Schulleiterin kritisiert Politik

„Eine organisatorische Katastrophe“: Wechselunterricht stellt FOS/BOS Freising vor massive Herausforderungen

Wie geht’s weiter? Die 17-jährige Aurélia aus Attaching besucht die zwölfte Jahrgangsstufe der FOS in Freising. In dem ohnehin anspruchsvollen Abschlussjahr blickt sie dem Wechselunterricht skeptisch entgegen.

Jetzt ist es offiziell: Absolventen müssen ab Montag in den Wechselunterricht. „Das ist organisatorisch und pädagogisch nicht durchdacht“, sagt die Leiterin der FOS/BOS Freising.

Freising – Seit Donnerstag hängt Roswitha Stichlmeyr, Leiterin der FOS/BOS in Freising, quasi permanent am Telefon. Denn an diesem Tag traf endlich das offizielle Schreiben des Kultusministeriums ein, in dem es heißt, dass Absolventen ab Montag, 1. Februar, in den Wechselunterricht starten sollen. Leistungsnachweise müssen komplett in der Präsenz stattfinden. Wie das alles an der FOS/BOS zu bewerkstelligen ist, versuchen Stichlmeyr und ihre Kollegen seitdem herauszufinden.

Kleines Schulhaus, aber 220 Schüler

„Es ist eine organisatorische Katastrophe“, sagt die Schulleiterin. Lehrer und Schüler würden enorm viele Probleme rund um den Wechselunterricht umtreiben. Um Lösungen zu finden, telefoniere sie seit Donnerstag mit ihren Lehrern, den SMV-Vertretern und Kollegen aus anderen Schulen. Doch bislang werfe jedes Gespräch noch mehr Fragen.

„Es geht schon damit los, dass der öffentliche Nahverkehr noch immer im Ferienmodus ist. Wie sollen dann zum Beispiel Schüler aus Mainburg pünktlich um 8 Uhr im Klassenzimmer sitzen?“, fragt sich die Schulleiterin. Zudem sei die Zahl der Abschlussschüler an der FOS/BOS sehr hoch: „Das sind über 400. Wenn die Hälfte in den Präsenzunterricht kommt, sind 220 Schüler hier im Haus.“ Zum Vergleich: Im Abiturjahrgang des Camerloher-Gymnasiums seien insgesamt nur etwa 70 Schüler.

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Betriebe wurden verpflichtet, Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. Wir Lehrer sind Freiwild.

Roswitha Stichlmeyr, Leiterin der FOS/BOS Freising

Aus der großen Absolventenzahl resultiere ein weiteres Problem: „Unser Schulhaus ist nicht groß und die Klassenzimmer sind alle unterschiedlich. In manche passen unter Einhaltung des Mindestabstands nur sechs, sieben Schüler.“ Wie die Räume aufgeteilt werden und dabei der Mindestabstand gewahrt werden kann, das versuche man derzeit auszutüfteln.

Doch in diesem Zusammenhang gebe es ein anderes Problem: „Wir haben auch Schüler, die aus Angst vor einer Infektion in der Distanz bleiben wollen. Und natürlich sind auch viele Lehrer in Sorge“, berichtet Stichlmeyr. Den Unterschied zwischen Unternehmen und Schulen versteht sie nicht: „Betriebe wurden verpflichtet, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. Und wir Lehrer sind Freiwild.“

Entscheidung, „die organisatorisch und pädagogisch nicht durchdacht ist“

Gleichzeitig betont die Schulleiterin: „Freilich ist Bildung ein hohes Gut – aber es ist ja nicht so, als würde der Unterricht in der Distanz nicht funktionieren.“ Das Homeschooling laufe sehr gut, sie habe Präsenzquoten von 100 Prozent – das sei im Unterricht vor Ort keine Selbstverständlichkeit. Die Schüler seien pünktlich und motiviert. Selbst Gruppen- oder Projektarbeiten – im Präsenzunterricht derzeit undenkbar – ließen sich über Programme wie „Teams“ problemlos absolvieren.

„Wir haben ewig daran gearbeitet, dass der Digitalunterricht funktioniert. Jetzt rudern wir zurück – und wenn die Zahlen erneut steigen, sind wir in zwei Wochen sowieso wieder komplett in der Distanz“, ist Stichlmeyr überzeugt. „Das ist eine politische Entscheidung, die organisatorisch und pädagogisch nicht durchdacht ist.“

Große Verunsicherung für Absolventen

Ihrer Meinung nach täte man gerade den Schülern mit dem vorschnellen Schritt in den Wechselunterricht keinen Gefallen: „Sie sind mit der Distanz gut gefahren, haben eine Struktur, können mit der Technik umgehen. Der Unterricht lief gut.“ Jetzt nicht zu wissen, wie es weitergehe, führe in dem ohnehin anspruchsvollen Abschlussjahr zu großer Verunsicherung.

Wie sich also der verpflichtende Wechselunterricht an der FOS/BOS genau gestaltet, werde sich zeigen. „Vielleicht bleiben wir auch am Montag noch in der Distanz und starten erst am Dienstag. Wir müssen schauen, wie wir das hinbekommen“, sagt Roswitha Stichlmeyr. „Wenn sich ein Kultusminister für dieses Schreiben acht Tage Zeit lassen kann, dann brauchen wir jetzt auch Zeit.“

Ab Montag sollen Abschlussklassen von FOS/BOS und Gymnasien im Wechselunterricht an die Schulen zurückkehren. Die Schüler hätten es gerne anders gehabt. Der Schülersprecher des Freisinger Camerloher-Gymnasiums erklärt, wo der Schuh drückt.

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