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Auf dem Podium: (v. l.) Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds Walter König, Naturland-Bauer und Bio-Hopfenpflanzer aus Wolnzach Georg Pichlmaier, Moderator Johannes Becher, Gesc häftsführer des Verbands deutscher Hopfenpflanzer Otmar Weingarten und Grünen-Sprecherin und Agrarwissenschaftlerin Veronika Hannus.

Diskussionsabend der grünen Jugend Freising

Mehr Bio ins Bier

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Noch ist Bier aus ökologischer Erzeugung ein reines Nischenprodukt. Was nötig ist, um das zu ändern, wurde bei einer Veranstaltung der Grünen Jugend Freising diskutiert – mit sehr unterschiedlichen Meinungen.

Freising – Joana Bayraktar von der Grünen Jugend und Braustudent Fabian Börner hatten die gutbesuchte Veranstaltung organisiert, die sich mit den Chancen und der Zukunft des ökologischen Bierbrauens beschäftigte. Bisher spielt Bier aus ökologischer Erzeugung mit einem Marktanteil von 0,45 Prozent nur eine sehr geringe Rolle auf dem deutschen Markt, wie Walter König, Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds, in seinem Impulsreferat erklärte. Doch der Markt wächst und damit auch die Nachfrage nach biologischem Hopfen, wie Naturland-Hopfenpflanzer Georg Pichlmaier aus Wolnzach bestätigte. Er ist einer von nur acht Bio-Hopfen-Anbauern in ganz Deutschland.

Neben König und Pichlmaier diskutierten unter der Leitung von Landtagskandidat (Grüne) Johannes Becher die Agrarwissenschaftlerin und Freisinger Grünenvorsitzende Veronika Hannus und der Geschäftsführer vom Verband deutscher Hopfenpflanzer Otmar Weingarten. Erstes Diskussionsthema war der Einsatz von Pestiziden im konventionellen und der Kupfereinsatz im ökologischen Hopfenanbau. Insbesondere Spinnmilbe, Blattlaus und Peronospora beschäftigen natürlich auch den Öko-Hopfenpflanzer Pichlmaier: „Erst mal muss man die Nerven behalten. Ich versuche die Nützlinge zu unterstützen und arbeite in sehr begrenztem Umfang mit Kupfer.“ Damit der Kupfer- Einsatz weiter reduziert werden kann, hat er der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in den vergangenen Jahren eine Teilfläche zu Versuchszwecken zur Verfügung gestellt.

Im konventionellen Anbau werde „so wenig wie möglich und so viel wie nötig“ verwendet, stellte Verbands-Geschäftsführer Weingarten dar, der sich für den punktuellen Einsatz von wirksamen Pestiziden aussprach. Um die Menge der ausgebrachten Spritzmittel perspektivisch zu senken, brauche es weitere Forschung.

Dies unterstützte auch Grünen-Sprecherin Veronika Hannus: „Es ist dringend nötig, mehr zum Nützlingseinsatz und zu Sorten für den ökologischen Anbau zu forschen. Wir brauchen in allen Bereichen der Landwirtschaft eine Entwicklung hin zu mehr Ökologie“, sagte sie: „Es müssen nicht alle 100 Prozent bio machen, aber wir müssen uns alle Gedanken dazu machen, wie wir auch bei den konventionellen Betrieben den Spritzmitteleinsatz reduzieren können“..

Unterschiedliche Ansichten gab es auch bei der Frage, wie nun das Bio-Bier aus der Nische heraus kommen könnte. Walter König sah dabei vor allem die Verbraucher in der Pflicht, denn letztlich würde deren Kaufverhalten über das Angebot entscheiden. Gleichzeitig wurde in der lebhaften Diskussion mit dem Publikum deutlich, dass es häufig auch an Angebot und Auswahl fehlt. Nur in sehr wenigen Gaststätten wird Bio-Bier ausgeschenkt, und die Auswahl von Bio-Bieren in den Getränkemärkten hält sich ebenfalls in Grenzen.

„Wir haben zahlreiche Themen von unterschiedlichen Positionen diskutiert und über Lösungsansätze gesprochen“, sagte Landtagskandidat Becher. „Gerade in Zeiten von zunehmenden Populismus und Schlagzeilen via Twitter ein wohltuender Gegenentwurf von Politik.“ Er dankte der Grünen Jugend für die Organisation der Veranstaltung. Beim Geschenk für die Gäste hatten sich die Organisatoren viel Arbeit gemacht und einen Hopfenlimonadensirup gebraut – aus konventionellem Hopfen, denn Bio-Hopfen in Pelletform war in der benötigten Menge nicht zu bekommen.

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