Abstützung am Haus
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Das Einheben einer Strebstütze nach „Freisinger Methode“ verlangt Fingerspitzengefühl am Kran.

Die bayerischen Abstütz-Profis trafen sich in der Domstadt

Das THW Freising: Eine echte Stütze im Notfall

Ein Treffen absoluter Spezialisten: Die Abstütz-Profis des THW trafen sich in Freising zu einer Übung. Prädikat: sehenswert!

Abstützen einsturzgefährdeter Gebäude gehört zur Kernkompetenz des THW, sei es nach Gasexplosionen, Unwettern oder Baufehlern. Um sehr hohe oder komplexe Gebäude abzustützen, halten drei Ortsverbände in Bayern eine spezielle Abstützkomponente vor: Marktredwitz, Weilheim und Freising. Jetzt gab’s wieder ein Treffen in der Domstadt: Es wurden Einsatztaktiken geübt, Neuerungen umgesetzt und Technik auf Herz und Nieren geprüft.

Das Abstützsystem Holz funktioniert wie ein Baukasten

THW-Pressesprecher Peter Binner und Zugführer Marco Eisenmann: „Das Abstützsystem Holz (ASH) ist ein modulares System, das bei einsturzgefährdeten Gebäuden und Häusern zum Einsatz kommt. Es besteht aus einem Baukastensystem von vorgefertigten Holzteilen, die am Einsatzort zusammengesetzt werden. Je nach Einsatzerfordernis und Lagebeurteilung kann das System in verschiedenen Varianten und Ausbaustufen eingesetzt werden.“ Auch Sonderkonstruktionen seien möglich.

Ein Helfer beim Überprüfen der Stützen: Sicherheit geht dem THW bei solch diffizilen Aufgaben über alles.

Nach dem pandemiebedingten Ausfall 2020 ließen die niedrigen Inzidenzen und der Impffortschritt der THW’ler wieder eine gemeinsame Ausbildung zu. Ein leer stehendes Gebäude in Freising bot dafür wegen der beengten Platzverhältnisse ein realistisches Übungsszenario.

Es ist geschafft: Der fertige Strebstützbock in Zehn-Meter Ausführung am Übungsobjekt.

Die Wandabstützung war absolut sehenswert

Nach einer theoretischen Einweisung in die Baukunde standen neben dem Aufbau des ASH-Systems auch Messtechniken und die Abstützung mittels eines weiteren Systems, dem Einsatzgerüstsystem (EGS), auf dem Plan. In fünf Einsatzabschnitten wurden Strebstützen mit einer Höhe von fünf oder zehn Metern in klassischer Methode (Bau am Gebäude), ein zweifacher Stützbock von zehn Metern Höhe in Freisinger Methode (Bau außerhalb des Trümmerschattens, Einheben mit dem Kran) durchgeführt. Binner und Eisenmann: „Zusätzlich hat die Fachgruppe Notversorgung des Ortverbands Freising eine Wandabstützung mit dem Einsatzgerüstsystem errichtet. Und der Freisinger Drohnentrupp übte das Überwachen eines am Gebäude angebrachten Rissmonitors.“

Viele Bürger sahen sich das Treiben der THWler an

Zugführer Marco Eisenmann hatte nicht nur interessierte Ortsverbände aus den Regionalbereich München, sondern aus ganz Bayern eingeladen. Auch Vertreter der Führungsgruppe Katastrophenschutz des Landratsamts und der Freisinger Feuerwehr ließen sich das Schauspiel nicht entgehen. Peter Binner: „Viele Bürger wurden durch die Maschinen auf die Übungsstelle aufmerksam und sahen sich das Treiben der THW-Gruppen an.“ Auch Marco Eisenmann freute sich über die große positive Resonanz der Veranstaltung. Der Ortsverband Dachau unterstützte die Übung mit einem weiteren Kranfahrzeug. Ein besonderer Dank des THW geht an die Freisinger Feuerwehr, die alle THWler bei der sommerlichen Hitze mit Eis versorgte. Die beiden THW-Sprecher abschließend: „So etwas nennen wir Kameradschaft auf Augenhöhe.“

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