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Platz für das Convention Center bietet der Flughafen. Auf der Grünfläche im unteren Bildbereich könnte das Veranstaltungszentrum entstehen. Doch noch müssen die Investoren einige Hausaufgaben erledigen.

Von A wie Architektur bis Z wie Zeitplan

Event Arena: Planer berichten detailliert vom geplanten MUCcc am Flughafen

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Es ist der Ursprung teils hitziger politischer Debatten: die geplante Event Arena am Flughafen München. Jetzt sprechen die Planer und machen den Gegnern ein Angebot.

Freising – Die Planungen befinden sich in einem frühen Stadium, doch politisch schlägt dieses Projekt bereits hohe Wellen: das Convention Center für die Metropolregion München, kurz MUCcc, das in Debatten bisher auch unter dem Begriff Event Arena firmiert. „Dass es in einer Demokratie Stimmen für und gegen ein Projekt gibt, ist normal“, sagt Lorenz Schmid, Geschäftsführer der SWMUNICH Real Estate, die die Halle bauen und betreiben will. 

„Mir ist das MUCcc ein Herzensanliegen von dem ich die Bevölkerung überzeugen und begeistern will, weil es ein Projekt für die Menschen der Region ist.“ Aus diesem Grund haben die Initiatoren die Redaktion des FT besucht, um – in diesem Stadium der Planung durchaus unüblich – die Bürger exklusiv und umfangreich zu informieren.

Idee der Planer

Mit der Idee für das MUCcc tragen sich die Planer bereits seit 2018. „Die Metropolregion München verfügt zwar über verschiedenste Indoor-Veranstaltungsstätten im kleineren und mittelgroßen Segment, derzeit aber über keine hochmoderne, multifunktionale Veranstaltungsstätte für große Veranstaltungen mit anspruchsvollen Veranstaltungsanforderungen, die State of the Art ist“, sagt Schmid. „Diesen weißen Fleck wollen wir tilgen – zum Wohle aller.“

Um über das Projekt zu informieren, kam Investor Lorenz Schmid (l.) am Dienstag zum Interview mit FT-Redakteur Manuel Eser zusammen.

„Wir“ – das ist die SWMUNICH Real Estate GmbH, ein Joint Venture, das gegründet wurde, um das Projekt privatwirtschaftlich zu finanzieren. Der Zusammenschluss besteht aus der LOGO Partners GmbH, Freisinger Unternehmern um Lorenz Schmid mit langjähriger Erfahrung in der internationalen Veranstaltungsindustrie, und dem in Grünwald ansässigen Investmentmanager KGAL.

Hallenkonzept

Unter das Motto „wunderbar wandelbar“ haben die Planer ihr Konzept für die Halle gestellt. Das MUCcc soll sowohl Stätte für Konzerte (LIVE-Sektor) als auch für große Tagungen und Kongresse (MICE-Sektor) werden. TV-Produktionen wären mit Blick auf den nahegelegenen TV-Standort Unterföhring ebenfalls möglich, wo die ProSiebenSat.1 Group beheimatet ist. Die Raumkonzepte für das Veranstaltungszentrum bieten den richtigen Rahmen für Veranstaltungen von 30 bis 20 000 Besucher, erklärt Schmid. „Heute die Rolling Stones, morgen ein internationaler Ärztekongress, übermorgen eine Veranstaltung einer Universität – das ist unsere Vision.“

Dass das MUCcc zu einer existenzbedrohlichen Konkurrenz zur Olympiahalle werden könnte, glaubt Schmid nicht. Im Gegenteil: Er rechnet mit einer sich gegenseitig befruchtenden Koexistenz. „Nationale wie internationale Fachstudien belegen den Bedarf und die Nachfrage nach einem Veranstaltungsort unserer Größenordnung“, betont Schmid. „Wir machen den Kuchen einfach nur größer.“ Mit München vergleichbare Metropolen wie Berlin, Hamburg und Köln hätten auch nicht nur eine Veranstaltungshalle. „Die haben sogar noch deutlich nachgerüstet, weil der Bedarf da ist und Forscher davon ausgehen, dass der Markt für Veranstaltungen aller Art langfristig weiter wachsen wird – trotz Corona.“

