Epileptischer Anfall am Steuer: Hohe Haftstrafe für Todesfahrer (44)

Neufahrn - Zu 25 Monaten Gefängnis hat das Amtsgericht Freising einen Neufahrner (44) wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Im Juni 2012 hatte der zur Tatzeit 42-jährige Sachbearbeiter nach einem epileptischen Anfall in Neufahrn ein Mädchen (17) totgefahren.

Der Mann war mit seinem Auto auf der Echinger Straße von der Fahrbahn abgekommen. Der VW erfasste die Jugendliche, die auf dem Gehweg unterwegs war, rücklings. Tags darauf erlag sie ihren schweren Verletzungen.

Der Prozess erfuhr ein enormes öffentliches Interesse. Neben den Eltern verfolgten Freunde und ehemalige Klassenkameraden der Realschülerin das Verfahren. Während Angehörige des Angeklagten in Tränen ausbrachen, nahmen die Eltern das Urteil mit Erleichterung auf: „Ich bin mir sicher, dass meine Tochter heute unter uns ist“, sagte der Vater, der wie die Mutter jegliches Anzeichen von Reue bei dem 44-Jährigen vermisste. Erst unmittelbar vor dem Urteil entschuldigte er sich bei den Eltern. Ob der vierfache Vater die Haft wird antreten müssen, steht indes nicht fest: Mit seinem Anwalt Manfred Plautz, der eine Bewährungsstrafe gefordert hatte, dürfte er in Berufung ziehen. In der Pause vor der Urteilsverkündung äußerte Plautz jedenfalls sein Unverständnis für die von der Staatsanwältin beantragte Haft über 28 Monate.

Bleibt allerdings die Frage, warum der Angeklagte seinen behandelnden Arzt nicht von der Schweigepflicht entbunden hat. Immerhin hatte sein Anwalt seine Argumentation auch darauf gestützt, dass sein Mandant vom Arzt nicht hinreichend informiert worden wäre, als Epileptiker nicht Auto zu fahren. Fürchtete der Neufahrner weitere belastende Aussagen? Mehrfach hatte das Publikum derlei Vermutungen geäußert. Denn so viel steht fest: Sieben Monate vor dem Unfall erlitt der 44-Jährige auf seinem Arbeitsplatz in Garching und im Supermarkt drei epileptische Anfälle. Sollte er diese öfter gehabt haben, wäre ein Auftritt des Arztes im Zeugenstand unter Umständen nicht in seinem Interesse gewesen.

Seit 2000 leidet der 44-Jährige an Epilepsie. Anfälle aus den Jahren 2003 sowie im Januar, Oktober und November 2011 sind belegt. Bevor der Notarzt erschien, hatte er sich jeweils wieder ins Auto gesetzt und war davongefahren. Zumindest der Vorfall im November ist aber aktenkundig geworden: Der Filialleiter eines Discounters, in dem der Mann umgekippt war, hatte sich das Kennzeichen gemerkt und die Behörden informiert. Im Landratsamt Freising war der Hinweis der Polizei Neufahrn, dass der Mann fahruntüchtig ist, allerdings nicht behandelt worden. (an)

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