Man sieht in der Boogie-Nacht im Heurigen die Musiker Christian Christl, Butch Kellem, Benny Korn und Eddie Taylor (v. l.).
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New Orleans in der Domstadt: Bei der Boogie-Nacht im Heurigen brillierten Christian Christl, Butch Kellem, Benny Korn und Eddie Taylor (v. l.).

Spirit von New Orleans in die Domstadt geholt

Das Louisiana-Gefühl im Heurigen: Freisinger Boogie-Nacht mit hochkarätiger Besetzung

Bei der Boogie-Nacht im Heurigen gelang es Christian Christl und seiner Allstar-Band mühelos, den Spirit von New Orleans in die Domstadt zu holen.

Freising – Christl ist einer von diesen Musikern, denen es gelingt, Reisen im Herz musikalisch zu untermalen. Denn bereits mit dem ersten Takt veränderte sich der eigene Verve, hin zu diesem ganz bestimmten Louisiana-Gefühl. Und er ist ein Bühnenmann mit Leib und Seele – mit magischen Fingern und einem unglaublichen Repertoire an Songs und Geschichten.

Nach Freising mitgebracht hat er dieses Mal wieder brillante Musiker, die das Konzert zum Flimmern brachten. Überaus charmant: Während des Openers holte Christl die Musiker nacheinander auf die Bühne, sodass der Song die Facetten der Einzelnen perfekt skizzieren konnte.

Hohes Niveau

Zeit zum Stillsitzen gab es kaum, denn die Auswahl seiner Interpretationen war in der Dynamik formidabel ausgewählt und garantierte einen filigranen Spannungsbogen zwischen Rückblenden und modernen Varianten. Sein „Zulu Queen from New Orleans“ ließ die Fensterscheiben vibrieren und offenbarte zum ersten Mal das sehr hohe Spiel-Niveau von Butch Kellem aus Philadelphia an der Posaune. Kellem selbst ist eine lebende Legende, er tourte einst mit Aretha Franklin sowie Ike und Tina Turner. Schon alleine wegen Kellem hätte ein roter Teppich ausgelegt gehört.

Die Virtuosen

Aber nicht weniger beeindruckend stellte Eddie Taylor seine Virtuosität am Saxofon unter Beweis – der perfekte Mann für die „Blue Note“, international ein Star und in Freising einer, der den Boogie funkeln ließ. Benny Korn am Schlagzeug versorgte die Musikfreunde mit dem nötigen Groove, immer perfekt temperiert. Während Christl zwischen jedem Song Anekdoten zu den Songs lieferte, nutzte er die Chance auch für ein Statement. Er stelle sich mit seiner Musik gegen den Rassismus, denn kein Mensch, so Christl, ist besser als ein anderer.

Der Höhepunkt

Ein Höhepunkt des Abends war „Stagger Lee“, pulsierend und mitreißend mit sämtlichen Färbungen – ein turbulenter Ritt mit umwerfenden Solo-Leistungen der Formation. „Jambalaya“ und „Blueberry Hill“ als Signatur, aber immer ohne in ein loses Cover abzurutschen – durch die Interpretation werden sie zu Christl-Songs, dem Mann der tausend Tasten. Sehr berührend hingegen der „St. James Infirmary Blues“, der wohl ältesten Blues-Nummer, die Christl jemand ganz besonderen gewidmet hat: seiner „Mama“, weil die auf diese Nummer unheimliche stehe.

Die Hymne

Und wie könnte es anders sein, als mit „Iko Iko“, der Hymne des Mardi Gras, das Ende des Konzerts einzuläuten, während der letzte Song einer leisen Nummer vorbehalten war. „Mo‘better Blues“ – jenem Song, der eine Botschaft transportieren sollte. „Ich wünsche uns allen einen besseren Umgang mit Situationen, die nicht so schön sind“, sagte Christl, ließ den letzten Ton verklingen und verschwand in sein New Orleans, inmitten von Freising.

Richard Lorenz

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