Drei Tote bei Attacke in Utrecht - mutmaßlicher Schütze nach Flucht festgenommen

Drei Tote bei Attacke in Utrecht - mutmaßlicher Schütze nach Flucht festgenommen
+
Fürchtet um die Existenz: Peter Baumgartner.

Züchter fürchten um ihre Existenz

Fisch-Skandal: Zwei Freisinger Betriebe unschuldig in Verdacht geraten

  • schließen

Drei Zuchtbetriebe sind von dem Fisch-Skandal betroffen, der in Freising seine Kreise zieht. Jetzt bestätigt einer der Drei seine Selbstanzeige. Die anderen beiden sind wohl unschuldig.

Freising – Peter Baumgartner ahnt nichts Böses, als es am 15. September 2018 an der Tür klingelt. Auch als Ermittler um Eintritt bitten, um Proben von seinen Fischen zu nehmen, denkt der Fischzüchter aus Freising an nichts Schlimmes. „Ich habe gesagt: Macht’s nur. Ich war mir ja sicher, dass sie nichts finden können, weil ich nichts Unrechtes gemacht habe.“ Dann der Schock: Die Proben ergeben, dass seine Fische mit Malachitgrün belastet sind. Jenem Fischarzneimittel also, das krebserregend sein könnte und daher bei Speisefischen verboten ist. „Das war für mich der Super-GAU“, berichtet Baumgartner. „Von heute auf morgen wird dir der Boden unter den Füßen weggezogen.“

Es ist der Anfang des Skandals, der am 6. März aufgedeckt wurde. Wie berichtet, hat das Landratsamt Freising drei Fischzuchtbetriebe im Landkreis Freising gesperrt. Ihnen ist es derzeit untersagt, Fische in den Verkehr zu bringen. Baumgartner ist einer der drei. Er war der Erstverdächtige, weil es sich um seine Forellen gehandelt hat, die bei Proben im Landkreis Traustein auffällig wurden. Aber alles deutet darauf hin, dass er nicht der Täter ist, sondern ein Opfer. Eines von zwei.

Dritter im Bunde ist tatverdächtig

Auch bei der Forellenzucht Nadler tauchten die Prüfer kurze Zeit später auf. Und auch Benjamin Nadler wurde davon „sehr überrascht“, dass seine Fische Spuren des verbotenen Mittels aufwiesen, wie er sagt.

Baumgartner hilft es, dass die Werte seiner Fische bei „nur“ zwei bis zehn Mikrogramm Leukomalachitgrün pro Kilo lagen. Zum Vergleich: Die Forellen, die der Anglerverein Moosburg bei der tatverdächtigen Fischzucht Kiffner, dem Dritten im Bunde, bezogen hat, und die Vorsitzender Michael Hartl in Eigeninitiative untersuchen hat lassen, wiesen 332 Mikrogramm auf. „Damit war klar, dass ich meine Fische nicht direkt behandelt haben konnte, sondern dass das Mittel in sehr verdünnter Menge über die Flussverbindung bei uns angekommen ist.“

Züchter soll Wiederholungstäter sein

Ein Bekannter von Baumgartner, Fischerei-Experte, wirft einen Blick auf die Teiche der Fischzucht, die oberhalb von Baumgartners und Nadlers Betrieb an der Mauka liegen, einem Nebenarm der Moosach. „Er hat entdeckt, dass das Wasser grün war“, berichtet Baumgartner.“ Der Bekannte habe den Züchter zur Rede gestellt. Kurz darauf ging bei der Polizei eine Selbstanzeige des Mannes ein, der neben einem Betrieb im Landkreis Freising einen zweiten im Landkreis Dachau führt. Seine Aussage: Ein Mitarbeiter habe das verbotene Arzneimittel versehentlich zugegeben. 

Das hält Baumgartner für Unfug. „Erstens waren die Werte in den Fischen, die der Anglerverein von ihm bezogen hat, so hoch, dass sie mehr als einmal behandelt worden sein müssen. Zweitens habe ich eine Mitteilung bekommen, dass der Mann Wiederholungstäter sein soll. Demnach wurde er 2008 schon mal dabei erwischt, wie er Malachitgrün verwendet hat.“ Was der Freisinger Fischzüchter dem Oberanlieger zudem ankreidet: „Wie konnte er dem Anglerverein Moosburg am 22. September noch mal Fische verkaufen, obwohl er da bereits die Selbstanzeige gemacht hat?“

Nervenschlacht und finanzieller Kraftakt

Auch wenn Baumgartner entlastet wurde, befinden er und seine Familie sich seit sechs Monaten im Ausnahmezustand. Ständig werden Teiche beprobt, immer in der Hoffnung, dass die Fische das verbotene Arzneimittel komplett abgebaut haben. Erst dann können sie wieder in den Verkehr gebracht werden. „Aber die Halbwertszeit liegt bei 45 Tagen. Entsprechend lang dauert es, bis die Fische das Mittel abgebaut haben.“ Zumindest das Wasser ist inzwischen wieder in Ordnung, wie er sagt.

