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Der Leidensweg von Monika Schuhmann aus Freising: Die Liebe half - und der Verein Phoenix

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Mann und Frau  mit Eintrittskarten
Das wird sicher super: Monika und Robert freuen sich schon jetzt auf das Robbie-Williams-Konzert in München heuer im Sommer. © Privat

Monika Schuhmann aus Freising erlitt eine Serie von Schlaganfällen. Die Liebe ihres Partners rettete sie - und der Verein Phoenix. Das ist ihre Geschichte:

Freising – „Es war die ganze Datenplatte weg“, erzählt Monika Schuhmann und meint damit ihr Gedächtnis und sämtliche Fähigkeiten, sich äußern und sich bewegen zu können. 2019 erlitt die 47-jährige Freisingerin insgesamt sieben Schlaganfälle, ihr Leben hing an einem seidenen Faden und die Prognosen für das Leben danach waren alles andere als günstig. Monikas Leidensweg ist eine Geschichte über das, was eine liebevolle und adäquate Betreuung zu leisten vermag – und er offenbart deutlich, was in Freising fehlt und wofür sich der überaus ambitionierte Verein Phoenix seit einiger Zeit mit aller Kraft einsetzt.

Die Diagnose im Krankenhaus übertraf alle Befürchtungen

Robert Großkopf, der Lebenspartner von Monika, kann sich noch sehr gut daran erinnern, wie das alles angefangen hat. Das war auffällig, erzählt Robert, dass seine Partnerin geschlafen habe, als er damals von der Arbeit nach Hause gekommen war. Als Monika dann aufgewacht ist, habe sie gedacht, es sei Sonntag. „Ich hatte da schon ein sehr ungutes Gefühl“, so Robert, auch weil seine Partnerin an einer Blutgerinnungsstörung leidet, die bereits 2012 eine Thrombose und hunderte von kleinen Lungenembolien ausgelöst hatte.

Was dann allerdings 2019 im Krankenhaus festgestellt wurde, überstieg sämtliche Befürchtungen: Monika hatte zwei Schlaganfälle erlitten. Zudem musste Monika dringend am Herz operiert werden, da aufgrund der Blutgerinnungsstörung beide Herzklappen angegriffen worden waren.

Das Unfassbare geschah: Während der Herzklappen-Operation erlitt Monika weitere fünf Schlaganfälle. Robert wird sehr ruhig, während er das erzählt: „Sie war sechs Wochen lang im Koma und es sah überhaupt nicht gut aus“. Doch Monika wachte wieder auf, allerdings, so sie selbst, war dann halt „die Datenplatte weg“. Und auch sonst ging „nichts mehr“, wie Monika erzählt – keine Bewegungen, kein selbstständiges Essen, keine Kommunikation.

Eine Odyssee

Monikas Zustand verbesserte sich zwar, auch durch die Reha in Bad Aibling. Doch dann hieß es plötzlich, dass sie entlassen werde. „Da war aber noch gar nichts daheim, nicht einmal das Krankenbett“, wie sich Robert erinnert. Sein Resümee: „Auf die Krankenkasse kann man da nicht warten, das dauert alles viel zu lang.“

Was folgte, waren zahlreiche lange Telefonate und vor allem ganz viel Eigenleistung, als sie Anfang 2020 wieder nach Hause kam. „Man bekommt einfach nirgends Hilfe, da bist du dann allein daheim“, betont Robert, der hauptberuflich als Elektriker und Hausmeister arbeitet. Sein Plan, die notwendige Hilfe über eine 24-Stunden Kraft, also Pflege rund um die Uhr, sicherzustellen, funktionierte nur halbwegs.

„Unglaubliche Hilfe“

Warum? Hier hat die Vorsitzende des Vereins Phoenix Freising, Inge Thaler, eine Vermutung: Oft, berichtet Thaler, würden solche Pflegenden für Demenz-Kranke eingesetzt, aber halt nicht für die Betreuung nach einem frischen Schlaganfall. Zwar konnte sich das Paar die 24-Stunden Betreuung leisten, allerdings sei laut Robert jetzt halt auch das finanzielle Polster völlig aufgebraucht.

Was dann passierte, war ein reiner Glücksfall, denn Inge Thaler erfuhr durch eine Nachbarin von dem Schicksal Monikas und zögerte nicht lange. „Der Phoenix-Verein“, sagt Robert, „hat uns dann unglaublich geholfen bei allen möglichen Sachen“. Gerade zu Anfang wäre aber eine Tagesstätte, die Monika hätte aufsuchen können, überaus wichtig gewesen. So eine Tagesstätte, die sich Phoenix Freising auf die Agenda geschrieben hat.

Große Wünsche

Mit einer Tagesstätte für Menschen mit erworbenen Hirnschäden, die zugleich ein Begegnungsort ist, ist es möglich, dass ein Partner zur Arbeit geht, während der Betroffene betreut wird, erklärt Inge Thaler. „Schön wären Zeiten von 9 bis 16 Uhr und eine Höchstkapazität von zehn Plätzen“, ergänzt die 2. Vorsitzende Elisabeth Wust. Geplant wären dann beispielsweise gemeinsames Einkaufen, Kochen und Essen, aber auch die therapeutische Arbeit mit den „Patienten“ anhand Konzepten der Basalen Stimulation, der Kinästhetik und Bobath, einem speziellen Behandlungskonzept für Menschen mit Störungen des zentralen Nervensystems.

Der Verein ist emsig und das Konzept steht längst: für die Schicht bräuchte man zwei Pflegefachkräfte, zwei Pflegehilfskräfte, eine Küchenkraft und Reinigungspersonal. „Wir wollen bei den Menschen die Denkprozesse und Synapsen wieder anregen“, sagt Elisabeth Wust. Denn wie es aktuell für Betroffene läuft, sei oft nicht optimal. Die Fahrten zu solchen Therapien seien lange und für die Betroffenen oft so ermüdend, sodass die Behandlung dann nichts viel bringe.

Finanziert werden könnte eine solche Tagesstätte über Schirmherrschaften oder Sponsoring großer Firmen. Für Wust ist die Tagesstätte ein „Traumprojekt“, für das sie schon lange kämpft. Wenngleich der Weg noch steinig sei, beispielsweise beim Finden geeigneter Räume, ist Wust wichtig, jetzt mit den Vorplanungen bereits „einen Samen zu setzen“.

Voller Hoffnung

Für Monika, dem 100. Mitglied des Vereins Phoenix, wäre eine Tagesstätte optimal. Sie würde sich sehr freuen, wenn das schon in nächster Zeit klappen würde. Ihr Zustand hat sich erheblich verbessert. Inzwischen kann sie auch schon wieder mit Hilfe ins Obergeschoß gehen und einfache Dinge erledigen. Was Monika außerdem liebend gerne macht und was 2019 noch völlig utopisch war: Singen.

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Alles das wäre aber ohne ihren Partner unmöglich gewesen. Er kümmert sich aufopfernd um seine Partnerin und lässt auch weiterhin nichts unversucht, damit es seiner Moni noch besser geht. Ohne Robert hätte Monika vermutlich in einem Pflegeheim untergebracht werden müssen, woran beide gar nicht denken wollen. „Es ist alles schwierig, aber wir haben das gut hingekriegt“ sagt Robert und legt seinen Arm um Monika, während sie die letzten Worte von „Angels“ singt. Ihren eigenen Engel hat sie ohne Zweifel in Robert gefunden.

Gut zu wissen

Mehr Infos zum den Verein Phoenix Freising: www.phoenix-freising.de

Von Richard Lorenz

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