Die 80-jährige Helga Pfingstgraef wird von Marlene Baumann im Impfzentrum geimpft. Ihr Mann Heinz und Rettungssanitäter Maximilian Heinz beobachten das.
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Gehörten zu den ersten Impfwilligen: Helga und Heinz Pfingstgraef (80 und 81 Jahre alt) aus Moosburg bekamen am Samstag von Marlene Baumann (medizinische Fachangestellte) die Spritze. Rettungssanitäter Maximilian Heinz (r.) assistierte.

Über 200 Seniorinnen und Senioren bekamen am Wochenende das Vakzin

Start am Impfzentrum Freising - Ein Schritt hin zum normalen Leben

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Eine Bilanz des ersten Wochenendes im Impfzentrum Freising hat BRK-Geschäftsführer Albert Söhl gezogen: Über 200 Personen wurden geimpft

Freising – „Es ist sehr gut gelaufen.“ Eine positive Bilanz des ersten Impftags im Impfzentrum des Landkreises Freising hat BRK-Geschäftsführer Albert Söhl gezogen. 108 Personen der höchsten Prioritätsstufe (über 80 Jahre) wurden am Samstag von den Mitarbeitern des BRK Freising und der Johanniter-Unfallhilfe Allershausen geimpft, weitere 65 Senioren erhielten von dem mobilen Team das Vakzin gegen das Corona-Virus verabreicht. Am Sonntag waren rund 100 Impfwillige vor Ort.

Voller Einsatz

Zwölf Mitarbeiter waren im Impfzentrum in der ehemaligen Stein-Kaserne im Einsatz, fünf im mobilen Team, berichtete Söhl. um Bewohner in Einrichtungen der Lebenshilfe und des Altenheims Vitalis in Marzling zu impfen. In den Alten- und Pflegeheimen werden BRK und Johanniter zudem demnächst mit der zweiten Runde der Impfungen beginnen, da der Impfstoff für eine erfolgreiche Immunisierung noch ein weiteres Mal verabreicht werden muss.

Der Ablauf

Der im Impfzentrum vorgesehene Ablauf habe im Großen und Ganzen gut gepasst. Bereits am frühen Morgen herrschte dabei ein relativer Andrang vor dem Impfzentrum: Die Besucher hielten allerdings große Abstände ein und trugen schon draußen Masken. Dass es überhaupt zu Warteschlangen kam, lag indes nicht daran, dass das Aufklärungsgespräch durch den Arzt jeweils viel Zeit in Anspruch nimmt. Der Ablauf im Impfzentrum war gut organisiert und laut BRK-Kreisgeschäftsführer Albert Söhl waren die Einsatzkräfte mit ihrer Arbeit „gut in der Zeit“. Die Warteschlange draußen hatte vielmehr einen anderen Hintergrund. „Viele Menschen kommen eine Viertelstunde zu früh zu ihrem Termin“, so Söhl. Impfwillige werden daher dringend darum gebeten, möglichst pünktlich zum Impfzentrum zu kommen.

Fiebermessen und Formalitäten koordinierten am Wochenende Marcel Wolf und Marco Sterlemann im Impfzentrum.

Das Nachsteuern

Freilich müsse man noch etwas nachsteuern. Beispielsweise hätten die Arztgespräche vor der Impfung, in denen mit den Besuchern Vorerkrankungen abgeklärt werden, nicht wie geplant vier bis fünf Minuten gedauert, sondern im Schnitt acht Minuten in Anspruch genommen. Und auch die Verweildauer der Besucher nach der Impfung habe teilweise ein halbe Stunde gedauert, weil der Patient blutverdünnende Mittel nahm und länger beobachtet werden musste. Doch Impfreaktionen, so betonte Söhl, habe es am Samstag keine gegeben.

