es durchs Personal reingetragen wurde“ – oder die Ansteckung bereits vor dem Besuchsverbot stattgefunden hätte. Der genaue Weg könne vermutlich nicht mehr nachvollzogen werden.

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