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Karossen statt Kunden: Den üppigen Platz im FMZ-Foyer nutzt derzeit ein Autohändler, um einige Modelle – links hinten – zu präsentieren. Das feuerrote Spaßmobil im Vordergrund sieht auch ein wenig verloren aus.

Fachmarktzentrum

Dilemma um Einkaufszentrum: Das Siechtum des FMZ in Freising-Attaching

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Neue Konkurrenz und ein schwebendes Verfahren sorgen dafür, dass das Einkaufszentrum FMZ in Freising-Attaching langsam ausblutet. Eine Bestandsaufnahme.

Freising – Auf dem Großparkplatz vor den Schlüter Hallen ist oft kein freier Parkplatz mehr zu finden. Der moderne Gewerbepark, der im November 2018 an den Start ging, kommt bei den Freisinger Kunden bestens an. Trist schaut es dagegen ein paar Kilometer weiter östlich aus: Dort bietet schon der riesige Komplex, aus dem der Praktiker-Baumarkt vor Jahren ausgezogen ist, einen traurigen Anblick. 

Deprimierend ist auch der Zustand des Attachinger Fachmarktzentrums direkt daneben. Noch halten dort das (riesige) Kaufland, eine Apotheke, ein Friseur, ein Nagelstudio, ein Tabak&Zeitungs-Laden, das Dänische Bettenlager und ein Imbiss die Stellung – der Rest des gewaltigen zweigeschoßigen Gebäudes steht leer. Verklebte Schaufenster, heruntergelassene Rollläden, kaum Kundschaft – Tristesse pur. Ein Einkaufszentrum, das diesen Namen nicht mehr verdient.

Frust und Ärger beim Eigentümer

Kein Wunder, dass beim Eigentümer des FMZ Frust herrscht. Vor allem aber ist Stefan Heß von der Ariston Grundbesitz GmbH tief verärgert. Den Niedergang des FMZ habe man der Stadt Freising zu verdanken, „die nicht in die Puschen kommt“.

Hintergrund: Die FMZ-Eignerin Ariston will in Attaching neu und im größeren Umgriff bauen – sonst sei in Ergänzung zum Kaufland kein zweiter „Ankermieter“ zu finden. Die dazu nötige Änderung des betreffenden Bebauungsplans Gewerbegebiet Attaching-Nord hat der Freisinger Bauausschuss zwar bereits im Juli 2017 beschlossen – aber noch nicht umgesetzt. Nach Ansicht von Heß ist die Stadt Freising daran schuld, dass sich alles „wie Kaugummi“ hinzieht. Die Kommune hält dagegen: Man befinde sich immer noch „in Abstimmung mit übergeordneten Behörden, da die Landesplanung hohe Maßstäbe an die Umsetzung des Einzelhandelskonzepts der Stadt Freising stellt“, wie Stadt-Sprecherin Christl Steinhart betont.

Das Konzept der Eigentümerin Ariston umreißt Heß so: Auf dem Gelände des früheren Praktikers soll ein neuer Baumarkt entstehen. Benötigt werde dafür ein ebenerdiger, einstöckiger Komplex, der statt bisher 8000 mindestens 10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche umfasse. „Die Klassiker wie OBI kommen sonst nicht“, wie Heß betont. Größere Formate wie Hornbach benötigten gar 13.000 bis 16.000 Quadratmeter. Und das alles auf einer Ebene, nicht wie seinerzeit beim Praktiker auf zwei Geschoßen. Die zweite Etage würde die Kundschaft an frequenzschwachen Tagen gar nicht wahrnehmen. Das Ganze soll unter Einbeziehung des FMZ in den Bebauungsplanumgriff umgesetzt werden. Aber: „Ohne gültigen Bebauungsplan kann ich nicht einmal einen Bauantrag einreichen.“

Mit einem zweiten „Ankermieter“ als Nachbar würde sich nach Ansicht von Heß auch das FMZ erholen. Die großen Märkte würden für Werbung sorgen, die dann auch den kleinen Geschäften zugutekomme. Die Kundenfrequenz würde steigen – das Einkaufszentrum wieder mit Leben erfüllt.

Derzeit aber blutet das FMZ regelrecht aus. Vor wenigen Wochen hat die dortige Bäckereifiliale geschlossen – „sehr zu unserem Leidwesen“, wie Heß beklagt. Er beobachtet einen „sich selbst verstärkenden“ negativen Kreislauf. Von der sinkenden Kundenfrequenz sei natürlich auch die Geschäftsführung des Kauflands „wenig begeistert“, räumt der Ariston-Mann ein.

Die Ansiedlung neuer, kleinerer Geschäfte verhindert auch das Einzelhandelskonzept der Stadt, wonach sich in Gewerbekomplexen auf der „grünen Wiese“ keine „innenstadtrelevanten“ Geschäfte ansiedeln dürfen. Man will so verhindern, dass die Kernzone der Stadt verödet. Heß fordert, das angesichts der dramatischen Lage in Attaching „flexibler“ zu handhaben. Doch seit Jahren werde man von der Stadt vertröstet. „Leerstehende Flächen aber bedeuten für uns einen Mietausfall“.

Heß schwebt sogar der Bau eines Budget-Hotels vor, was sich angesichts der dann möglichen Parkplatz-Doppelnutzung (tagsüber Kunden, nachts Hotelgäste) anbiete. Aber auch hier sei die Stadt „zögerlich“. Heß: „Die Ariston ist sehr breit aufgestellt.“ Die Stadt Freising brauche im Grunde nur ihre Wünsche zu äußern – dann „werden wir über alles nachdenken“.

Stadt Freising bangt um ihre Fördermittel

Doch bei der Stadt Freising geht es weniger ums Wollen, als ums Können – und ums liebe Geld. Für die konsequente Einhaltung des Einzelhandelskonzepts gibt es „schließlich auch Fördermittel für die zukunftsfähige Neugestaltung der Innenstadt“, erinnert Pressesprecherin Steinhart. Und aufgrund der städtebaulichen Randlage des Fachmarktzentrums im Attachinger Gewerbegebiet seien „umfangreiche Prüfungen auch in Abstimmung mit der Städtebauförderung erforderlich“. Aussagen zum weiteren Verfahren könnten „derzeit nicht getroffen werden“.

Die Ariston „bedauert das sehr“, wie Stefan Heß sagt. Die Situation in Attaching sei doch ganz sicher nicht im Sinne der Bürger. Abgesehen davon, dass das FMZ-Praktiker-Areal über jeden Verdacht erhaben sei, noch einen Schönheitspreis zu bekommen.

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