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Stilecht mit Weißbier: Minister Bernd Sibler (2. v. l.) sprach mit den Ingenieuren Andreas Liebl (l.) und Matthias Keicher im Brauereimuseum über Roboter und mehr. 

Neue Veranstaltungsreihe „DenkRäume“

Künstliche Intelligenz: Minister Sibler diskutiert in Freising über Moral und Co. 

Wissenschaftsminister Bernd Sibler hat eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Zum Auftakt machte er in Freising Halt - und sprach mit zwei Experten über Künstliche Intelligenz. 

Freising – „Verschwinden bald ganze Berufsfelder?“, „Müssen wir uns einmal von Robotern pflegen lassen?“, „Können Roboter Emotionen zeigen?“: Antworten auf diese Fragen gab es am Donnerstag im Brauereimuseum Weihenstephan in Freising. Dort war Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler zu Gast mit seiner neuen Veranstaltungsreihe „Siblers DenkRäume“ – an diesem Abend unter dem Motto „Künstliche Intelligenz. . . und ich?“. Damit möchte der CSU-Politiker Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft erreichen. Um niemanden außen vor zu lassen, soll fortan in entspannter Atmosphäre über gesellschaftsrelevante Themen gesprochen und diskutiert werden.

Aufklären über Chancen und Risiken

Zum Auftakt stand das Thema Künstliche Intelligenz, kurz KI, auf dem Programm. Ein Fachmann habe tagtäglich mit dem Begriff zu tun. Doch außerhalb dieser Kreise werfe er Fragen auf. Zweck des Treffens war daher, über Chancen und Risiken aufklären. Vorab waren Interessierte dazu aufgefordert worden, Fragen einzusenden. Nun gab es Antworten. Sibler hatte sich zwei Experten an seine Seite geholt: die TU-Mitarbeiter und Diplomingenieure Andreas Liebl und Matthias Keicher.

Liebl verschaffte sich zunächst ein Stimmungsbild, um zu wissen, ob er es eher mit KI-Optimisten oder KI-Pessimisten zu tun habe. Das Publikum war zu seiner Freude mehrheitlich optimistisch eingestellt. Die Fachmänner wurden sofort mit einer Aufgabe konfrontiert: Sie sollten den Begriff „Künstliche Intelligenz“ definieren. Liebl versteht darunter vereinfacht gesagt „die Fähigkeit, Dinge vorherzusagen, die das System schon vorher gewusst hat“. KI soll zur Wahrscheinlichkeitsaussage dienen.

KI-Begriff ist irreführend

Dieser Meinung schloss sich sein Kollege Keicher an. Er empfindet den Begriff aber als irreführend. Es gehe nicht darum, dass der Mensch künstliche Intelligenz erschaffen wolle, sondern vielmehr gehe es um ein System, das selbst lernt. Außerdem wies Ingenieur Keicher darauf hin, dass ein Algorithmus sehr konkrete Aufgaben lösen könne. Seine Schlussfolgerung: Monotone Aufgaben könnten künftig an eine KI abgegeben werden. Insbesondere in der Medizin sei dies von großem Vorteil: Während eine Maschine mit KI Handlungsabläufe übernehme, die sich ständig wiederholen, habe ein Arzt mehr Zeit sich intensiv dem Patienten zu widmen. Das Stichwort dabei sei Entlastung – nicht Verantwortungszuschreibung.

Neben Sibler konnten auch die Zuhörer ihre Fragen loswerden. Die Bedenken, dass Roboter fähig dazu wären, Emotionen zu entwickeln, konnte Liebl aus der Welt schaffen. „Davon sind wir noch weit entfernt.“ Eine KI wäre höchstens dazu in der Lage, Emotionen an der Stimme und an den Gesichtszügen eines Menschen zu erkennen.

Für die Moral ist der Mensch verantwortlich

Zudem stellte sich die Frage, ob künstliche Intelligenzen überhaupt notwendig für die Gesellschaft seien? „Das ist die gleiche Frage, ob wir Internet und Computer brauchen“, sagte Keicher – und lieferte als Antwort: „Nein, sie öffnen uns lediglich Wege. Aber wenn sie die medizinische Versorgung verbessern, dann brauchen wir sie.“ Trotzdem solle man nicht zu viele Hoffnungen auf sie setzen, denn sie seien kein Lösungsweg, mit dem man alle Probleme beseitigen könne.

Sibler und die beiden Experten einigten sich darauf, dass Künstliche Intelligenz zwar viele Chancen biete. Allerdings solle man sich auch die Gefahren bewusst machen. KI selbst habe keine Moral – die moralische Zielsetzung liege in der Hand der Menschen. Aylin Yilmaz

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