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Eine Glücksbesetzung des Quartetts waren nicht nur Vlad Cojocaru am Akkordeo und der Sänger Freddy Engel, sondern auch Percussionist Roman Seehon und Steffen Müller am Bass.

Ein grandioses Konzerterlebnis begeistert die Freisinger im Lindenkeller-Stadtcafé

Musikalische Reise durch alle Täler der Welt: Die „Farykte Kapelle“ gibt Vollgas im Stadtcafé

Heiß ging es her im Stadtcafé des Lindenkeller: Die „Farykte Kapelle“ schlug einen musikalischen Bogen zwischen Süd und West, Nord und Ost.

Freising Die Farykte Kapelle  zeigte mit filigranem Fingerspitzengefühl, welche Energie in einem Live-Gesamtkunstwerk jenseits des Mainstreams stecken kann.

Ein wenig etwas von der Turbulenz und der Klang-Melange des Wiener Praters um Mitternacht mit seinen ganz eigenen Gestalten hatte dieses Konzert-Erlebnis. Ein Singen, ein Jaulen und ein Phrasieren – immer gekonnt und nie affektiert. In manchen Lieder-Fugen der Geist von Tom Waits Musiktheater „Black Rider“. In anderen Momenten dann wieder die konsequente Fortführung des Traumgeästs von Kurt Weill, ganz in der Tradition der großen Straßenmusikantenmythen. Geschickt arrangierte die Kapelle eine sich ständig wechselnde Hommage an Django Reinhard, Stéphane Grappeli und dem verbrannten Liedgut einer dunklen Zeit. Es ist kaum zu glauben, dass es diese Band erst vier Jahren lang gibt und sie dennoch auf so einem derart hohen Niveau spielen.

Ambitionierte Musiker

Bereits nach dem Opener „Pira Mange Korkoro“ war es sämtlichen Gästen schlagartig bewusst: Dieser Abend wird eine Reise durch sämtliche Täler der Welt, mit ambitionierten Musikern und einem Sänger voller Herzblut für jeden einzelnen Ton, präzise gesetzt und im Gesamt-Arrangement unverzichtbar. Diskret, aber dennoch immer stark präsent führte Steffen Müller am Bass die Motivlinien der Melodik durch den Abend. Der Freisinger Schlagzeuger Roman Seehon brillierte an der Percussion mit Jazz-Anleihen und punktgenauen Beat. Eine Glücksbesetzung des Quartetts war auch Vlad Cojocaru am Akkordeon, der im duellierenden Dialog eine Höchstleistung darbot. Der Sänger Freddy Engel verlieh dem Gypsy-Jazz mit Klarinette und Saxophone virtuos eine einzigartige Färbung von Melancholie und Völkerverbindung. Hier war kein Ton zu viel, kein Fußstampfen und kein Gromolo umsonst. Das mazedonische Stück „Ustibaba“ die Geschichte eines Vaters, der die Hochzeit seiner Tochter verschläft, wuchs zu einem Fortissimo heran, die Dynamik ließ die Gläser auf den Tischen zittern. Das langgestreckte jiddische Volkslied „Zehn Brida“ war sogar vielleicht das Lied des Abends, ein grummelndes Hinbewegen vom Leben zum Sterben, mit großartigen Tempo- und Rhythmuswechsel.

Wechselnde Sprachen

In wechselnden Sprachen entführte die verrückte Kapelle das Freisinger Publikum in eine ganz andere Welt. Allein mit Wort- und Klangfetzen gelang dem Quartett die Illusion, es würde sich um höchst talentierte Zirkus-Musiker auf Durchreise handeln. Mit wartenden Elefanten vor dem Lindenkeller und Trapez-Künstlern nahe dem Himmel.

Nur ganz selten bekommt man so etwas in Freising zu sehen. Sämtliche Anwesende werden sich an dieses wunderbare Ensemble sicherlich ganz lange erinnern. Es ist zu hoffen, dass sie schon bald wieder hier ihre Zelte aufschlagen.                                                                 RICHARD LORENZ

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