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An der Grenze der Belastbarkeit ist die Kreuzung FS 44/FS 45 an der Ismaninger Straße angelangt. 

Überraschende Wende an der Kreuzung FS44/FS45

Ein Turbokreisel an der Ismaninger Straße muss nicht sein: Abschied von den „Ohrwaschln“

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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An der Grenze der Belastbarkeit ist die Kreuzung FS 44/FS 45 an der Ismaninger Straße angelangt. Jetzt gab’s im Kreisausschuss eine überraschende Wende: Ein Turbokreisel inklusive Überführungsbauwerk muss nicht mehr sein.

Freising – Seit fünf Jahren ist sie Thema, seit fünf Jahren sind die Planungen umstritten: die Kreuzung an der Ismaninger Straße, wo die FS 44 und die FS 45 aufeinandertreffen. Die letzte Planung, die eine Verlegung des Knotenpunkts Richtung Osten, dort einen Turbokreisel inklusive Überführungsbauwerken und zur Anbindung des Pförrerhofs aufwändige Schleifen, die sogenannten „Ohrwaschl“, vorgesehen hatte(wir haben mehrfach berichtet), könnte nun vom Tisch sein. Der Kreisausschuss nahm am Donnerstag die neueste Entwicklung erfreut zur Kenntnis.

Ein Eingriff in das FFH-Gebiet der Isarauen könnte doch möglich sein

Jetzt überprüft man eine andere Variante. Die Ausgangslage, wegen derer die viele Millionen Euro teure bisherige Planung vorgelegen hatte, war, dass man die Isarauen als FFH-Gebiet nicht antasten dürfe. Ein Turbokreisel wäre deshalb an der Stelle der jetzigen Ampelkreuzung nicht möglich gewesen, hieß es. Der Kreisverkehr hätte weiter östlich gebaut werden müssen, was zu Straßenverlegungen und anderen Anpassungsmaßnahmen geführt hätte. Dagegen rührte sich Widerstand, die Stadt Freising hatte dieses Projekt des Landkreises im Mai 2018 abgelehnt. Nun hat man also geprüft und neuerlich das Gespräch mit der Regierung von Oberbayern gesucht, berichtete der Leiter des Landkreis-Tiefbauamts, Andreas Kämper. Und siehe da: Ein Eingriff in das FFH-Gebiet der Isarauen könnte doch möglich sein. Denn die neue Planung, so Kämper, sehe vor, dass der Knotenpunkt an der jetzigen Stelle verbleibe und die Anbindung des Pförrerhofs ohne Umleitungen und ohne die „Ohrwaschl“, sondern als einfache Abbiegung gestaltet werde.

Ein Gutachter muss klären, wie schwer die Eingriffe in die Natur wären

Ob diese Variante wirklich realisierbar sei, hänge freilich noch daran, wie schwerwiegend für die Natur die Eingriffe in die Isarauen wirklich seien. Das soll nun ein Gutachten klären, für das der Kreisausschuss Grünes Licht geben sollte. Grundsätzlich aber, so die gute Nachricht, habe die Regierung erklärt, dass auch diese Variante genehmigungs- und förderfähig wäre. Während es für die große Mehrheit der Kreisräte außer Frage stand, diesen Weg zu beschreiten („Wir sind auf einem guten Weg: Die Ohrwaschl sind weg, aber die Regierung ist dennoch nicht taub“, so etwa FW-Kreisrat Rainer Schneider) war Toni Wollschläger (Grüne) sehr skeptisch. 

Wollschläger befürchtete „Blankoscheck 2.0“

Der Satz im Beschlussvorschlag, man stimme den aktuellen Planungsansätzen aus dem Jahr 2020 zu, klinge nach einem Grundsatzbeschluss für das Projekt – und das, ohne naturschutzrechtliche Fragen geklärt und ohne einen blassen Schimmer von den Kosten zu haben. Man stelle hier wie schon bei der Freisinger Westtangente einen „Blankoscheck 2.0“ aus. Die Kreisräte versicherten Wollschläger wiederholt, es gehe wahrlich nicht um einen Projektbeschluss, sondern um den Auftrag für weitere Untersuchungen, die dann erst zu einer richtigen Planung mit Kostenberechnung führten, die dann wiederum erst vom Kreistag beschlossen werde (oder eben nicht). Diverse Beschlussvorschläge „zur Güte“, wie sie Sitzungsleiterin Anita Meinelt den Wünschen Wollschlägers entsprechend formulierte, führten am Ende doch zu einem einstimmigen Beschluss: „Die Kreisräte erklären sich mit den aktuellen Planungsansätzen des Jahres 2020 als Grundlage für weitere Untersuchungen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie einverstanden.“ Ein Jahr wird nun die naturschutzrechtliche Prüfung in Anspruch nehmen.

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