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Die Freisinger Maroni-Fans sind ihm treu ergeben: Ferl Schreyer (63): „Wenn es ganz kalt ist, ziehe ich meine Bergschuhe an.“

Freisinger Original

Er holt die Kastanien aus dem Feuer: Ferl Schreyer verkauft seit 40 Jahren Maroni

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Seit 40 Jahren also verkauft der Ur-Freisinger seine Maroni. Im FT-Interview berichtet er, wie er zu dem Job gekommen ist, was sich seither verändert hat, und dass er in all der Zeit mit Millionen jongliert hat. Allerdings nicht so, wie man vielleicht denkt.

Als Ferl Schreyer (63) die ersten Maroni verkauft hat, war Helmut Schmidt noch Bundeskanzler, Adolf Schäfer Freisinger Oberbürgermeister, und man konnte mit seinem heißen Snack noch ein Kino in der Innenstadt anvisieren. Ach ja, und das Wort Snack wurde selbstverständlich auch noch nicht verwendet. Seit 40 Jahren also verkauft der Ur-Freisinger seine wärmenden Mag’n-Dratzerl.

-Ferl, Sie befinden sich mitten in Ihrer 40. Verkaufssaison. Wie viele Erfrierungstode haben Sie in all den Jahren durchstehen müssen?

Gar keine. Abgesehen davon, dass ich das Gefühl habe, dass die Winter immer milder werden, stehe ich ja bei der Arbeit hinter meinem Gas-Ringbrenner. Der wärmt vom Bauch weg nach oben und unten. Und wenn es ganz kalt ist, ziehe ich meine Bergschuhe an. Wenn die Füße nicht kalt werden, fehlt sich gar nichts.

-Aber wenn der Wind pfeift, kann es schon unangenehm werden, oder?

Am Schlimmsten ist der Ostwind. Aber dafür habe ich ein Brettl. Das stelle ich auf, und dann kann er von der Unteren Hauptstraße hochpfeifen, wie er will. Letzten Endes ist es während der Saison, die von Mitte Oktober bis Ende Januar geht, aber nur zwei- bis dreimal richtig kalt.

-Erfrierungen sind also nicht das Problem. Wie sieht es mit Verbrennungen aus?

Da muss man schon eher aufpassen. Wenn ich mir meine Hemden so anschaue – da sind schon einige Ärmel versengt worden. Deshalb muss ich bei der Arbeit Wollsachen tragen. Denn Funktionskleidung, etwa aus Polyester, würde bei der Hitze schmelzen. Dazu trage ich einen guten Rindslederhandschuh. Der schützt mich bestens vor der Hitze.

Mit den Maroni wollte er eigentlich nur sein Studium finanzieren

-Wie sind Sie denn zu dem Job gekommen?

Die Idee dazu kam mir 1977, als ich noch auf die FOS gegangen bin. Die war damals noch im Asamgebäude untergebracht. Da bin ich mit zwei Freunden immer an dem Maroni-Stand vorbeigekommen, der seinerzeit, also 1977, noch an der Hofapotheke stand. Beim Huber in der Wirtschaft haben wir dann darüber gesprochen, dass wir, wenn wir ab kommendem Jahr studieren, Geld verdienen müssen. Da ist uns dann die Idee gekommen, dass das Maroni-Geschäft eine Möglichkeit wäre.

Viel Verkehr, viel Betrieb: Ernst Brecht (r.) war der Vorgänger von Ferl Schreyer. Brecht ermunterte den damals 23-Jährigen dazu, das Maroni-Geschäft zu übernehmen. Das Bild stammt aus dem Jahr 1977.

-Sie haben Ihren Vorgänger aus dem Geschäft gedrängt?

Nein. Wir haben mit ihm gesprochen. Er hat gesagt, dass er aufhört und uns in unserer Idee bestärkt, weil er gemeint hat, dass es ein gutes Geschäft ist. Leider hat er seinen Ofen aber bereits einem anderen versprochen. Also haben wir uns für 30 Mark einen Handwagen gekauft und den Maroni-Ofen draufgebaut.

-Was ist aus Ihren Mitstreitern geworden?

Der eine ist schon nach einem Jahr wieder ausgestiegen. Der andere Mitstreiter war etwas länger dabei. Aber die meiste Zeit stehe ich jetzt schon allein hinter dem Maroni-Wagen. Bei mir hat das gut gepasst, weil ich im Zweitberuf als Reiseleiter arbeite. Im Sommer bin ich also auf Tour, im Winter stehe ich in der Freisinger Innenstadt.

-Wie hat Freising ausgesehen, als Sie angefangen haben?

Es ist schwierig, sich da zurückzuerinnern. Alles war einfacher gehalten, nicht so herausgeputzt. Und natürlich gab es da die Kinos noch. Jahrelang habe ich mein Wagerl beim Bavaria-Kino untergebracht – dort, wo jetzt der H&M ist.

-Wie hat sich die Kundschaft in all den Jahren geändert?

Es ist halt so, dass Frauen mit ihren Kindern bei mir vorbeikommen und erzählen, dass sie bei mir schon Maroni gekauft haben, als sie selbst ein Kind waren. Neulich hatte ich aber jemand da, der gefragt hat, wo der alte Mann hingekommen ist, der hier immer die Kastanien verkauft hat. Da habe ich ihr geantwortet, dass es den schon seit 40 Jahren nicht mehr gibt. Vielleicht sehe ich aber auch von Tag zu Tag jünger aus. (lacht)

Einmal hat er gedacht, dass es jetzt mit dem Maroni-Verkauf vorbei ist

-Die Maroni-Liebhaber sterben jedenfalls nicht aus.

Nein. Meine Kundschaft reicht von Kleinkindern, die gerade erst ihre Zähne bekommen haben, bis zu Senioren, die gerade noch beißen können. Jeder mag offenbar Maroni.

-Haben Sie trotzdem schon mal ans Aufhören gedacht?

Ja, 2011. Bis dahin habe ich die Ware ausschließlich aus Italien gekauft. Doch dann haben die einen Schädling reinbekommen, und die Ware wurde knapp. Ich musste die Saison abbrechen und dachte: Das war’s. Doch dann habe ich neue Quellen in Spanien und Portugal aufgetan.

-Was denken Sie: Wie viele Maroni haben Sie im Leben schon verkauft?

Ich hab ja jede Maroni zweimal in der Hand – einmal beim Einschneiden und beim Rösten. Ich bin mir sicher: Es waren mehrere Millionen.

-Dann hat Sie der Beruf zum Millionär gemacht.

Sollte man meinen. Ich fürchte aber, dass es nicht so ist.

-Sie haben wegen des Studiums mit dem Job angefangen. Wollen Sie mit Kastanien auch Ihr Rentendasein finanzieren?

Das ist tatsächlich so. Für meine Rente und meine Krankenkasse muss ich noch ein Jahr arbeiten.

-Was ich gemeint habe: Schaffen Sie Ihr 50-Jähriges?

Eher nicht. Wie gesagt: Ein Jahr muss ich es noch machen. Nach hinten ist dann alles offen.

Interview: Manuel Eser

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