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„Sie wollen wissen, wo ihr Kind liegt“

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Von: Manuel Eser

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Ihre letzte Ruhe finden totgeborene Kinder im Sternengräberfeld auf dem Waldfriedhof in Freising. Die nächste Trauerfeier findet am 4. Juli statt. © Lehmann

Für viele trauernde Eltern war es der sehnlichste Wunsch: dass ihre totgeborenen Kinder in ihrem Beisein bestattet werden. Donum Vitae und das Klinikum Freising haben das nun möglich gemacht.

Freising – Eine Stele auf dem Waldfriedhof Freising erinnert an sie: an kleine Lebewesen, denen kein Leben vergönnt war. In Nähe des Monuments, das von grüner Wiese gesäumt wird, liegen die Babys begraben, die tot zur Welt kamen. „Frühgeborene Kinder sind eigentlich nicht bestattungspflichtig“, erklärt Valentin Zirngibl, Geschäftsführer des Bestattungsinstituts Wimmer. „Aus unserer Sicht aber handelt es sich auch um Lebewesen, die ein Anrecht auf eine Bestattung haben.“ Deshalb habe Zirngibl es befürwortet, dass sogenannte Sternenkinder, die unter einem Gewicht von 500 Gramm tot geboren werden, ebenfalls zur Ruhe gebettet werden.

Seit geraumer Zeit schon gibt es das Sternengräber-Feld auf dem Waldfriedhof. Bis zu diesem Jahr war es allerdings so, dass die trauernden Eltern bei der Bestattung selbst nicht dabei sein konnten. „Es gab zwar zwei Gedenkveranstaltungen pro Jahr. Aber die frühgeborenen Kinder wurden bereits ein paar Tage zuvor von der Pathologie des Klinikums Freising zum Friedhof gebracht und zur Ruhe gebettet“, berichtet Doris Hofmann, Leiterin der Schwangerenberatung Donum Vitae in Freising. Betroffene seien aber auf sie zugekommen. Der Wunsch der trauernden Eltern: Sie würden gerne bei der Bestattung dabei sein.

Hofmann versteht das. „Für viele ist der Bezug zu dem Ort sehr wichtig. Sie wollen wissen, wo ihr Kind liegt.“ Deshalb hat sich Donum Vitae in Kooperation mit dem Klinikum Freising dazu entschieden, die Bestattung im Anschluss an die Gedenkfeier vorzunehmen. „Eltern können dann dabei sein, wenn sie dazu emotional in der Lage sind“, betont Zirngibl. Er hält die neue Lösung auch aus „trauerpsychologischer Sicht“ für sinnvoll.

In diesem Zuge begrüßt es der Bestatter, dass statt bisher zwei nun drei Gedenkveranstaltungen pro Jahr stattfinden. „So können die Eltern sich zeitnäher von ihren Kindern verabschieden.“ Mussten sie bisher im schlimmsten Fall sechs Monate auf die Trauerfeier warten, sind es nun maximal vier, sagt Zirngibl. „Und eventuell erhöhen wir das noch einmal um einen vierten Termin pro Jahr.“

Eine Trauerfeier mit Bestattung der frühgeborenen Kinder hat bereits im April stattgefunden, die nächste ist für 4. Juli, 16.30 Uhr, am Waldfriedhof vorgesehen. Eine weitere ist im November geplant. Gestaltet wird die Zeremonie von Pastoralreferent Heinrich Schmid und der evangelischen Pfarrerin Eva Stegschuster. Beide sind Seelsorger am Klinikum. „Für mich ist das eine bewegende Sache“, berichtet Schmid. Nach der Trauerfeier im April seien bereits einige Eltern auf ihn zugekommen. „Sie haben sich bedankt, dass es für sie nun die Möglichkeit gibt, dabei zu sein.“ Über den kommenden Termin werden die betroffenen Eltern vom Klinikum persönlich informiert. Der Pastoralreferent betont: „Dieses Angebot steht allen offen. Es dürfen selbstverständlich auch Eltern dabei sein, die nicht christlich geprägt sind.“

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