Musiker auf Bühne
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Musikalischer Dialog: Claus Koch am Tenorsaxophon und Mihaela Rogojan am Klavier interpretierten gemeinsam Gabriel Faurés „Pavane“ im Künstlerhaus am Schafhof.

Livestream in die Wohnzimmer des Publikums

3klang bietet tolles Konzert, trotzdem ist der Hörgenuss getrübt

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Via Zoom hat die Musikschule 3klang ihr Weihnachtskonzert in die Wohnzimmer ihres Publikums übertragen. Ein musikalisch tolles Konzert mit Wermutstropfen.

Freising – „Wir versuchen das Beste daraus zu machen“ so die einleitenden Worte des Musiklehrers und der Jazz-Koryphäe Claus Koch beim Weihnachtskonzert der 3Klang-Musikschule Freising im Schafhof. Um die (laut Anmeldung) 70 Gäste verfolgten via Zoom-Konferenz diesen Versuch, weihnachtliche Stimmung in die Wohnzimmer zu transportieren. Die Spannbreite der musikalischen Darbietungen war weit aufgefächert, als Künstler traten bei diesem Konzert ausschließlich die Lehrkräfte von 3Klang selbst auf.

Als Opener war „Mozarts Fagott-Konzert“ perfekt gewählt und in der Darbietung von Marco Moosbauer am Kaiserbariton und Mihaela Rogojan am Klavier filigran ausgearbeitet: Im Grundton feierlich, vorweihnachtlich und in der Färbung schneeverhangen.

Perfekte klangliche Untermalung eines Dezemberabends

Brillant auch Terezia Vargova am Violoncello mit „Bach Suite IV“, die musikalische Bebilderung reich umrissen und die zwei Sätze atmosphärisch und dynamisch galant in Szene gesetzt. Koch selbst zeigte bei Gabriel Faurés „Pavane“ sein virtuoses Können am Tenorsaxophon, im wunderbaren Dialog mit Rogojan am Klavier. Ein Highlight, auch weil seine Klangwelten die abendliche Strömung durchbrachen: Roman Seehon am Hang, einer Steelpan nicht ganz unähnlich, mit seiner Tochter Amelie. Ihre Interpretationen von „Es werd scho glei dumpa“ und „Kleiner weißer Schneekristall“ verschoben das Traditionelle in die Moderne. Vor allem Amelie konnte durch eine wunderbare Stimmlage überzeugen.

Das 3Klang-Flötenquintett mit Miroslav Dimitrov, Marta Kaczmarska, Marion Breidler, Katja Schröder-Osswald und Theresa Schröttle glänzten mit Händels „Ankunft der Königin von Saba“ aus der Oper Salomon und noch mehr mit Bachs „Air“ in feinsten Nuancen. Hingegen ganz bayerische traditionell umriss das 3Klang-Posaunenquartett mit Philippe Beetz, Wienke Eilers, Marco Moosbauer und Gottfried Herrmann das Weihnachtskonzert, die perfekte klangliche Untermalung eines eiskalten Dezemberabends.

Ton- und Bilddifferenzen stören den Genuss

Heißer wurde es dann mit dem brasilianischen Klassiker „Tico Tico“, interpretiert von Miroslav Dimitrov und Philippe Beetz an Querflöte und Klavier – nur das Publikum zum Mitswingen fehlte. Ebenso mitreißend: Jana Knieper am Klavier mit der Eigenkomposition „Dreiviertel-Rag“ und einem Bossa-Nova-Stück. Das Stück „Have yourself a little merry christmas“ von Hugh Martin wunderbar zart – nur leider war ihr Mikrofon derart leise eingestellt, dass kaum etwas von ihrer wunderbaren Stimme zu hören war.

Ob es tatsächlich eine gute Idee ist, ein Live-Konzert via Zoom zu übertragen, ist fraglich: Einige Ton- und Bilddifferenzen störten den Genuss doch zeitweise merklich, was natürlich auch bei anderen bekannten Streaming-Formaten passieren kann. Das Konzert selbst konnte aber dank der Künstler vollends überzeugen – deutlich hingegen fehlte das Live-Publikum als Spiegel der Leistungen. „Normalerweise müsste jetzt Applaus kommen“, so auch Koch als Conférencier. Immerhin aber spielten die Musiklehrer nicht in einem komplett leeren Tonnengewölbe: Als Zuhörer fungierten die Holzfiguren der laufenden Ausstellung „Das Narrenschiff“ von Andreas Kuhnlein.

Richard Lorenz

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