Standort und Baurecht

Bei der Suche nach einem geeigneten Standort für das MUCcc sind die Planer schnell auf ein Areal im Nordwesten des Flughafens gestoßen. Aus Sicht von Schmid ist die Lage nicht nur deshalb gut geeignet, weil es dort keine Anwohner gibt, die durch die Geräuschkulisse belastet werden könnten, sondern auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Denn die Planer könnten auf eine bereits bestehende Verkehrserschließung mit ÖPNV, Parkhäuser und ein Fernwärmenetz zurückgreifen.

Und noch ein dritter Grund spielt für Schmid eine Rolle: „Als gebürtiger Freisinger ist es mein großer Wunsch, unser MUCcc auf Freisinger Flur realisieren zu können.“ Deshalb liegt der Fokus der Planer auf dem Flughafen, obwohl es nach ihren Angaben auch alternative Standorte in der Metropolregion gibt. „Zum Teil wurden uns die sogar aktiv angeboten.“

Den Verdacht, dass bei der Baugenehmigung gemauschelt oder getrickst werden soll, wie ihn die Freisinger Grünen geäußert haben, weist Schmid von sich. In dem Dossier des Finanzministeriums hieß es, wie berichtet, dass der Investor die Aufstellung eines Bebauungsplans als „sehr zeitkritisch“ ansehe. In dem Schriftstück wird daher darüber spekuliert, ob eine luftrechtliche Planfeststellung zu schnellerem Baurecht führe. „Richtig ist, dass wir verschiedene Verfahren prüfen, um herauszufinden, was das geeignete Verfahren für das Vorhaben ist – so wie es jeder Geschäftsführer für sein Unternehmen auch machen würde“, stellt Schmid klar.

Das Areal müssten die Planer vom Flughafen erwerben. Mit der FMG befinden sie sich in Gesprächen. „Die Signale, die wir bekommen, lagen zwischen neutral bis aufgeschlossen“, verrät Schmid. „Zu einem Grundstücksverkauf kann es aber erst kommen, wenn wir unsere Hausaufgaben erledigt haben.“

Verkehr

Eine der größten Hausaufgaben für die Planer ist ein schlüssiges Verkehrskonzept. „Das ist mir als Freisinger mehr als bewusst“, betont Schmid. Die Investoren hätten deshalb bereits im Herbst 2019 auf eigene Kosten sowohl Fachplaner als auch ein Ingenieurbüro für die Erstellung eines Verkehrskonzepts engagiert. Zudem wurde ein unabhängiger Verkehrsplaner mit Analysen und Gutachten beauftragt.

„Es liegt in unserem ureigenen Interesse, dass das Verkehrskonzept richtig gut funktioniert“, betont Schmid. „Als privatwirtschaftliches Investment sind wir elementar daran interessiert und davon abhängig, dass sich unsere Gäste wohlfühlen – nicht nur während des Aufenthalts, sondern auch dank einer problemlosen An- und Abfahrt.“

Neben den bestehenden Parkhäusern am Flughafen sollen weitere Parkkapazitäten entstehen. Zugleich wollen die Investoren auch den öffentlichen Nahverkehr unterstützen, indem Tickets für Veranstaltungen zugleich als Fahrkarte genutzt werden können. Zudem sind ein neuer Bus-Bahnhof und der Ausbau des Radwegs von Freising zu der Veranstaltungshalle angedacht.

