Solarregion

Energiewende im Landkreis Freising: Es reicht noch nicht

Wenn der Landkreis Freising bis zum Jahr 2035 die Energiewende schaffen will, muss er das Tempo erhöhen. Das betont Wissenschaftler Andreas Henze. Ansonsten, warnt er, werde man „mit Ach und Krach“ scheitern.

Freising – Die gute Nachricht: Elf Gemeinden im Landkreis Freising erzeugen inzwischen mehr Strom aus Erneuerbaren Energien, als sie selbst benötigen. Die Solarregion Freisinger Land hat diese 100-Prozent-Gemeinden ermittelt und im Rahmen einer Feierstunde im großen Sitzungssaal des Freisinger Landratsamts am Mittwoch geehrt.

Seit 2004 packt die „Solarregion Freisinger Land“ – die beiden Solarvereine Sonnenkraft Freising und Solarfreunde Moosburg sowie der Landkreis Freising – kräftig an. Ihr Ziel: den Energiebedarf zu 100 Prozent mit Erneuerbaren zu decken. Beim Strom sei schon Vieles erreicht worden, betonte Andreas Henze vom Solarregion-Team. Die Datenerhebung habe gezeigt, dass es inzwischen 5300 Besitzer mehr von Photovoltaikanlagen gebe als noch vor neun Jahren. Allerdings bestünden in den Bereichen Verkehr und Wärmeversorgung noch große Defizite. Um das vom Landkreis definierte Ziel zu erreichen, bis zum Jahr 2035 den gesamten Landkreis mit Erneuerbaren Energien zu versorgen, müsse man das Tempo erhöhen. „Es geht nicht mehr um Klimaschutz, sondern darum, eine Klimakatastrophe zu vermeiden“, so der eindringliche Appell von Henze. Man habe global die drei wärmsten Jahre zusammenhängend hinter sich, betonte er. „Das ist wie dreimal beim Pokern mit gezinkten Karten zu spielen.“

Solarkreismeister: Mauerns Bürgermeister Georg Krojer freute sich über die Auszeichnung für seine Gemeinde.

Eine Vorreiterrolle in Sachen klimafreundliches Bauen nimmt derzeit Moosburg ein. Die Klimaschutzmanagerin der Stadt, Melanie Falkenstein, stellte das neue Baugebiet „Amperauen“ vor, bei dem keine fossilen Energieträger mehr vorgesehen sind. Mit weiterem gutem Beispiel gehen die elf Landkreisgemeinden voran, die bereits seit drei Jahren mehr Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugen, als insgesamt an Strom verbraucht wurde: Attenkirchen, Fahrenzhausen, Gammelsdorf, Haag, Hohenkammer, Kirchdorf, Kranzberg, Paunzhausen, Rudelzhausen, Wang und Zolling. Und doch gehe der Umbau immer noch zu langsam, mahnte der Wissenschaftler. „Wenn wir so weitermachen wie jetzt, werden wir das Klimaschutzziel mit Ach und Krach verfehlen.“

Landrat Josef Hauner erinnerte daran, dass derzeit ein Umsetzungsplan zur weiteren Ausgestaltung der Energiewende erarbeitet werde. Zusätzlich liefen Planungen für einen Radschnellweg von Freising Richtung Garching. Solarkreismeister beim Zubau von PV-Anlagen und Thermie wurden 2016 die Gemeinden Mauern (1. Platz), Rudelzhausen (2. Platz) und Attenkirchen (3. Platz). Solarkreismeister bei der Neuzulassung von Elektro-Fahrzeugen 2017 wurden Wolfersdorf (2,34 Fahrzeuge pro tausend Einwohner), Hohenkammer (1,58) und Wang (1,55).

Maria Martin

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