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Die Redaktion des Freisinger Tagblatts gibt Büchertipps für die Corona-Zeit.
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In Zeiten von Corona

Ablenkung in der Corona-Krise: Lesetipps der FT-Redaktion - Diese lokalen Buchhändler liefern

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Ein gutes Buch ist gerade in Corona-Zeiten eine sinnvolle Investition. Die FT-Redaktion gibt hier ihre Lesetipps und verrät, welche lokale Buchhändler liefern.

Landkreis – Lesen in Zeiten von Corona – das ist in jedem Fall eine hervorragende Idee. Nicht nur, weil so mancher damit die Zeit in sozialer Isolation vernünftig füllt – sondern auch, weil Bücher jetzt die willkommene Flucht aus der beklemmenden Gegenwart bieten. Die Redaktion des Freisinger Tagblatts hat deshalb sieben Buchtipps aufgeschrieben. Sie finden die Empfehlungen weiter unten im Text.

Örtliche Buchhändler unterstützen - auch von zu Hause aus

Bleibt noch die Frage: Wie kommt man an all diese tollen Bücher, wo doch Buchhandlungen Corona-bedingt erst ab 27. April wieder öffnen dürfen? Und wie lassen sich die lokalen Geschäfte in der schweren Zeit unterstützen, wie kann auf das vielleicht reflexartige Bestellen beim übermächtigen Online-Versandriesen verzichtet werden? Ganz einfach: Die Buchhändler im Landkreis Freising haben schon vor oder auch erst mit der aktuellen Ausnahmesituation das Bestellen und Versenden aus der Ferne eingeführt. Hier können Sie bequem von zu Hause ordern – und das auch noch portofrei:

  • Freising I: Bücher Pustet, Tel. (0800) 0787838, buecher@pustet.de; www.pustet.de.
  • Freising II: Buchhandlung Rupprecht, Tel. (08161) 8874180, freising@rupprecht.de, www.rupprecht.de.
  • Moosburg: Barbaras Bücherstube, Tel. (08761) 9230, info@barbarasbuecherstube.de, www.barbarasbuecherstube.de.
  • Eching: Echinger Bücherladen, Tel. (089) 3191891, echinger.buecherladen@web.de, www.echinger.buchhandlung.de.
  • Neufahrn: Buchhandlung „Verena liest“, Tel. (08165) 9700233, info@verenaliest.de, www.verenaliest.de.

Armin Forster

Hier kommen nun die Büchertipps der FT-Redaktion:

Eine unglaubliche Lebensgeschichte

Ich möchte Sie vor der Lektüre dieser Buchempfehlung warnen: Lesen kann süchtig machen!

Helmut Hobmaier warnt: „Shantaram“ kann süchtig machen!

Sollten Sie von „Shantaram“ noch nie gehört haben und sich tatsächlich den Roman von Gregory David Roberts kaufen, begeben Sie sich quasi in eine weitere Quarantäne – in eine geistige. Ihre Lieben müssen möglicherweise ein paar Wochen auf Sie verzichten. Wochen, in denen Sie auf dem Sofa liegen, unansprechbar sind und die unglaubliche Lebensgeschichte des Australiers verschlingen werden. 1088 packende Seiten, in denen Roberts erzählt, wie er nach bewaffneten Raubüberfällen auf der Flucht vor Interpol schließlich im Chaos Bombays landet – und dort überlebt. Mehr als das. Roberts lernt in den Slums der Megacity nicht nur Elend kennen, sondern auch Mitgefühl, Liebe und schließlich sich selbst. Er beschließt zu helfen, etwas für die Armen zu tun. Doch wird er auch Teil der Stadtmafia. Und er verfällt einer geheimnisvollen Frau.

Roberts schreibt so authentisch, so zwingend, dass ich das Buch einfach nicht mehr weglegen konnte. Das passiert mir selten, denn Lesen sollte Genuss, keine Sucht sein. Deshalb habe ich lange gezögert, bis ich mir „Im Schatten der Berge“ besorgt habe. Die Fortsetzung.

Helmut Hobmaier

Gregory David Roberts: „Shantaram“, Goldmann, 1088 Seiten, 12,99 Euro, ISBN: 978-3442473083.

Spannungsgeladene Fiktion von Online-Überwachung im Dritten Reich

Was wäre gewesen, wenn es im Zweiten Weltkrieg schon PCs, E-Mails, Handys und Internet gegeben hätte? Einer, der so einer Vorstellung nachgehen und sie dann auch literarisch fesselnd in Szene setzen kann, ist Andreas Eschbach. „NSA“ heißt der 2018 erschienene Wälzer (796 Seiten) des Autors, der seit „Das Jesus-Video“ für solche visionären Epen bekannt ist.

Andreas Beschorner ließ sich von „NSA“ literarisch fesseln.

