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Wo Wasser ist, blüht Leben – so wie die im Freisinger Moos ansässige Kuckucks-Lichtnelke

Dank Kooperation zwischen Stadtwerken und Landwirten

In Freising blüht das Wasser auf

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Bundesweit steigt die Nitratbelastung im Grundwasser. Nicht so in Freising – obwohl die Bodenbedingungen hier besonders ungünstig sind. Ein Hauptgrund für den Gegentrend hierzulande ist eine wegweisende Vereinbarung zwischen Stadtwerken und Landwirten. Eine Bestandsaufnahme – zum heutigen „Tag des Wassers“.

Freising – Im Januar schlug der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) Alarm. Er warnte mit ungewöhnlich deutlichen Worten vor der weiteren Überdüngung der Felder durch zu hohen Einsatz von Nitrat. „Wenn sich jetzt die gängige Düngepraxis nicht ändert, kann sich die Trinkwasseraufbereitung deutlich verteuern.“

Die Stadtwerke Freising haben das Problem schon vor Jahren erkannt und können daher pünktlich zum heutigen Weltwassertag Erfolge vermelden. „Während Anfang der 90er Jahre die Grenzwerte oft überschritten wurden, ist das Wasser heute weit davon entfernt“, berichtet Werkleiter Andreas Voigt. Damals war der Aufwand deutlich größer, die gute Qualität des Wassers zu sichern. In Freising sind die Nitratwerte der Proben, die den drei städtischen Flachbrunnen regelmäßig entnommen werden, in den vergangenen 25 Jahren um mehr als 50 Prozent gesunken. Nach Angaben der Stadtwerke lag der durchschnittliche Nitratwert 2016/17 bei 23,15 Milligramm pro Liter. Zum Vergleich: Der gesetzliche Grenzwert liegt bei 50 Milligramm.

Der Trend ist erstaunlich, weil die Bedingungen dafür in Freising ungünstig sind, wie Voigt erläutert. „Abhängig ist es vorwiegend von der Art und Intensität der landwirtschaftlichen Nutzung, aber auch die geologischen Bedingungen spielen eine Rolle.“ In Freising biete die dünne Humusauflage über einer sehr wasserdurchlässigen Kiesschicht wenig Puffer, um das Nitrat längere Zeit im Boden zu halten. „Es wird sehr schnell durch den Regen ausgeschwemmt und landet im Grundwasser.“

Wo Wasser ist, blüht Leben – so wie die im Freisinger Moos ansässige Kuckucks-Lichtnelke (Bild oben: Angelika Ruhland). Zur guten Qualität des Grundwassers tragen Stadtwerke und Landwirte gemeinsam bei. Ein dichter Teppich von Zwischenfruchtpflanzen sorgt nach der Ernte dafür, dass kein Nitrat ins Trinkwasser gelangt. Im Rahmen der Kooperation finden regelmäßige Feldbegehungen statt

Tiefbrunnen, wie sie in den 80er Jahren etwa im Vöttinger Moos in Betrieb genommen wurden, sind allein keine Lösung. Zwar bieten sie reines, von menschlichen Eingriffen unbeeinflusstes Wasser. Doch die Förderung ist aufwendig. Da das Wasser zudem aufbereitet werden muss, fallen erneut Kosten an. Nicht zuletzt handelt es sich auch um eine begrenzte Ressource. „Die Stadtwerke möchten daher so selten wie möglich auf das Wasser aus der Tiefe zurückgreifen“, sagt Voigt. „Voraussetzung dafür aber ist eine gute Qualität des oberflächennahen Wassers.“

Deshalb hat das Unternehmen eine Kooperation mit den Landwirten geschlossen. Seit 1994 betreiben 41 Bauern freiwilligen Wasserschutz. „Sie bewirtschaften die Felder so, dass möglichst wenig Stickstoff ins Grundwasser gelangt“, erklärt Voigt. Dafür gibt es finanzielle Unterstützung von den Stadtwerken. Der Weg zum Ziel: Nach der Ernte der Hauptfrucht, zum Beispiel Gerste, werden Zwischenfrüchte wie Senf gesät. Denn je länger die Felder bewachsen sind, desto mehr Stickstoff können die Pflanzen speichern – und desto weniger Nitrat gelangt ins Grundwasser. „Freising hat mit diesem Projekt bundesweit mit als Erster diesen Weg eingeschlagen“, betont Voigt. „Es ist ein gelungenes Beispiel für Gewässerschutz.“

Voll des Lobes für die Kooperation ist auch Gerhard Stock, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Erding. „Das ist eine Win-Win-Situation“, sagt er. „Wenn an beiden Enden vernünftige Leute sitzen, dann kommen dabei auch solch sinnvolle Kooperationen heraus.“ Die Bauern würden die Aufgabe sehr ernst nehmen, zur bestmöglichen Wasserqualität beizutragen.

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