Security findet 21-Jährige im Gebüsch​​ an der Wiesn - Polizei geht vom Schlimmsten aus

Security findet 21-Jährige im Gebüsch​​ an der Wiesn - Polizei geht vom Schlimmsten aus
+
Kümmern sich derzeit um zwei junge Flüchtlinge aus Afghanistan: die Rentnerin Edith Thorma und ihr Mann Cornel aus Wolfersdorf. 

Erst die Flucht, dann eine Odyssee

Zwischen allen Ämtern

  • schließen

Es ist wie beim Buchbinder Wanninger: von einem zum anderen und keiner ist so richtig zuständig. Allerdings ist das, was zwei jugendliche Flüchtlinge und ihre Pflegeeltern erleben, so gar nicht lustig. Man ist in die Mühlen der Bürokratie geraten.

Wolfersdorf/Freising– Anfang 2015 – es ist der Beginn der Flüchtlingswelle. Rentnerin Edith Thorma und ihr Mann Cornel erklären sich bereit, zwei minderjährige Flüchtlingen aus Afghanistan als Pflegeeltern bei sich zu Hause in Wolfersdorf aufzunehmen. So lange die Beiden nicht volljährigsind, ist alles gut. Doch dann beginnen die Probleme: Als der Ältere 2016 volljährig wird, kämpfen die Thormas bereits darum, dass er in der Familie verbleiben darf. So kann er 2017 seinen „Quali“ ablegen, bekommt allerdings seit Oktober 2017 nur noch 409 Euro pro Monat. Weil er sich im Asylverfahren befindet, erhält er keine Arbeits- und keine Arbeitserlaubnis. Sollte Edith Thorma, so sagt man ihr, irgendwelche Kosten beanspruchen, werde der junge Mann in eine Gemeinschaftsunterkunft verlegt.

Jetzt der nächste Fall: Der jüngere Bruder wird am 23. Februar volljährig. Bei ihm ist die Lage noch komplizierter. Da er sich im ersten Ausbildungsjahr befindet und auf ihn die sogenannte 3+2-Regelung zutrifft, gilt für ihn ein Abschiebeverbot. Bereits Ende 2017 und Anfang 2018 versucht der junge Mann, zusammen mit Freunden eine Wohnung anzumieten und eine Wohngemeinschaft zu gründen. Am Geld, an Anträgen und an der unsicheren Bleibeperspektive sei das aber gescheitert, so berichtet Thorma. Nächster Schritt: Der junge Mann stellt zusammen mit den Thormas im Rahmen der erweiterten Jugendhilfe einen Antrag auf weiteren Verbleib in der Familie Thorma. Am 21. Februar wird der Antrag mündlich, am 23. Februar – also am Geburtstag selbst – schriftlich abgelehnt. Alles, was die Thormas daraufhin versuchen – Telefonate, Gespräche, Verhandlungen –, bleibt zunächst erfolglos. Das Problem: Mit Erreichen des 18. Lebensjahres ist das Jugendamt nicht mehr zuständig, das Jobcenter allerdings auch nicht, weil der junge Mann eine Ausbildung absolviert und ein Abschiebeverbot besteht. Das Fatale: Würden die Thormas sich nicht bereit erklären, die Kosten für die Unterbringung und Verpflegung des jungen Mannes auf eigene Kosten weiter zu übernehmen, wäre der Flüchtling seit 23. Februar eigentlich obdachlos – ganz davon abgesehen, dass es in Wolfersdorf gar keine Obdachlosenunterkunft gibt, der junge Mann aber ja irgendwie zu seiner Ausbildungsstätte in Attenkirchen kommen muss. Thorma beklagt sich, dass, hätten sie und ihr Mann genauso „kompromisslos“ gehandelt wie die Ämter, der junge Mann jetzt mitten im Winter auf der Straße stehen würde. Denn, und da mahlen die Mühlen der Bürokratie besonders hart: Grundsätzlich hätte der Flüchtling nicht einmal in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht werden können, weil ein Abschiebeverbot bestehe. Das entspricht dem Status eines anerkannten Flüchtlings und die dürfen in Asylbewerberunterkünften eigentlich nicht wohnen.

Mit dem Fall konfrontiert, gibt man sich im Landratsamt bemüht: Zum einen, so heißt es aus der Pressestelle des Landratsamts, werde der junge Flüchtling jetzt vom Jugendamt dabei unterstützt, Bundesausbildungsbeihilfe zu beantragen. Sollte dem stattgegeben werden, sei es nach Rücksprache mit dem Jobcenter sogar möglich, dass der junge Mann zusätzlich Arbeitslosengeld II bekomme. Und wie Thorma mitteilt, könnte dieser Weg erfolgreich sein. Auf alle Fälle, so das Landratsamt, werde man alles tun, damit „niemand auf der Straße landet“.

Im Klartext: Da stets der Einzelfall geprüft werde, dürfe jemand, der auf dem in dieser Region bekanntlich extrem angespannten Wohnungsmarkt keine Bleibe finde, selbstverständlich in eine der dezentralen Asylunterkünfte einziehen. Ziel bleibe es dennoch, dass die Betroffenen – also auch der Pflegesohn der Thormas – möglichst schnell eine eigene Bleibe finden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Lieber Kakao ohne Kinderarbeit: Konsumkritischer Einkaufsbummel in Freising
Ein schneller Griff ins Schokoladen-Regal und schon ist man Teil des Kreislaufs unfairer Produkte. Welche Folgen das hat und bei welchen Produkten man besonders genau …
Lieber Kakao ohne Kinderarbeit: Konsumkritischer Einkaufsbummel in Freising
Freisings FW-Kandidat Zierer: „Die CSU schreibt unsere Anträge ab“
Sein Ziel ist es, im Maximilianeum zu bleiben: Für den Landtagsabgeordneten Benno Zierer (FW) hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Dem FT verrät er, wie er der …
Freisings FW-Kandidat Zierer: „Die CSU schreibt unsere Anträge ab“
Elf Millionen Euro für die Genusskultur
Wenn Männer in Anzügen zum Spaten greifen und mit Erde werfen, dann ist das fast immer ein Spatenstich. Gestern war Am Staudengarten dieses Schauspiel wieder zu …
Elf Millionen Euro für die Genusskultur
Nach Wiesn-Dienst: Maßloser Ärger für Oktoberfest-Bedienung aus Freising
Erst Schwerstarbeit auf dem Oktoberfest – dann eine böse Überraschung nach dem Dienst: Für eine Frau (23) aus Freising endete der Sonntag ärgerlich.
Nach Wiesn-Dienst: Maßloser Ärger für Oktoberfest-Bedienung aus Freising

Kommentare