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Neun Monate hinter Gittern muss der 28-jährige Freisinger absitzen, weil er Waffen manipuliert hat.

Berufung vor dem Landshuter Landgericht gescheitert

Es bleibt bei neun Monaten Haft für 28-jährigen Waffenbesitzer aus Freising

Er erzwang sich die Vorfahrt mit einer Schreckschusspistole – und in seiner Wohnung wurden scharfe Waffen gefunden: Das Landshuter Landgericht bestätigte die Strafe für einen 28-jährigen Freisinger zu neun Monaten Haft.

Freising/Landshut – Der 28-Jährige musste bei der Heimfahrt mit seinem Mercedes am 26. Juni 2016 in der Angermaierstraße wegen parkender Autos auf seiner Seite die Fahrspur wechseln. Dort kam ihm dann eine 26-jährige Freisingerin mit ihrem Wagen entgegen (wir haben berichtet). 

Er hielt eine Pistole aus dem geöffneten Autofenster

Als sie auf seine Gesten, zurückzufahren nicht reagierte, hielt er plötzlich eine (Schreckschuss-)Pistole aus dem geöffneten Fenster und erzwang sich so freie Weiterfahrt. Die 28-Jährige erstattete Anzeige und anhand der Täter- und Fahrzeugbeschreibung konnte der Verkehrsrowdy ermittelt werden.

Bei der Wohnungsdurchsuchung werden tödliche Geschosse gefunden - der Freisinger hat sie selbst manipuliert

Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Oktober wurde es dann „brisant“: An der sichergestellten Schreckschusspistole fanden sich Spuren, die darauf hindeuteten, dass die Sperre im Mündungsbereich entfernt und die Waffe damit „scharf“ gemacht werden sollte. 

Daneben wurden noch ein in der Türkei erworbenes voll funktionsfähiges sogenanntes Federdruckgewehr und neun Knallkartuschen gefunden: Sechs Kartuschen waren durch das Einbringen von Bleistücken zu tödlichen Geschossen manipuliert worden.

So fiel das Urteil gegen den Waffenbastler aus

Der Strafrichter am Freisinger Amtsgericht verhängte gegen den Waffennarren wegen Nötigung mit unerlaubtem Führens einer Schusswaffe, die illegale Einfuhr des Gewehrs sowie den unerlaubten Besitz von Schusswaffen und Munition eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde. 

Mit der „drastischen“ Strafe, so der Strafrichter damals, wolle er dem zunehmenden Rowdytum auf den Straßen entgegenwirken und außerdem würde die rechtstreue Bevölkerung – in diesem Fall der „Selbstjustiz“ – eine Strafaussetzung nicht verstehen.

Der 28-Jährige legte Berufung ein, wobei er auch vor der Strafkammer die Vorwürfe einräumte. Für den Vorfall mit der Pistole hatte er lediglich die Erklärung, dass er verärgert gewesen sei. Das Federdruckgewehr habe er bei einem Besuch bei einem Onkel in der Türkei erworben. 

Angeklagter habe vom Einfuhrverbot für das Gewehr nichts gewusst

Er habe nicht gewusst und sich auch nicht danach erkundigt, dass er für die Einfuhr und den Besitz des Gewehrs besondere Erlaubnisse gebraucht hätte. Wesentlich emotionaler wurde sein Verteidiger Ralph-York Desch, der zunächst seinem Unmut darüber Luft machte, dass die 26-jährige Anzeigeerstatterin wegen angeblicher psychischer Folgen zwei Jahre nach dem Geschehen als Nebenklägerin aufzutreten beabsichtige. Das aber lehnte die Berufungskammer ab. Denn ihr Verhalten zeuge nur davon, dass sie sich Schmerzensgeld sichern wolle.

Staatsanwältin: Illegaler Waffenbesitz war „hochgradig gefährlich“

Ebenso kritisierte der Anwalt, dass die Öffentlichkeit direkt über einen vom damaligen Strafrichter verfassten Artikel informiert worden und die Sache damit „gewaltsam“ publik gemacht worden sei. Sein Mandant, so der Anwalt, räume ein, „großen Mist“ gemacht zu haben, und entschuldige sich dafür. 

Wenn im Urteil des Erstrichters davon die Rede sei, dass er es als „unmenschlich“ empfunden habe, dass die 26-Jährige nicht zurückgefahren sei, sei dies ein Missverständnis gewesen. Der Angeklagte habe einfach „unvernünftig“ gehandelt. Das sahen aber Staatsanwältin Cordula Spitzer und die Berufungskammer anders: Spitzer verwies auf die geringe Frustrationstoleranz des Angeklagten. Deshalb sei der illegale Waffenbesitz „hochgradig gefährlich“ gewesen.

Richter: „Waffen vorzuzeigen, um etwas durchzusetzen, das können wir nicht dulden.“

In diese Richtung begründete auch Vorsitzender Richter Peter Pöhlmann das Urteil: Denn er sah nicht in der Nötigung, sondern in der waffenrechtlichen Geschichte das Problem. Denn die manipulierten Kartuschen hätten eine Geschossenergie von über 20 Joule gehabt. 

Beim Beschuss hätten die Projektile mit 360 Meter pro Sekunde beinahe „Überschallgeschwindigkeit“ erreicht und wäre auf kurze Distanz tödlich gewesen. Eine Bewährung komme nicht infrage: „Waffen vorzuzeigen, um etwas durchzusetzen, das können wir nicht dulden.“ Von Walter Schöttl

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