Für Baumgartner und Nadler kommt zur nervlichen Belastung auch ein finanzieller Kraftakt. Seit sechs Monaten hat Baumgartner kaum noch Einnahmen. Seit sechs Monaten muss er zukaufen, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. Auch Nadler kann etliche Fische derzeit nicht verkaufen und musste ebenfalls Zukäufe tätigen. „Mir hat es aber geholfen, dass ich Anlagen habe, die mit Brunnenwasser gespeist werden können“, sagt er. Aus dem eigenen Bruthaus konnte er so neue Setzlinge hochziehen.

Züchter kritisiert Behörden

Erschwerend kommt der schwelende Generalverdacht hinzu, Baumgartner und Nadler selbst könnten ihre Fische mit dem verbotenen Mittel behandelt haben. „Wenn Menschen uns am Markt darauf ansprechen, können wir aufklären, und dann glauben uns die Kunden auch“, sagt Baumgartner. „Aber was ist mit denen, die gar nicht mehr zu uns kommen?“

Deshalb ist auch Nadler froh, dass die Vorfälle nun an die Oberfläche kommen. Er kritisiert die Behörden. „Ich hatte das Gefühl, dass alles unter den Tisch gekehrt werden sollte.“ Erst seit die Medien über das Thema berichten würden, seien die Ämter aktiv geworden.

Tatverdächtiger hat „alles offen gelegt“

Um Schadensersatz verlangen zu können, muss der mutmaßliche Täter erst mal verurteilt werden. Vorher zahlt die Haftpflichtversicherung nicht. Baumgartner appelliert an die Staatsanwaltschaft, das Verfahren voranzutreiben und schnellstmöglich abzuschließen. „Denn bei mir geht es um jeden Tag.“ 

Fischzüchter Bernd Kiffner selbst bestätigte gegen über dem FT, dass er Selbstanzeige getätigt habe. „Es stimmt, dass es bei mir Fische gegeben hat, die mit Malachitgrün belastet waren. Ich habe bei den zuständigen Stellen alles offengelegt, was ich habe. Mehr kann ich dazu im Augenblick nicht sagen.“ Dass er noch belastete Fische verkauft habe, nachdem er sich selbst angezeigt hatte, bestreitet er.

Auch interessant

Kräftige Einbrecher: Harley aus Garage getragen und Die Koalition der Derbleckten in Hochform

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Rabiate Aktion: Autofahrer fährt Radfahrer auf den Fuß – und bleibt dort stehen
Die Polizei fahndet nach einem rücksichtslosen Autofahrer: Der bislang Unbekannte ist einem Radler in Zolling auf den Fuß gefahren - und dort stehen geblieben. 
Rabiate Aktion: Autofahrer fährt Radfahrer auf den Fuß – und bleibt dort stehen
Prost: Freisinger Bank kann zum Jubiläum mit eigenem Festbier anstoßen
Zum 125-jährigen Bestehen hat sich die Freisinger Bank von Weihenstephan ein Jubiläumsbier brauen lassen. Auch die Bevölkerung hat die Chance, den Sud zu probieren.
Prost: Freisinger Bank kann zum Jubiläum mit eigenem Festbier anstoßen
Mit blutendem Herzen
Die Chorgemeinschaft St. Lantpert mit Solisten, Band und Orchester unter Leitung von Norbert Huber  ließen Szenen aus dem Lukas-Evangelium lebendig werden.
Mit blutendem Herzen
Kommunalwahl 2020 im Kreis Freising: Welche Bürgermeister gehen, welche bleiben? – Ein Überblick
Welche Bürgermeister bleiben, welche gehen? Das Freisinger Tagblatt hat sich im Landkreis umgehört. Hier ein Überblick: der Stand der Dinge, ein Jahr vor der …
Kommunalwahl 2020 im Kreis Freising: Welche Bürgermeister gehen, welche bleiben? – Ein Überblick

Kommentare