Ihren Widerstand gegen die 3. Startbahn haben die Bürgermeister des Landkreises Freising auf Initaitive von FW-Abgeordneten Benno Zierer erst vor wenigen Wochen zur Schau gestellt.

Politiker aus Freising reagieren auf Söder-Aussagen

Startbahn-Aus bis 2028: „Weiterer Sargnagel“ für Flughafen-Projekt

  • Manuel Eser
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  • Andreas Beschorner
    Andreas Beschorner
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Von „vorsichtig optimistisch“ bis euphorisch reichen die Reaktionen auf das Startbahn-Aus bis 2028. Freisinger Politiker fordern aber weitere Schritte.

Landkreis Freising – Das Echo folgte prompt: Mit seiner Ankündigung, bis mindestens 2028 keine dritte Startbahn am Münchner Flughafen zu bauen, hat Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch bei den Politikern im Landkreis Freising viele Reaktionen hervorgerufen – von vorsichtig optimistisch bis euphorisch.

Florian Herrmann (CSU), Leiter der Staatskanzlei und Söders rechte Hand, wertete die Aussagen seines Chefs als „sehr realistische Einschätzung der Lage“. Denn durch die Corona-Pandemie stelle sich die Situation des Flugverkehrs ganz anders dar als noch vor ein, zwei Jahren. Momentan sei es am MUC ja sogar schwierig, „auch nur eine Startbahn zu bespielen“.

Staatskanzleichef Florian Herrmann: „Das ist eine gute Nachricht für die Region.

Herrmann wertete die Feststellung, die dritte Startbahn „kommt in diesem Jahrzehnt sicher nicht mehr“, als „gute Nachricht für unsere Region“. Nach Einschätzung der Experten werde es Jahre dauern, bis der Flugverkehr wieder das Niveau erreicht habe, das er vor der Corona-Krise hatte. Und auch bei der Gewichtung des Klimaschutzes habe sich bis zum Ende des Jahrzehnts sehr viel geändert im Vergleich zum Jahr 2005, als die ersten Überlegungen zum Bau einer dritten Startbahn angestellt wurden.

Oberbürgermeister sieht „noch keinen Grund zum Jubeln“

„Das ist eine sehr realistische Einschätzung der Lage“, kommentiert wortgleich mit dem CSU-Abgeordneten auch Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (FSM) die Aussagen Söders. Aber, so der Freisinger OB: „Das ist noch kein Grund zum Jubeln“. Denn nach 15 Jahren Abwehrkampf sei das „leider“ noch immer nicht das endgültige Aus für die Pläne. Freilich mache jedes Jahr, um das sich das Projekt verschiebe, die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Startbahn nicht gebaut werde. Fazit Eschenbachers: „Wir sind vorsichtig optimistisch.“

OB Tobias Eschenbacher: „Das ist noch kein Grund zum Jubeln.“

Euphorischer äußerte sich der Freisinger Landrat Helmut Petz (Freie Wähler): Er habe ja schon immer gesagt, die dritte Startbahn sei „Unsinn“. Wenn Söder jetzt, der Forderung der FW folgend, davon spreche, vor 2028 werde es nichts mehr mit dem Bau der Runway, dann sei in acht Jahren die Geltungsdauer des seit 2015 bestandskräftigen Planfeststellungsbeschlusses abgelaufen. 

Landrat Helmut Petz: „Ich freue mich riesig für die armen Menschen in Attaching.“

Der Antrag auf Verlängerung des Planfeststellungsbeschlusses würde eine völlig Neubewertung, neue Prognosen, neue Gutachten und überhaupt „den ganzen Zirkus“ nochmals notwendig machen. Und dafür fehle jede Rechtfertigung, so Petz, der ehemalige Richter am Bundesverwaltungsgericht. Und deshalb freut er sich „riesig“ für die „armen Menschen in Attaching“, denen nach 15 Jahren nun „ein Stein vom Herzen gefallen sein muss“.

„Staat vor einem Millionengrab bewahrt“

Auch FW-Abgeordneter Benno Zierer ist sich sicher, dass mit der Verlängerung des Moratoriums das Ende der dritten Startbahn besiegelt wird. „Dieser Kelch wird an uns vorübergehen - auch dank der Hartnäckigkeit der Freien Wähler im Landtag. Damit haben wir unseren Staat vor einem Millionengrab bewahrt.“ Allerdings erwartet Zierer nun auch, dass das Projekt aus dem Landesentwicklungsplan gestrichen wird. „Ansonsten wären die Aussagen von Söder nur Schall und Rauch.“

Benno Zierer (FW): „Dieser Kelch wird an uns vorübergehen.“

Johannes Becher (Grüne) fordert ebenfalls weitere Schritte. „Das fühlt sich zwar jetzt wie ein weiterer Sargnagel für die dritte Startbahn an“, sagte der Abgeordnete. „Aber eigentlich ist es nur eine Verlängerung des Damoklesschwerts für die Region.“ Denn auch wenn der Planfeststellungsbeschluss 2025 verjähre – der Flughafen habe die Möglichkeit, eine Verlängerung zu beantragen.

„Startbahn endgültig beerdigen“

Becher fordert von der Regierung, das Planungsvorhaben endgültig aufzugeben und den Planfeststellungsbeschluss aufzuheben. „Die Menschen und Kommunen im Landkreis haben es verdient, dass die Bahn endgültig beerdigt wird.“

Johannes Becher (Grüne): „Es ist nur eine Verlängerung des Damoklesschwertes für die Region.“

Lesen Sie auch: Corona-Krise: Krones baut weiter Stellen in Freising ab. Freising: Tarifstreit bei der Post - Warnstreiks werden ausgeweitet.

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