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Mehr hoch als breit sollen die Kommunen künftig bauen – so wie hier in Freising. Die neue Bauformel der CSU ist eine Reaktion auf das Bürgerbegehren der Grünen gegen Flächenfraß.

Das sagen Bürgermeister im Landkreis Freising

CSU entwickelt neue Bauformel:  Häuser sollen höher werden

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Die bayerischen Grünen haben ein Bürgerbegehren gegen Flächenfraß auf den Weg gebracht – jetzt springt die CSU auf den Zug auf. Die Reise soll von Ein- zu Mehrfamilienhäusern gehen. Das FT hat Bürgermeister im Landkreis gefragt, ob sie den Weg mitgehen wollen.

Landkreis – Die CSU hat ein neues Ziel: Künftig soll mehr in die Höhe als in die Breite gebaut werden. Das ist der Kern eines Programms, das die Partei in den Landtag eingebracht hat – eine Reaktion auf das Bürgerbegeheren der Grünen gegen den Flächenfraß. Innenentwicklungspotentiale erfassen, Leerständen entgegenwirken, Nachverdichtung fördern – all das steht in dem Papier.

Für Freisings OB Tobias Eschenbacher ist das nichts Neues: Die Stadt treibe die Nachverdichtung schon voran. Die „Bauweise der Zukunft“ sei etwa an der Angerstraße zu sehen, wo Wohnraum in hoher Dichte für rund 800 Menschen geschaffen wurde, ohne die Aufenthaltsqualität aus dem Auge zu verlieren. Im Wettbewerb sei Wert auf autofreie Anlagen, großzügige Grünflächen und Gebäude wert gelegt worden, die vier Etagen nicht übersteigen. Kurzum: Verträglich für das Stadtbild sollte es sein. Durch die Nachverdichtung gehe kaum freie Fläche verloren, betont der OB: „Der Stadtrat ist sich seiner Verantwortung da sehr wohl bewusst.“ Man müsse sich im Klaren sein, dass es die klassische Einfamilienhaussiedlung im Großraum München nicht mehr geben werde. Das Maximum sei eine Bebauung wie am Steinpark – mit einer gesunden Mischung aus Ein- und Mehrfamilienhäusern.

Gewohntes Ortsbild: Siedlungen mit Einfamilienhäusern wie diese in Marzling prägen die Wohngebiete in den Gemeinden des Landkreises Freising. Das könnte sich ändern.

Allershausens Bürgermeister Rupert Popp (FW) hält den Vorstoß der CSU für unnötig: „Das ist bei uns kein Thema.“ Das Neubaugebiet Eggenberger Feld etwa sei geplant als Mix aus Einfamilien- und Doppelhäusern, Mehrspännern – und wohl auch Geschoßwohnungen in unmittelbarer Nähe zur Autobahn, die zeitgleich als Schallschutz dienen. „Da braucht mir auch keiner mit Flächenfraß kommen“, erklärt Popp. Das Gebiet werde auf intensiv genutzter Landwirtschaftfläche entstehen – die Ausgleichsflächen, die dafür geschaffen werden, seien wertvoller für die Natur, erklärt der Bürgermeister.

Dass die Bauten in Zukunft wohl noch mehr in die Höhe gehen, mutmaßt Popp – einfach, weil es anders nicht mehr geht: „Uns ist sehr wohl bewusst, dass eine reine Einfamilienhaussiedlung nicht mehr möglich ist.“ Deshalb werde die Gemeinde keine Baugebiete mehr ausweisen, ohne „dass wir ein Wörtchen mitreden“.

In Neufahrn wird das Thema Nachverdichtung derzeit heiß diskutiert. Im Bereich des Pfarrwegs soll ein mehrgeschoßiger Bau entstehen – sehr zum Missfallen von Gemeinderat Ozan Iyibas (CSU). Er findet, dass sich so ein großer Bau nicht in die Umgebung mit mehreren Einfamilienhäusern einfügt – ein Problem, das viele ländliche Regionen treffen kann. Markus Funke (FDP) forderte, dass man „Betonwüsten“ unbedingt vermeiden müsse. Bürgermeister Franz Heilmeier (Grüne) kündigte an, dass Projekte ab einer gewissen Größe künftig im Bauausschuss behandelt werden.

Moosburgs Bürgermeisterin Anita Meinelt sieht sich „in einer Zwickmühle“: Einerseits würde sie gerne jungen Familien den Traum vom Eigenheim erfüllen, andererseits weiß sie um die Notwendigkeit, Geschoßwohnungen zu errichten. „Das ist schon ein Spagat.“ Die Rathauschefin setzt deshalb auf einen Mix: Ein- und kleinere Mehrfamilienhäuser in den Ortsteilen und größere Komplexe im Zentrum – und nur da, „wo’s möglich ist“. Für ein Mehrparteienhaus eigne sich etwa das neue Baugebiet Amperauen. „Und wir haben auch private Gelände, wo Geschoßwohnungen möglich sind.“ Fünf- und sechsstöckige Gebäude kann sich Meinelt in Moosburg allerdings nicht vorstellen.

Marzling, das wie viele Gemeinden im Landkreis unter hohem Siedlungsdruck steht, reagiert mit dem Baugebiet Bachwinkel, gleich neben dem Pflegeheim. Dort entstehen mehrgeschoßige Bauten mit sieben oder acht Wohneinheiten – verträglich für das Ortsbild, erklärt 2. Bürgermeister Martin Ernst. Höher hinaus soll’s aber nicht gehen. Er hofft, dass die Kommunen durch den Vorstoß der CSU nicht in ihrer Entwicklung gebremst werden: „Die Gemeinden wissen um ihre Verantwortung in Sachen Flächenverbrauch.“

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