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Viele Geschichten rund um Freisings historische Schätze erzählte Diplom-Ingenieurin und Bauforscherin Eva Fritz.

Ende März schließen sich in Freising die Türen 

Servus, Stadtmuseum!

Ende März ist es soweit: Das Stadtmuseum Freising wird die derzeitigen Räume für die Dauer von fünf Jahren verlassen. Wie sich die Sammlung des Historischen Vereins dann präsentieren wird, das machte die Diplomingenieurin und Bauforscherin Eva Fritz am Donnerstag bei einer Führung deutlich.

Freising – Eines jedenfalls steht fest: Alle bisherigen Ausstellungsstücke werden auch im neuen Museum zu sehen sein – und noch viel mehr. Denn vieles von dem, was jetzt an Wertvollem im Museumsdepot schlummere, könne im sanierten Gebäude ebenfalls in den Blick der Öffentlichkeit gerückt werden. Licht und hell sind die vier Räume, in denen sich die historischen Ansichten, die Zeugnisse kirchlicher Kunst, der Zünfte und des Bürgertums präsentieren. Dank der zahlreichen Glasvitrinen wird dem Museumsbesucher nur wenig Distanz zum jeweiligen Ausstellungsobjekt gewährt. Genau das sei es, was bei der Konzeption des Stadtmuseums vor zehn Jahren eine wichtiges Rolle gespielt habe, erläutert Fritz.

Und das soll auch in Zukunft so bleiben. Nach der Sanierung des Asamkomplexes werden weiterhin die vielen „Schichten“ der Stadtgeschichte hautnah zu erleben sein. Das Verstaubte, das einem Stadtmuseum landläufig anhänge, wolle man vermeiden. Der verwitterte Holzpfahl in der Glasvitrine im Eingangsbereich des Museum, von dem viele im Untergrund des Asamgebäudes verbaut sind, sei absichtlich in eine Vitrine gestellt worden, durch die man durchgucken könne, verriet die Bauforscherin. Das sei wichtig, damit die Räume wirken könnten.

Das Modell zum Anfassen, das Topographie und Stadtbild erläutert, oder der Münzschatz aus karolingischer Zeit, der im Zuge von Bauarbeiten 1938 an der Moosstraße in Lerchenfeld gefunden worden war: All das ist im Freisinger Stadtmuseum erlebbar und greifbar.

Apropos greifbar: Gerade die Kinder hätten ihren Spaß, wenn sie den schweren Glasblock, in den die Silber-Dinare eingelassen seien, sogar mit den Händen berühren dürften. Immerhin handelt es sich bei dem seltenen Fund um den bisher einzigen Münzschatz aus dem 9. Jahrhundert, der in Bayern gefunden wurde.

Kurioses erfuhren die Besucher über einen Glasbecher, der im Jahr 1724 zu Berühmtheit gelangt ist. Ein Zimmermann, der von der Höhe aus ein „Vivat“ auf den Fürstbischof gesprochen hatte, das Glas geleert und anschließend in die Tiefe geworfen hatte, davon erzählte Fritz wunderliche Dinge. Weil das Glas nicht gesprungen sei, sei dies als gutes Omen gewertet worden und so habe der Gegenstand letztlich Einzug in die Räume des Stadtmuseums gehalten.

Besichtigt wurden am Donnerstag auch die Zeugnisse kirchlicher Kunst, der fürstbischöflichen Hofhaltung und des gelehrten Freising. In Folge der Säkularisation hätten die bürgerlichen Kräfte in Freising mehr Handlungsspielraum erlangt, informierte Fritz. Dies ist in der schönen Porträtsammlung des Stadtmuseums dokumentiert.

Vom beschaulichen Charakter einer bayerischen Landstadt erzählen Porträts von Brauereibesitzern, wie etwa Franz und Anna Neumaier, die Inhaber des „Elefantenwirts“ an der Unteren Hauptstraße. Auch Kommerzienrat Anton Schlüter und seiner Belegschaft ist im Stadtmuseum Raum gewidmet. Wenn sich die Türen in fünf Jahren wieder öffnen werden, so darf man auf noch mehr Gegenstände aus der Geschichte Freisings gespannt sein.

Maria Martin

Gut zu wissen

Am Sonntag findet nochmals eine Führung durch die Ausstellungsräume statt. Beginn ist mit Museumsleiterin Ulrike Götz um 15 Uhr.

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