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Expertenrunde im Klinikum: Die Psychoonkologin Nathalie Antony mit Dr. Heino Pause, Christine Riedl (Workshop Malgruppe), Andreas Holzer (Geschäftsführer Klinikum) und Dr. Christoph von Schilling (v. l. ).

Diagnose Krebs – und mögliche Hilfen

Befreiung aus dem Trümmerhaufen

Die Diagnose Krebs ist ein Schock. Der Kampf gegen die Krankheit ist oft nicht nur eine körperliche, sondern auch eine psychische Belastung. Der Verein „Maria&Christoph“ steht den Patienten in dieser schwierigen Zeit zur Seite. Am Samstag lud der Verein in Kooperation mit dem Klinikum Freising zum Patienten- und Angehörigen Tag ein.

Freising Unter dem Thema „In der Krise durch eine Krebserkrankung“ wurden begleitende Angebote für Körper, Geist und Seele vorgestellt. Es sei, als wenn ein Erdbeben ein Gebäude erschüttere, sagte Psychoonkologin Nathalie Antony. Nach der Diagnose sähen viele Menschen ihren Lebensentwurf begraben vor sich liegen. Die Sozialpädagogin, die seit vielen Jahren die psycho-onkologische Beratung im Verein leitet, erklärte, wie sie helfe, die Patienten wieder Schritt für Schritt aus dem „Trümmerhaufen“ zu befreien. Nach dem Schock käme die Angst, man könne der medizinischen Therapie nicht gewachsen sein, sagte Antony. Allerdings, so die Fachfrau, sobald mit der medizinischen Intervention begonnen sei, wirke das mental immer entlastend.

Mit einzelnen Projekten unterstützt „Maria&Christoph“ das Wiederaufgreifen persönlicher Ressourcen: Atem- und Musiktherapie, Reha-Sport, Yoga, Shiatsu, Ernährungsberatung sowie Malen und Gestalten. In Workshops wurden diese Angebote am Samstag vorgestellt. Eine Fragestunde mit Experten rundete das Programm ab. Wie sich Trauer, Sorge und Hilflosigkeit bei den Angehörigen auffangen lassen, darüber berichtete Beate Drobniak von der Diakonie Freising, die für den Krebshilfeverein das Projekt „Zusammen Halt Finden“ anbietet. Während der Kranke in diagnostische und therapeutische Abläufe eingebunden sei, seien es vor allem die Familienangehörige, insbesondere die Kinder, die mit der Ausnahmesituation überfordert seien. „Am schlimmsten ist es, wenn sie in Unsicherheit bleiben“, sagte Drobniak. „Kinder verstehen eine solche Situation durchaus, und deshalb muss man auch mit ihnen darüber reden.“ Sie gehe auch in Schulen, wenn sich die belastende Situation in den schulischen Leistungen nieder schlage.

Eine sehr persönliche Erfahrung erzählte der Vorsitzende des Krebshilfeverein, Dr. Heino Pause. Er habe seine Mutter, die an einer Krebserkrankung gestorben sei, mit elf Jahren verloren. Darauf seien seine schulischen Leistungen auch abgesackt. Deshalb schätze er es persönlich sehr, wenn das heute aufgefangen werden könne. Der Patienten- und Angehörigentag soll auch im nächsten Jahr wieder angeboten werden. Maria Martin

Gut zu wissen

Weitere Infos gibt es unter www.krebshilfe-freising.de. Wer sich mit Menschen austauschen möchte, die in einer ähnlichen Situation sind, findet Gleichgesinnte in der Freisinger Selbsthilfegruppe, Tel. (0 81 68) 10 03. Ansprechpartnerin ist Lia Köhnlein.

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