In „NSA“ setzt Eschbach diese seine Tradition fort. Zeit: das Dritte Reich, der Zweite Weltkrieg; Ort: das Nationale Sicherheitsamt in Weimar. Dort arbeitet Helene Bodenkamp als „Programmstrickerin“, dort arbeitet Eugen Lettke. Beide nutzen die Möglichkeiten der virtuellen Überwachung, wie sie in der von Eschbach entworfenen Nazi-Herrschaft gegeben sind, für ihre Zwecke, verfangen sich dabei selbst in den Fallstricken des totalitären Systems. Zwei Erzählstränge also, die oft im Wechsel, mit Fortschreiten der Geschichte aber immer mehr miteinander verwoben, den Leser in eine Fiktion entführen, die allerdings durchaus auch sozialkritische Nuancen enthält. Denn auch wenn Hitler und Himmler auftreten, auch wenn Deutschland in Eschbachs Fiktion den Weltkrieg gewinnt – das Thema Überwachungsstaat per Internet und modernster Technik schwingt immer mit.

Knapp 800 spannungsgeladene Seiten, in die man sich erst ein bisschen einlesen muss. Aber es lohnt sich. Ach ja: Eine Liebesgeschichte bekommt man auch noch mitgeliefert.

Andreas Beschorner

Andreas Eschbach: „NSA“, 796 Seiten, Lübbe, 22,90 Euro, ISBN 978-3785726259.

Dieses Kinderbuch ist einfach spitze

Der Buchdeckel ist schon etwas brüchig, einzelne Falten sind nicht zu übersehen, und manche Seiten werden nur noch von Klebeband zusammengehalten. Kurzum: Dieses Bilderbuch wird von den Kindern oft aus dem Regal gezogen, weil es einfach spitze ist.

Manuel Eser liest seinen Kindern oft aus „Kamfu mir helfen“ vor – und das Trio kennt etliche Passagen auswendig.

„Kamfu mir helfen“ heißt die Geschichte von Dirk und Barbara Schmidt, die im Münchner Kunstmann-Verlag erschienen ist. Sie handelt von einem blauen Elefanten, der sich bei einem Unfall einen krummen Rüssel zuzieht. Um ihn wieder gerade zu bekommen, sucht er sich Rat bei drei tierischen Experten. Bis es zur unerwarteten Heilung kommt, werden die Leser der Bilderbuch-Geschichte Zeuge eines unerklecklichen Tauchgangs, einer schweinernen Rülpsorgie und eines todesmutigen Manövers einer Fliege.

„Kamfu mir helfen“ besticht durch wunderbare Zeichnungen von Dirk Schmidt, dessen Bilder mit Liebe zum Detail illustriert sind. Die gereimten Texte der Pädagogin Barbara Schmidt sind gewitzt und zeichnen sich durch eine tolle Sprachmelodik aus. Kinder, die das Buch regelmäßig vorgelesen bekommen, werden etliche Passagen bald auswendig können – wie jene, in der unser lieber Elefant feststellt, dass sein Rüssel nicht mehr funktioniert. Denn: „Statt ,Tärä’ aus der Trompete kommt nur ein ,Füüt’ wie aus ‘ner Flöte.“

Manuel Eser

Dirk Schmidt & Barbara Schmidt: „Kamfu mir helfen“, Verlag Antje Kunstmann, 32 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3-88897-568-4.

60 kurze Auszeiten mit viel Wortwitz

Es gibt einfach zu viele davon: ungelesene, schlimmer noch, nur kurz angelesene Bücher im Regal. Ein Buch wird diese unbeliebte Rolle wohl nie übernehmen: Horst Evers „Wäre ich du, würde ich mich lieben.“ Es gibt keine Ratschläge, hilft aber trotzdem. Wobei? Bei allem irgendwie. Wie? Mit Kurzgeschichten, mit Wortwitz, mit sinnstiftenden Lebensweisheiten wie: „Wenn etwas wirklich nicht mehr auszuhalten ist, hilft nur noch Liebe.“ Es hilft, weil es einen zum Lachen bringt. Evers schreibt darüber, wie unvermeidbar es doch sei, dringend noch vor Beginn des Altwerdens eine ehrliche, allumfassende, tiefgreifende Selbstliebe perfektioniert zu haben, um die Folgen des Alterns milde und erhaben weglächeln zu können.

Andrea Beschorner fand beim Lesen von „Wäre ich du, würde ich mich lieben“ viel Sinnstiftendes und Hilfreiches.

Verpackt ist das in – wie er versichert – Geschichten aus seinem Leben. So nimmt Evers den Leser auch mal mit in seine Kindheit, erklärt schlüssig, wieso er und all seine Freunde aus seinem Heimatdorf alle im Winter Geburtstag haben, nämlich weil die zumeist bäuerlichen Familien tunlichst darauf achteten, dass die Geburt eines Kindes nicht in die Erntezeit fällt. Wie gesagt: Konkrete Ratschläge gibt’s nicht – dafür aber 60 kurze Auszeiten, vorausgesetzt, man schafft es, das Buch immer wieder wegzulegen. Sonst ereilt einen die Erkenntnis, die Evers gleich auf der ersten Seite kundtut, viel zu schnell: „Jedem Anfang wohnt ein Ende inne.“

Andrea Beschorner

Horst Evers: „Wäre ich du, würde ich mich lieben“, Rowohlt Taschenbuch, 222 Seiten, 10 Euro, ISBN 978-3-499-26726-0.

