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Den langen, steinigen Weg der Frauen bis zur politischen Gleichstellung skizzierten Gisela Landesberger (l.) und Eva Bönig im großen Sitzungssaal. Der dort tagende Freisinger Stadtrat ist inzwschen immerhin zu 40 Prozent weiblich. 

100 Jahre Frauenwahlrecht

„Ein unermüdlicher Kampf“

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Auf den Tag genau 100 Jahre nachdem Kurt Eisner den Freistaat Bayern und damit das Frauenwahlrecht ausrief, war dieses Ereignis am Mittwoch Thema im großen Sitzungssaal des Rathauses. Gisela Landesberger und Eva Bönig hatten in Quellen gekramt, erläuterten die Vorgeschichte dieses wichtigen Ereignisses und auch, wie sich seit 1918 Frauen in der Politik in Freising ihren Platz gesichert haben. Die Frauen waren im Publikum deutlich in der Überzahl.

Freising – Landesberger schilderte, dass es „ein langer Prozess“, „ein unermüdlicher Kampf“ bis zum Frauenwahlrecht in Bayern gewesen sei. Im Jahr 1848 liegen die Ursprünge der ersten Frauenbewegung, berichtete Landesberger. Vor allem aber die Zeit der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Umbrüche zwischen 1898 und 1912 sei den Zielen der Frauenbewegung entgegengekommen. Und auch wenn es vier Strömungen der Frauenbewegung gegeben habe – die gemäßigte und radikale, die sozialistische und die katholische –, hätten die Frauen in entscheidenden Fragen eng zusammengearbeitet. „Unglaublich gewitzt und unglaublich gut vernetzt“ seien die Frauen damals gewesen, erzählte Landesberger, die auch den Blick in die Neuzeit warf: Als 1986 in Freising der Arbeitskreis für Fraueninteressen gegründet wurde, sei die Zeit eben reif gewesen, sich einzumischen und die Stadt mitzugestalten.

Und damit war man bei Bönig, die es „eigentlich Wahnsinn“ fand, dass gerade in Bayern als erstes in Deutschland das Frauenwahlrecht ausgerufen wurde. Bei der Stadtratswahl am 16. Juni 1919 seien zwei Frauen in den 30-köpfigen Stadtrat gewählt worden (eine SPD’lerin und eine Kaufmannsgattin von der Bayerischen Volkspartei). Dass damals die Frauen Listenplätze meist weit hinten bekamen und wie „Auffüller“ wirkten, sei, so Bönigs Eindruck, auch heute noch in manchen Gruppierungen so. Es sei nicht verwunderlich, dass 1946 nach der Herrschaft der „reinen Männerpartei“ NSDAP nur eine Frau im Stadtrat saß. Trotzdem sei die Nachkriegszeit, wie Bönig sagte, eine Aufbruchszeit gewesen, in der die Frauen Selbstbewusstsein getankt hätten – auch wenn Männer bis 1958 das Geld ihrer Frauen verwalten und ihnen den Führerschein versagen durften.

1964, so erinnerte Bönig, sei Käthe Winkelmann in Neufahrn zur ersten Bürgermeisterin in Bayern gewählt worden, Namen wie Anke Martiny und Irene Gallisch, aber auch Carmen König und Paula Weber-Schäfer seien für die Freisinger Historie wichtig. Jutta Radojkovic sei 1988 die erste Oberbürgermeister-Kandidatin in Freising gewesen, habe gegen Adolf Schäfer 12,4 Prozent geholt.

Und noch eine Zahl: Seit 1978 habe sich der Frauenanteil im Freisinger Stadtrat von 12,5 auf jetzt 40 Prozent gesteigert. Bönig mit Blick auf die Kommunalwahl 2020: „Das ist in zwei Jahren noch verbesserungswürdig.“

Für Landesberger ergaben sich aus der Beschäftigung mit dem Thema andere Fragen: „Was tun mit diesem Vermächtnis? Wofür muss ich jetzt kämpfen? Wofür den Mund aufmachen?“  

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