Well-Brüder
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Die Nachfahren der ruhmreichen McWells haben an Häme, Biss und Wortwitz nichts verloren – exzellente Musiker sind Christoph, Michael und Karl Well ohnehin.

Die Well-Brüder zeigten sich im Freisinger Lindenkeller-Biergarten in bestechender Form

Die „McWells“ in Freising: Vom lieben Gott und „Coronator“ Söder

  • Andreas Beschorner
    VonAndreas Beschorner
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Nichts ist ihnen fremd, und nichts ist ihnen heilig: Die Well-Brüder in Freising waren in Bestform. Auch der „Coronator“ Söder bekam sein Fett ab.

Freising - Sie heißen Christoph, Michael und Karl. Sie kommen aus dem wunderschönen Hausen, bei dem am Ortseingang ein „Well-Come“ die Gäste empfängt. Am Mittwoch waren die Well-Brüder aus’m Biermoos, die „three brothers coming from Hausen“, in Freising: politisch-satirisch und musikalisch exzellent wie eh und je, „Corona Bavariae“ preisend und einen „Che-Guevara-Landler“ trällernd. Ohne Zweifel ein Höhepunkt des „Sommerwunders“.

Nach der wetterbedingten Verschiebung des Konzerts lachte am Mittwoch über dem Biergarten im Lindenkeller die Sonne. Und das Publikum lachte auch. Denn das Trio, dem so ziemlich nichts heilig ist – erst recht nicht die katholische Kirche –, entwarf in seinem Programm ein teilweise groteskes Bild von Heimattümelei, dem man aber stets die Liebe zu Weiß-Blau anmerkte. Das ging schon los mit den Gstanzln über das Hausener Dorfleben, „wo Oana nix red’ und de andern zuahörn“. Und das ging weiter mit der 125-Jahr-Feier der Freiwilligen Feuerwehr Hausen: Ein Glück, dass der Kreisheimatpfleger gerade noch rechtzeitig herausgefunden hatte, dass Georg Friedrich Händel einmal durch das Dorf gefahren war (weil man auf dem Weg von Wien nach London „an Hausen nicht vorbeikommt“). Die Folge: eine Feuerwehr-Suite in vier Sätzen, deren Bezeichnungen an Absurdität nicht zu übertreffen waren. Dass der neue Pfarrer in Hausen einen indischen und damit unaussprechlichen Namen hat, passte da bestens ins Bild.

„Sogar der Herrgott ist schon aus der Kirche ausgetreten“

Da war der Weg zur sarkastischen Kritik an der Doppelmoral der katholischen Kirche nicht mehr weit – einer katholischen Kirche, aus der sogar der liebe Herrgott schon lang ausgetreten ist. Und: Kennen Sie den Brummtopf, jenes uralte Musikinstrument, das wegen seiner etwas anrüchigen Art, in der es zu spielen ist, jetzt von der Kirche wieder offiziell eingeführt werden soll? Nach dem Auftritt der Well-Brüder wird man den Brummtopf nicht mehr vergessen.

Und was wären die Wells ohne CSU, ohne bayerische Staatsregierung und ohne Söder? Die Männer aus Hausen, die in ihrer Jugend zwei Minijobs hatten (den Münchner Merkur austragen und ministrieren), nutzten eine Lesung aus dem Evangelium des Markus aus Franken, um über den „großen Coronator“ zu spotten, über den „Kandidaten der Herzen“, über „Markus, den Wellenreiter“, der kommen wird, den Jecken aus Aachen, die Covid-Leugner und Querdenker zu richten, neben ihm sitzend „Scheuer, der Immernochnichtzurückgetretene“. Dabei sind Söder und CSU bei der Weltraumforschung ganz weit vorne, erklärten die Well-Brüder: „00Söder und sein White-Blue-Bavaria 1-Programm“, das die versammelte CSU-Riege ins All bringt, wo sie auf jedem Planeten ein Kreuz errichten, den Planet der Affen missionieren und die Milchstraße achtspurig ausbauen wollen – bis ein Schwarzes Loch „die schwarzen Brüder“ einsaugt.

Einen grandiosen Abend mit den Well-Brüdern verbrachte das Publikum im Lindenkeller-Biergarten. Fazit dieses Sommerwunders: Well done!

Ruhmreiche Nachfahren der McWells aus Schottland

Das alles trifft auf die ruhmreiche Geschichte der McWells, die zu Zeiten Maria Stuarts aus Schottland geflohen sind, um in Plattling, wo gerade das Gäubodenfest stattfand, zu landen. Musikalisch endet das in einer Dudelsack-Ekstase epischen Ausmaßes. Von besonderer Häme ist das, was die Wellbrüder über den Klimawandel aus dem Biermoos mitgebracht haben: „Los Wochos auf der Almhütt’n“. Der Sherpa-Toni als Hüttenwirt, Beachvolleyball am Speichersee, eine SUV-Sternfahrt for Future – „Klimawandel scheißegal, Alpinismo tropical“ heißt es ganz wunderbar ätzend im Refrain.

Und dann wieder Corona: Alphörner, jene idealen Instrumente für Stubnmusi, werden ausgepackt, die „Superspreader“ ins Publikum gehalten, was aber kein Problem sein soll, denn schließlich sind die Wells drei Mal geimpft: „Aerosole mio“. Dazu Schauplattln, Bauchtanz und Irish Dance sowie eine gnadenlose Abrechnung mit „Trachtenandroiden“ wie Andreas Gabalier, das alles meist mit bierernster Miene vorgetragen (was allein schon eine Kunst ist) – fertig war ein herrlicher Sommerabend mit Spott und Ironie, mit Sarkasmus und Häme, mit Wortwitz und musikalischer Extraklasse. „Well done“, wie die McWells wohl gesagt hätten.

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