Ein Weg ist das Ziel – und das größte Abenteuer

Normalerweise bin ich gerne und viel draußen unterwegs. Momentan ist mein Bewegungsradius allerdings ziemlich begrenzt. Daher mache ich es mir auf der Couch bequem und mich in Gedanken auf den Weg – zusammen mit Raynor und Moth Winn.

Magdalena Höcherl ließ sich vom „Salzpfad“ inspirieren.

Alles, was das Paar aus Wales noch besitzt, passt in zwei Rucksäcke. Durch Schicksalsschläge verlieren die Eltern von zwei erwachsenen Kindern in kürzester Zeit beinahe alles. Sie verlassen ihre Farm und wandern los. Ihr Ziel ist der Weg, genauer der gut 1000 Kilometer lange South West Coast Path, der längste und wildeste Küstenweg Englands. Mit einem Zelt und 50 Euro pro Woche stürzen sich die beiden in das größte Abenteuer ihres Lebens. In „Der Salzpfad“ hat Raynor Winn ihre Geschichte aufgeschrieben: In den dreieinhalb Monaten stoßen sie oft auf Vorurteile und Ablehnung, erleben aber noch mehr Menschlichkeit und Situationen, die Mut machen. Und sie spüren die Kraft der Natur so intensiv wie nie. Passt irgendwie alles sehr gut zu unserer aktuellen Situation. Das Schöne: Nach dieser unfreiwilligen Auszeit öffnet sich für Raynor und Moth die Tür in eine neue Zukunft.

Als die englische Originalausgabe 2018 erschien, bezeichnete sie die „Times“ als „das inspirierendste Buch des Jahres“. Für 2020 könnte das noch genauso gelten.

Magdalena Höcherl

Raynor Winn: „Der Salzpfad“, Dumont Reiseverlag, 336 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-7701-6688-6.

Die etwas andere Beethoven-Biografie

Schmunzeln und nebenbei was lernen: Das kann man mit Konrad Beikirchers augenzwinkerndem Werk „Der Ludwig – jetzt mal so gesehen: Beethoven im Alltag“.

Wolfgang Schnetz hat mit seiner Lektüre einen Riesenspaß.

Ludwig van Beethoven – alle kennen ihn und viele kennen seine Werke. Aber wie hat er gelebt? Dank Konrad Beikirchers etwas anderer Biografie kann man alles über den Alltag des berühmten Rheinländers im Wiener Exil erfahren: Koch, Familientier, erfolgloser Frauenheld, Helikopter-Onkel, liebenswürdiger Griesgram, Trinker, Patient, raffinierter Geschäftsmann – all das war Ludwig van Beethoven. In seinem neuen Buch hat Kabarettist, Autor und Musik-Kenner Konrad Beikircher Kurioses, Bewegendes und Komisches aus dem Alltagsleben des großen Komponisten zusammengetragen. Mit Humor erzählt er über Beethovens Liebe zur Natur oder über den Kampf mit seinen zahlreichen Vermietern. Und damit schildert Beikircher Beethovens ganz normales Leben als einen der ersten freischaffenden Komponisten, der darauf achten musste, wie er an sein Geld kam, um zu überleben.

Ich habe einen Riesenspaß auf meiner Zeitreise, auf die mich Konrad Beikircher derzeit, im Jubiläumsjahr, mitnimmt. Ich hoffe, Sie auch.

Wolfgang Schnetz

Konrad Beikircher: „Der Ludwig – jetzt mal so gesehen“, Kiepenheuer & Witsch, 288 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-462-05273-2.

„Es wird nicht schlimm. Nur – anders“

Grime steht im Englischen für Schmutz und bezeichnet eine spezielle Variante von Hip-Hop, wie es sie nur in Großbritannien gibt. In Sybille Bergs Roman „GRM“ geht es allerdings nur ganz am Rande um Musik. Vielmehr stehen die Schicksale von vier Jugendlichen im Blickpunkt, die im Nordwesten Englands unter Bedingungen aufwachsen, die mit „menschenunwürdig“ noch freundlich beschrieben sind. Das liegt nicht nur an ihrem direkten Umfeld, sondern auch an der Überwachungsdiktatur, die in dem Buch herrscht.

Bastian Amann las sich in Rekordzeit durch „GRM“.

Wer in diesen schweren Zeiten „GRM“ lesen will, um sich etwas aufzubauen, sollte lieber die Finger davon lassen. Andererseits lässt einen der eigenwillige, aber recht geschmeidige Schreibstil der deutsch-schweizerischen Autorin geradezu in Rekordzeit über die gut 600 Seiten fliegen. Und Sybille Berg selber meint: „Es wird nicht schlimm. Nur – anders.“ So kann man die Welt von „GRM“ natürlich auch sehen.

Bastian Amann

Sybille Berg: „GRM“, Kiepenheuer & Witsch, 640 Seiten, 25 Euro, ISBN 978-3-462-05143-8.

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