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Der Schlüssel zum verschwundenen Schloss von Pallhausen

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Von: Andreas Beschorner

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Den Kaltenberg mit der Glöckerlalm bei Pallhausen zeigt diese Darstellung aus dem Jahr 1949.
Den Kaltenberg mit der Glöckerlalm bei Pallhausen zeigt diese Darstellung aus dem Jahr 1949. © Keller

Die Sage um die Weiße Frau und dem verschwundenen Schloss in Pallhausen kennen auch im Landkreis Freising viele. Doch was steckt dahinter?

Pallhausen – Es geht eine Sage um in Pallhausen. Es ist die Sage von der Weißen Frau und dem verschwundenen Schloss. Heimatforscher Ernst Keller kennt die Sage gut. Er weiß, was sich auf dem unter dem Namen „Kaltenberg“ bekannten Hügel tatsächlich und nur der Legende nach abgespielt hat. Und er ist bei seinen Forschungen auf ein Objekt gestoßen, das vielleicht zur Aufklärung noch offener Fragen und Geheimnisse rund um die Weiße Frau, den Kaltenberg und die Glöckerlalm beitragen könnte.

Die Vergangenheit

„Wer heute auf der Staatsstraße 2339 Freising in westlicher Richtung verlässt, erreicht kurz vor Giggenhausen den Weiler Pallhausen. Dort, wo ein Weg rechts nach Haxthausen abbiegt, erhebt sich ein etwas mystisch anmutender Berg: der Kaltenberg. Der eilig Vorbeifahrende ahnt nicht, welch geschichtsträchtige Vergangenheit von diesem bewaldeten Höhenrücken überliefert ist. Zum einen war es die sogenannte Glöckerlalm, die in den 50er- und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts tausende Besucher zu ihren berühmt-berüchtigten Waldfesten anlockte, zum anderen ist es die Sage von dem verschwundenen Schloss und der Weißen Frau, die hier nachts erschienen sein soll und so manchem Wanderer das Fürchten gelehrt habe“, schreibt Keller.

Der Heimatforscher

Von der „Glöckerlalm“ sei nur mehr eine Ruine übriggeblieben, von dem „angeblichen“ Schloss oder der Burg zeugten noch einige Gräben und Wälle. Wissenschaftliche Belege von der Existenz der Schlossanlage gebe es aber leider nicht. „Allerdings sprechen einige Indizien dafür, dass der Sage, zumindest was die verschwundene Burg anbelangt, doch ein gewisser Wahrheitsgehalt zugrunde liegt“, heißt es im Bericht von Keller weiter. So berichte der Historische Verein von Oberbayern bereits im Jahre 1839 von „Schanzen und Gräbern der ehemaligen Burg auf der Anhöhe am Moose“.

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Johann Baptist Prechtl, der bekannte Pfarrer und Heimatforscher, sei 1887 eigens nach Pallhausen – „einem Weiler mit sieben Häusern und 51 Seelen“, wie er schreibt – gereist, um die Stätte aufzusuchen und mit den Bewohnern der Umgebung zu sprechen. Er schreibt: „Der Volksmund spricht: Auf dem Kaltenberg bei bei Pallhausen stand einst ein Schloss. Zweimal ist es im Laufe der Zeit zerstört worden. Heute noch ist der Schlossbrunnen zu sehen und sind die Grundmauern im Boden kenntlich. Wenn man im Erdreich etwas nachgräbt, kommt man auf das Mauergestein.“

Die Weiße Frau

Und weiter: „Eine alte Frau habe erzählt, wenn man in der Nacht am Berg vorbeigehe, würde die Weiße Frau, die Schlossgräfin, erscheinen und am Schloss auf- und abwandeln. Einmal sei der Gräfin ein Mann begegnet. Sie habe ihn aufgefordert, näherzukommen und eine eiserne Kiste (vermutlich Schatztruhe) zu öffnen. Den Schlüssel finde er im Maul eines großen schwarzen Hundes, der vor der Kiste sitzt. Er könne dem Hund ohne Gefahr den Schlüssel wegnehmen und die Kiste aufsperren. Gesagt, getan. Doch beim dritten Umdrehen des Schlüssels hätte ihn der Hund plötzlich angesprungen, sodass ihm vor Schreck die Kiste entglitten, in den Brunnenschacht gestürzt und im Innern des Berges versunken sei.

