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Wenn Kinder mit nur einem Elternteil oder gar ohne Eltern ins Ausland reisen, sehen die Bundespolizisten am Flughafen ganz genau hin. So können die Beamten immer wieder Kindesentziehungen und -entführungen verhindern - oft buchstäblich in letzter Minute.

Flughafen: 51-Jähriger wollte mit Kindern nach Tunis

Bundespolizisten verhindern Kindesentziehung

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Flughafen - Es ist wohl der Alptraum aller Eltern: Kinder kommen nicht aus dem Kindergarten oder der Schule nach Hause, weil sie ins Ausland verschleppt wurden. Am vergangenen Freitag bewahrten Bundespolizisten im Erdinger Moos eine junge Mutter aus dem österreichischen Leonding vor eben diesem Alptraum. Die Beamten stoppten einen 51-Jährigen, der sich offensichtlich ohne Wissen der Mutter mit seinen zwei und fünf Jahre alten Kindern nach Tunesien absetzen wollte.

Bundespolizisten kontrollierten bei der Ausreisekontrolle des Flugs nach Tunis die Dokumente der Reisenden, als ihnen ein 51-Jähriger mit zwei Kleinkindern auffiel. Die drei waren ohne Mutter und Ehefrau unterwegs. Der Österreicher, ein gebürtiger Tunesier und der Vater des fünfjährigen Mädchens sowie des zweijährigen Buben,  erzählte den Beamten von einem plötzlichen Todesfall in der Familie. Deshalb sei er mit den Kindern unterwegs. Die Mutter der beiden Kinder sei bereits dort, könne telefonisch allerdings nicht erreicht werden. Auch eine schriftliche Einverständniserklärung der Kindsmutter zur aktuellen Reise konnte der 51-Jährige nicht vorlegen. 

Die erfahrenen Beamten wurden hellhörig und forschten auf verschiedenen Kanälen nach. Dabei erfuhren sie, dass die Mutter der Kinder die besagte Reise nach Tunis nie angetreten hatte. Ganz im Gegenteil sollten sie über die Kollegen in Passau herausfinden, dass die 29-jährige Mutter just im selben Augenblick bei der Polizei an ihrem Wohnort in Österreich vorstellig geworden war. Die Frau erzählte den österreichischen Beamten gerade von ihrem Verdacht, dass ihr Mann die Kinder nach Tunesien verschleppen wolle. Er habe die Kinder aus dem Kindergarten abholen sollen, sei aber nicht nach Hause gekommen. Sie vermisse auch alle Pässe und eine größere Menge Geld. Als Grund für diesen Verdacht nannte sie die bevorstehende Scheidung. Aufgrund dieser Infos nahmen die Bundesbeamten den Österreicher fest und seine Kinder in Obhut.

Kaum hatten die deutschen Bundespolizisten die österreichischen Kollegen über die Festnahme des 51-Jährigen informiert, machte sich die Mutter der Kleinen umgehend mit dem Zug auf nach München. Sie wolle ihre Kinder wieder zurück. Als die 29-Jährige kurz vor Mitternacht am Airport ankam, war der Alptraum für sie vorbei. Sie konnte ihre beiden Kinder wieder in die Arme schließen.

Inwiefern sich der 51-Jährige für seinen "Familienausflug" rechtlich verantworten muss, prüft nun die Staatsanwaltschaft.

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