Duell Eschenbacher gegen Habermeyer: Zahlenspiele mit Zündstoff

Freising - Es war ein langer, spannender Wahlkampf - am Dienstagabend sind die beiden Stichwahl-Kandidaten Tobias Eschenbacher und Sebastian Habermeyer auf die Zielgerade eingebogen: Bei der Podiumsdiskussion der SZ traten die letzten Verbliebenen der „Glorreichen Sieben“ zum Rededuell an. Dabei ging Habermeyer teilweise zum Angriff über.

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Es war das klassische „Was-wäre-wenn-Spiel“, das Moderator Christian Krügel mit den beiden Kandidaten bei der SZ-Podiumsdiskussion im Lindenkeller veranstaltete. Der erste Amtstag im Rathaus nach der Ära Dieter Thalhammer, da hätten beide in etwa das Gleiche vor. Tobias Eschenbacher (Freisinger Mitte) würde - so er denn am Sonntag gewinne - die rund 700 Mitglieder „in der Verwaltung erstmal kennenlernen wollen“. Und auch Sebastian Habermeyer (Grüne) würde „nicht lange mit der Amtskette herumlaufen“, sondern lieber „eine Vielzahl von Gesprächen führen“.

Auch was das Ziel Transparenz anbelangt, sind Eschenbacher und Habermeyer auf einer Wellenlänge - der Tenor lautet: Mehr Transparenz belebt das Geschäft.

Fakt ist aber auch: Gäbe es heute eine Bürgerversammlung in Achering, dann wäre es schnell vorbei mit der Einmütigkeit - Stichwort: Kirchenpoint. „Bei der Straßenausbaubeitragssatzung wäre doch eine Moderation gefragt gewesen“, schimpfte Habermeyer. „Es kann doch einfach nicht sein, dass Menschen an den Rand des Ruins getrieben werden.“ Außerdem müsse man schauen, ob der Ausbau der Straße notwendig, ob die Satzung überhaupt zeitgemäß sei. „Dafür würde ich auf alle Fälle streiten.“ Genauso wie Eschenbacher für die Innenstadtkonzeption: „Die ist sehr wichtig, um den Standort Freising auch langfristig zu sichern.“

Und dann das „Freisinger Millionen-Spiel“. Wofür würden denn die Kandidaten in den kommenden drei Jahren zusätzliche 30 Millionen Euro ausgeben? Eschenbacher würde zehn Millionen zur Schuldentilgung einsetzen, je drei Millionen in die Innenstadtkonzeption und eine bessere Anbindung Lerchenfelds stecken, fünf Millionen für Kindertagesstätten und je 2,5 Millionen für eine Verbesserung des Bus- und Radverkehrs investieren sowie vier Millionen für „Sonstiges“, vor allem Wirtschaftsförderung, locker machen. Habermeyer musste sich Rufe nach „Zahlen! Zahlen!“ und vereinzelte „Buuh!“-Töne anhören, nachdem er zunächst konkrete Zahlen schuldig geblieben war. Auf Nachfrage würde er „ein paar Millionen“ für eine Verbesserung des Bussystems, die Anbindung Lerchenfelds und einen „großen Batzen“ zum Schuldenabbau verwenden.

Für Zündstoff sorgten dann Habermeyers Aussagen, sein Mitbewerber habe doch 49 Prozent der städtischen Wohnungen verkaufen wollen, was Eschenbacher bestritt: Diese Aussage sei nur ein Beispiel gewesen, dass man angesichts des Schuldenstandes der Stadt auch das Anlagevermögen in Betracht ziehen müsse. Habermeyers Vorlage von Zeitungsausschnitten erinnere ihn an den jetzigen OB, der auch immer „irgendwas aus dem Jahr 2006 rauszieht“. Es sei die Frage, ob man künftig im Stadtrat kooperativ zusammenarbeiten „oder in diesem Stil weitermachen will“. Da konterte Habermeyer mit Eschenbachers CSU-Vergangenheit: „Ich pinsle mich nicht um, sondern stehe dafür, was ich gemacht habe.“ Toll, neu, besser - damit werbe die FSM, „aber wo sind die Inhalte?“, fragte Habermeyer. Das Neue, so Eschenbacher, sei beispielsweise der „Stil“ - ein Stil, „bei dem man sich nicht gegenseitig anschießt“, sondern das Kooperative betone.

Schwer taten sich die beiden OB-Bewerber damit, wesentliche Unterschiede in den Inhalten zu definieren: Die Antworten liefen auf die bekannten Positionen hinaus, dass Habermeyer erst „Magneten“ in die Innenstadt holen wolle und die Moosach-Öffnung als Wirtschaftsförderung anzweifelte, Eschenbacher hingegen die Innenstadtkonzeption als ein Mittel sah, einen „Magneten“ zu bekommen. Die Innenstadtkonzeption offenbarte noch einen Unterschied: Habermeyer sprach von 25 Maßnahmen und davon, dass die Sanierung des Asamgebäudes ja noch hinzugefügt worden sei. Eschenbacher wusste aber nur von 23 Maßnahmen - ohne Asamkomplex.

Die erste Publikumsfrage kam vom kleinen Max und war an Habermeyer gerichtet: „Warum wollen Sie die Westumfahrung nicht bauen?“ Doch der Grünen-Kandidat konnte den Nachwuchs beruhigen: „Wenn sich an der Beschlusslage nichts ändert, wird sie gebaut“ - auch wenn sie „ganz, ganz viel Geld kostet“ und, „wie immer in Freising“, die teuerste und komplizierteste Lösung der Verkehrsprobleme sei.

Und dann kam die Startbahn aufs Tapet: Wie er sich denn gegen die Runway wehren und ob er sich auch anketten würde, sollten die Bagger rollen, wollte eine Zuhörerin von Eschenbacher wissen: Er würde an Demos teilnehmen, die Öffentlichkeitsarbeit intensivieren und die Bürgerinitiativen da unterstützen, wo sie Bedarf hätten. Habermeyer sprach von einer „hochprofessionellen Maschinerie“ der FMG. Menschen, die „bis zum Rande des körperlichen Zusammenbruchs“ dagegen arbeiteten, müsse man bedingungslos unterstützen. Seine Vermutung, dass jene FMG-Maschinerie auch „im Wahlkampf mit Geld ihre Hand im Spiel hatte“, präzisierte Habermeyer dahingehend, dass es gefälschte „Facebook-Accounts“ und Online-Kommentare gegeben habe.

Von einem „Plan B“ halten beide nichts. Sollte die Startbahn kommen, könne man städtebaulich erst reagieren, wenn die Flugrouten feststünden, so Habermeyer. Ähnlich Eschenbacher: Man müsse und werde reagieren. Wie, könne man jetzt nicht sagen. Gegen Ende noch eine Spitze Habermeyers gegen den FSM-Bewerber, der sich bei der FT-Podiumsdiskussion Ende Februar gegen die „Airfolsregion“ ausgesprochen hatte: Das Regionalmarketing sei inzwischen „gestorben“, so dass sich „im Stadtrat niemand mehr verbiegen muss“.

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