Diese Geschichte wird noch heute erzählt. Es soll sogar einige Grabungsversuche nach der verschollenen Kiste gegeben haben.“ So weit das, was Prechtl erfahren habe.

Dann schildert Keller die Historie weiter: „Aufmerksam geworden von dem Gerede der Leute begibt sich Professor Joseph Wenzl, der erste Bodendenkmalpfleger des Bezirksamts Freising, am 26. August 1904 und am 1. September 1908 zum Kaltenberg, um erstmals mit wissenschaftlichen Methoden dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. In seinem Befund spricht er von einer Abschnittsbefestigung und bestätigt die Einschätzung Prechtls, dass es sich hier an diesem exponierten Platz um künstlich angelegte Wälle und Gräben handle, die offenbar zum Schutze der Bewohner errichtet worden seien. Zu Alter und Zweck der Anlage aber habe er keine Anhaltspunkte gefunden.“

Der Hinweis

Einen Hinweis auf die verschwundene Burg könnte laut Keller möglicherweise die Tatsache geben, dass bei Pallhausen einmal ein berühmter Gelehrter lebte, der im Jahre 1790 bei seiner Erhebung in den Reichsadelsstand das Prädikat „Edler von Pallhausen“ erhalten hatte.

Vinzenz Pall, so sein bürgerlicher Name, ein Seilerssohn aus Freising, geboren am 22. Januar 1759, war wegen seiner außerordentlichen Leistungen auf dem Gebiet vaterländischer Geschichtsforschung zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt worden. Er war bayerischer Beamter, Archivar und Historiker, verfasste mehrere geschichtliche Lehr- und Lesebücher und hatte seinen Sitz, seinen Adelssitz, in Pallhausen. Prechtl vermutet, dass vielleicht Vinzenz Pall anlässlich seiner Adelsverleihung den Auftrag gegeben hatte, ein Gemälde von „Schloß und Vestung Kas(l)tenberg nägst Pallhausen Gerichts Kransberg“ anzufertigen. Dieses Bild im Format 42 mal 67 Zentimeter hing im Inneren der Kirche St. Stephanus Giggenhausen, weiß Keller, bis es eines Tages plötzlich verschwunden war. Nur ein paar ältere Leute des Ortes wüssten aus Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern von dem Gemälde.

Die Glöckerlalm lockte in den 1950er- und 60er-Jahren tausende Besucher zu ihren berühmten Waldfesten an.
Die Glöckerlalm lockte in den 1950er- und 60er-Jahren tausende Besucher zu ihren berühmten Waldfesten an. © Keller

Die Entdeckung

Und da kommt die Entdeckung ins Spiel, die Keller kürzlich gemacht hat: Nachdem das Original nunmehr seit über 100 Jahren als verschollen galt, sei jetzt im Bestand des Historischen Vereins von Oberbayern (Stadtarchiv München) eine Darstellung eines unbekannten Künstlers aufgetaucht. Der Titel: „Pallhausen (Freising), Schloss/Festung Kas(l)tenberg (Skizze nach einem älteren Gemälde).“ Als Technik werde „Bleistift, Wasserfarbe“ und als Trägermaterial „Pauspapier, auf Papier aufgezogen“ angegeben. Die Aufschrift berichte von einem historischen Ereignis aus dem Mittelalter, wonach die Festung im Jahre 1270 gestürmt worden sei. Offenbar sei dieser Text bei einer Renovierung der Tafel Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Lateinischen übersetzt worden.

Die Einschätzung

Nach Einschätzung von Prechtl könnte es dabei zwar zu einer Verwechslung mit dem Hochschloss Pähl bei Weilheim gekommen sein, weil aber von dort eine derartige oder ähnliche Darstellung nicht bekannt ist, gebe es für diese These keinen Beweis. Ist es also doch die verschwundene Festung von Pallhausen, die hier abgebildet ist? Freilich: „Was in der Realität bleibt, sind die Spuren im Gelände und ein rätselhaftes Bild, die den Mythos von der Weißen Frau und dem verschwundenen Schloss wohl noch lange Zeit fortbestehen lassen werden“, fasst Keller zusammen.

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