Architektur

Auch hinsichtlich der Architektur sind die Investoren ambitioniert. „Wir bauen das Veranstaltungszentrum nicht nur, sondern betreiben es auch“, erklärt Schmid. „Daher geht es uns nicht darum, möglichst billig zu bauen und teuer zu verkaufen, sondern ein nachhaltiges Gebäude zu errichten, das im Betrieb dann günstiger wird.“

Ein architektonisches Premiumobjekt soll die Event Arena werden. Referenzobjekt in qualitativer Hinsicht ist die Kongresshalle in Kopenhagen, die auf dem Foto schon einmal vom Stadtmagazin Fink Freising-affin nachbearbeitet wurde. Wichtig: Das MUCcc könnte optisch ganz anders aussehen.

Statt eines Funktionsbaus streben die Investoren ein Premiumobjekt an. „Wir wollen ein Gebäude, das im Merian erscheint. Eines, das man in ganz Europa kennt“, sagt Schmid. Als Referenzobjekt nennt er in qualitativer, nicht unbedingt optischer Hinsicht die Kongresshalle in Kopenhagen. Planungs- und Architekturteams sind bereits dabei, erste Umsetzungskonzepte zu entwickeln.

Finanzierung

Auf rund 200 Millionen Euro schätzen die Investoren die Bau- und Investitionskosten. Damit die Finanzierung auch funktioniert, hat sich Schmid das namhafte Vermögensverwaltungsunternehmen KGAL ins Boot geholt. Als Mitgesellschafter decken die Münchner die Kompetenzen Immobilien-Management und Finanzierungskonzepte ab. Mit Schwergewichten ist die KGAL vertraut. Unter anderem hat das Unternehmen die Finanzierung der Allianz-Arena und des Gasteigs in München mit auf die Beine gestellt.

Vorteile für die Region

Das MUCcc kostet den Steuerzahler keinen Cent. Ganz im Gegenteil: Schmid stellt für die Region eine jährliche Wertschöpfung im dreistelligen Millionenbereich in Aussicht. „Ob Hotellerie, Einzelhandel oder Gastronomie – alle können von diesem Projekt profitieren. Die möglichen Synergien sind hoch.“ Die Stadt Freising darf mit erklecklichen Gewerbesteuereinnahmen rechnen. Und auch hochwerte Arbeits- und Ausbildungsplätze entstehen neu.“

Kulturell würde der Landkreis Freising ebenfalls vom MUCcc profitieren, betont Schmid. Nicht nur, dass große Acts in die Region kommen –die Kapazitäten könnten ebenso von Kulturschaffenden aus der Region genutzt werden. Und auch Kooperationen seinen denkbar. „Warum nicht ein mehrtägiges Festival in der Stadt Freising, das von einem großen Zugpferd profitiert, das im MUCcc auftritt?“

Zeitplan

Innerhalb der nächsten fünf Jahre möchte die SWMUNICH Real Estate die Halle bauen und in Betrieb nehmen. Corona sieht Schmid dabei nicht als Hindernis. „Im Gegenteil: Wir wollen gerade jetzt mit unserem Projekt positive Signale setzen. Das Leben wird irgendwann weitergehen, und wir möchten dabei Leuchtturm sein.“

Angebot der Planer

Transparenz ist Schmid wichtig. Deshalb habe man bereits frühzeitig Kontakt mit der Stadt Freising aufgenommen. Im Frühsommer 2020 wurde das Projekt dann dem Planungs- und Bauausschuss vorgestellt, kurz darauf den Bürgermeistern der Umlandgemeinden.

„Wir sind ein Projekt für die Menschen in der Region. Sie sollen wissen, was hier geplant ist“, betont Schmid. „Daher kann jeder gern zum Austausch in unser Büro, Obere Domberggasse 7, kommen.“ Genau das habe er auch Susanne Günther angeboten. Die Grünen-Stadträtin, die als Chefkritikerin der Event Arena auftritt, hat das Projekt als „Musterbeispiel an Intransparenz“ bezeichnet. Schmid: „Wir würden uns über einen regelmäßigen Austausch mit Frau Günther freuen. Lieber miteinander sprechen als übereinander.“

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