Erhöhter Infobedarf

Dass aufgrund der Klientel der über 80-Jährigen mit ihren Vorerkrankungen der Abklärungsbedarf erhöht gewesen sei, habe phasenweise dazu geführt, dass die Warteräume zu klein gewesen seien. Das werde aber noch behoben, betonte Söhl. Denn demnächst werden Umkleide-, Aufenthalts- und Büroräume in den ersten Stock des Trakts im ehemaligen Stabsgebäude ziehen, sodass im Erdgeschoß, dem eigentlichen Impfzentrum, größere räumliche Kapazitäten entstehen. Wichtig: Alle, die sich am Samstag zur Impfung angemeldet hatten, wollten auch tatsächlich geimpft werden. Der eine oder andere Besucher musste allerdings nach dem Arztgespräch wieder nach Hause geschickt werden, weil zu starke Allergien vorhanden waren.

Die Erfahrung

Bereits am frühen Morgen herrschte Andrang vor dem Impfzentrum in der ehemaligen Freisinger Stein-Kaserne.

Nicht so Helga und Heinz Pfingstgraef aus Moosburg. „Wir sind froh, dass wir so früh dran waren“, meinte Heinz Pfingstgraef (81). Er habe im Vorfeld bereits Tag für Tag die Website des Landratsamts beobachtet und sich sofort gemeldet, als die entsprechende Alterskategorie zur Anmeldung aufgerufen wurde. Man habe zwar anfangs draußen warten müssen, weil der Andrang groß war, aber das habe man gerne in Kauf genommen. Das Impfen sei für ihn und seine Frau, die seit 58 Jahren miteinander verheiratet sind, eine Selbstverständlichkeit, wie er sagte: „Man sehnt sich doch zurück nach dem normalen Leben. Dazu müssen wir alle im Landkreis beitragen.“ Deswegen hoffe er, dass möglichst viele im Landkreis an der Impfung teilnehmen. Sonst bekomme man dieses gefährliche Virus nie in den Griff.

Die Dauer

Am Sonntag ging es im Impfzentrum um neun Uhr weiter. Täglich, so Söhl, könne man rund 200 Personen impfen. Die mobilen Teams, die man derzeit noch für die Pflegeheime im Einsatz habe, könnten dann auch im Impfzentrum tätig sein. Die vorhandene Anzahl der Impfdosen sei genau bis zur nächsten Lieferung ausreichend und getaktet. Wichtig, so Söhl: Sollten Impfdosen übrig bleiben, würden Impfwillige aus der Gruppe der höchsten Priorität schnell telefonisch benachrichtigt und zu einer vorgezogenen Impfung eingeladen. Freilich: Unter der Voraussetzung, dass der Biontech-Impfstoff weiter als einziges Vakzin verwendet wird, rechnet Söhl nicht damit, dass vor April die Gruppe der Menschen, die als nächstes dran wären und eine hohe Priorität genießen, geimpft werden. Grund: Im Landkreis Freising gibt es über 10 000 Einwohner, die 80 Jahre und älter seien und deshalb höchste Priorität genießen. Bei 200 Impfungen pro Tag – und jeder Impfwillige muss für den wirkungsvollen Schutz vor Covid 19 ja bekanntermaßen zwei Mal geimpft werden – könne man sich ausrechnen, wie lange es dauere, bis die Gruppe der Menschen an der Reihe sei, die unter die Kategorie „Hohe Priorität“ fallen.

Neue Impfstoffe

Freilich: Neue Impfstoffe wie beispielsweise der von Moderna oder anderen Firmen, die leichter und einfacher zu verabreichen, zu lagern und zu transportieren seien, könnten die Impfrate beschleunigen – ebenso wie vielleicht ein zweites Impfzentrum im Landkreis oder andere Möglichkeiten, die Kapazitäten auszuweiten. Jetzt sind die BRK- und Johanniter-Mitarbeiter aber erst einmal froh, dass das erste Wochenende im Impfzentrum reibungslos und ohne jegliche Zwischenfälle verlaufen sei. Der Anfang ist gemacht.

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