+
Geben nicht auf: Julia Bönig, Max Kirchmaier und Michael Rattenhuber im Gespräch mit Tagblatt-Redakteur Manuel Eser.

Noch zuwenig Interesse

Digitale Einkaufsstadt Freising noch in der Warteschleife

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
    schließen

Die Aktive City will die Innenstadt zur digitalen Einkaufsstadt ausbauen und so den Geschäften mehr Internetpräsenz verschaffen. Doch noch wollen nicht genügend mitmachen. Kein Grund für die Stadtmanager, schon aufzugeben.

Freising – Mit der Idee, eine Online-Plattform für die Geschäfte der Innenstadt zu schaffen, trägt sich der Verein Aktive City seit mehreren Jahren. „In der heutigen Zeit ist es wichtig, sich auch im Internet gut zu präsentieren“, sagt Michael Rattenhuber, der dieses Projekt als Mitglied des Vorstands federführend betreut. Monatelang testeten die Stadtmanager Modelle. Am Ende fiel die Wahl auf Atalanda, das seit 2012 Plattformen für regionale Online-Marktplätze anbietet. „Das Unternehmen verfügt über viel Erfahrung und ein ausgereiftes System“, betont Rattenhuber. 18 deutsche Städte – von Alfeld Leine bis Wuppertal – präsentieren sich dort. Mit Pfaffenhofen ist auch eine Stadt aus der näheren Umgebung dort vertreten. Die Möglichkeiten, die das Portal bietet, reicht von einem reinen Online-Profil bis zu einem Online-Shop. „Die einen nutzen es als digitales Schaufenster“, erklärt Rattenhuber. „Andere bauen hier einen kompletten Lieferservice auf.“

Nicht nur Rattenhuber, sondern auch Julia Bönig, Geschäftsführerin der Aktiven City, und Vorstandsvorsitzender Max Kirchmaier sind von diesem Schritt überzeugt: Wenn die Freisinger Geschäftswelt wettbewerbsfähig bleiben will, muss sie neue, digitale Wege beschreiten. „Das Kundenverhalten ist inzwischen eben so, dass viele abends auf der Couch mit dem Handy oder dem Tablet bestellen.“ Zugleich aber befriedige Atalanda ein zweites wachsendes Kundenbedürfnis – dem nach regionalen Waren. „Online shoppen, lokal einkaufen“ lautet nicht umsonst das Motto auf Atalanda.

Julia Bönig sieht noch einen weiteren Vorteil: „Geschäfte können sich auch stärker gegenseitig befruchten.“ Sei es durch gemeinsame Verkaufsaktionen, die sich online besser vermarkten lassen, oder einfach darin, dass Läden das Interesse von Internet-Surfern wecken, die online nach etwas ganz anderem Ausschau gehalten haben. „Jemand geht auf das Portal, weil er nach einer Jeans sucht und kommt am Ende beim Blumenstrauß raus.“

Das Problem: Wer bei Atalanda dabei sein will, muss rund 20 Geschäfte zusammenbringen. Doch so viele Bereitwillige hat die Aktive City noch nicht gefunden. Laut Kirchmaier haben bisher nur zehn Geschäftsleute den Daumen nach oben gehalten. Für Julia Bönig ist das ernüchternd – zumal die Aktive City einige Vorleistungen in Aussicht gestellt hatte. So hätte der Verein den Teilnehmern einen zentralen Fotografen gestellt, um für die Profile einheitliche Qualitätsbilder erstellen zu lassen. Auch bezüglich eines Lieferdienstes fanden schon vielversprechende Gespräche statt. Ein Taxi-Unternehmen hatte sich an dem Job interessiert gezeigt. Daraus wird vorerst nichts.

Woran hapert es? Rattenhuber glaubt, dass die Unsicherheit viele Ladenbesitzer zögern lässt. „Einige schreckt es ab, nicht zu wissen, was auf sie zukommt – welche Aufgaben und Pflichten auf sie warten, wo sie ohnehin schon mit ihrem Laden gut beschäftigt sind. Und dann stellen sich einige auch die Frage: Lohnt sich das?“

Wer auf Atalanda vertreten sein will, muss monatlich zirka 30 Euro zahlen. Und wer die Software für einen Online-Shop nutzt, muss acht Prozent des Verkaufspreises abdrücken. „Dafür kümmert sich das Unternehmen aber um die komplette Zahlungsabwicklung und übernimmt auch das Risiko eines Zahlungsausfalls“, betont Rattenhuber. Heißt: Pro Bestellung überweist Atalanda den Betrag an den Geschäftsinhaber und zieht das Geld selbst beim Kunden ein. Die Kosten für den Lieferservice dürften sich indes nicht auf die Geschäftsbetreiber auswirken. Die werden für gewöhnlich durch einen kleinen Aufpreis an den Kunden übertragen.

Auch wenn es vorerst mit der digitalen Einkaufsstadt Freising nichts wird – aufgeben will der Verein nicht. Die Stadtmanager wollen nun zunächst mal ihre eigene Homepage erweitern, ergänzen, präzisieren, sagt Julia Bönig. „Wir möchten die Persönlichkeit der Einzelhändler und die Vorteile des stationären Handels noch besser herausarbeiten.“ Und Rattenhuber hofft: „Vielleicht ist das der richtige Zwischenschritt, um unsere Mitglieder noch weiter an Atalanda oder ein anderes digitales System heranzuführen.“ Kirchmaier betont jedoch auch, dass die Innenstadt schon jetzt keine Service-Wüste sei. „Viele Freisinger Geschäfte, auch Apotheken liefern bereits sind mit eigenen Online-Shops vetreten, es wissen nur die wenigsten.“ Noch ein Grund für eine gemeinsame Online-Plattform.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Flughafen München: Randale in Türkei-Flieger eskalieren - Pilot muss Landung abbrechen
Bei einem Flug von Ankara nach München ist es zu Randale gekommen. Eine schwerbehinderte Frau wurde attackiert. Der Pilot musste den Landeanflug abbrechen.
Flughafen München: Randale in Türkei-Flieger eskalieren - Pilot muss Landung abbrechen
Nach Sanierung kommt Tempo-30-Zone für  Kranzbergs Mitte: Mehr Sicherheit für Passanten
Der Zeitpunkt für eine Fußgängerampel an der Hauptstraße in Kranzberg ist günstig: Ab kommendem Jahr soll die Kreisstraße FS 24 komplett saniert werden. In diesem Zuge …
Nach Sanierung kommt Tempo-30-Zone für  Kranzbergs Mitte: Mehr Sicherheit für Passanten
Landrat Petz fordert Fingerspitzengefühl im Umgang mit Flüchtlingen
Über die Asylpolitik seines Vorgängers Josef Hauner (CSU) möchte Landrat Helmut Petz (FW) nichts sagen. Lieber will er über seine eigene Marschroute sprechen. Die geht …
Landrat Petz fordert Fingerspitzengefühl im Umgang mit Flüchtlingen
Neues Großprojekt am Flughafen: Event-Arena für 20.000 Besucher geplant – Kritiker warnen vor Verkehrskollaps
Am Flughafen München ist eine große Event-Arena in Planung, in der Konzerte, Kongresse oder TV-Aufzeichnungen stattfinden sollen.
Neues Großprojekt am Flughafen: Event-Arena für 20.000 Besucher geplant – Kritiker warnen vor Verkehrskollaps

Kommentare