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Energiewende wird zum Kraftakt: Landkreis Freising benötigt bis zu 43 Windräder

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Von: Andreas Beschorner

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Windräder
Um die Energiewende zu schaffen, sind im Landkreis Freising bis zu 43 Windräder notwendig. © Christian Charisius

Der Strombedarf dürfte in den nächsten Jahren dramatisch steigen und die Energiewende deutlich erschweren. Bis zu 43 Windräder werden im Landkreis benötigt.

Freising – Die Energiewende – ein wichtiges Thema. Und das nicht erst seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine am 24. Februar. Was im Landkreis Freising noch zu tun ist, um die für 2035 beschlossene Energiewende zu schaffen und Strom, Wärme und Verkehr im Landkreis vollständig auf regenerative Energien umzustellen, das war jetzt Thema einer Online-Veranstaltung des SPD-Kreis- und Ortsverbands Freising. Fazit: Es ist noch viel zu tun, das Tempo muss gehörig angezogen werden.

Wasserkraft undBiomasse sindfast ausgereizt

Andreas Henze, einer der beiden Vorstände der 2013 gegründeten BürgerEnergieGenossenschaft (BEG), gab mit seinem Referat die Richtung vor. Die Studie, die er erarbeitet hatte, war in ihrer Aussage klar: Man brauche – je nach Szenario – bis zum Jahr 2035 zwei bis drei Mal so viel Strom als derzeit, weil etwa die E-Autos mehr werden.

Dieser zusätzliche Strombedarf könne aber, weil Wasserkraft und Biomasse fast ausgereizt seien, nur durch Solar- und Windenergie bereitgestellt werden. Das wiederum bedeute, dass man – je nach Annahme – zwischen 21 und 43 Windräder und zwischen 150 und 700 Hektar Freiflächen-Photovoltaikanlagen im Landkreis zusätzlich benötige.

Andreas Henze von der BürgerEnergieGenossenschaft
Andreas Henze von der BürgerEnergieGenossenschaft: Der Strombedarf wird bis zum Jahr 2035 dramatisch steigen. © FT-Archiv

Um die Dimension darzulegen, erläuterte Henze, dass im Landkreis zwischen dem Jahr 2008 und dem Jahr 2020 der Anteil an regenerativ erzeugtem Strom von 50 auf 75,8 Prozent gesteigert werden konnte. Da man aber nicht 100, sondern 200 oder gar 300 Prozent benötige, habe man in der Hälfte der vorgegebenen Zeit bis 2035 erst ein Sechstel beziehungsweise ein Zehntel geschafft.

Photovoltaik entlangvon Autobahnenund Bahnlinien

Die Empfehlungen, die sich daraus ergeben: Da sei zum einen die Forderung, dass man den Flughafen und die Bundeswehr dazu auffordere, genaue Kartierungen zu erstellen, wo denn vielleicht doch Windräder errichtet werden könnten, die den Flugbetrieb und die Radarstation in Haindlfing nicht beeinträchtigten. Zudem müsse die 10-H-Regelung als sehr großes Hindernis abgeschafft oder zumindest modifiziert oder durch eine andere Lösung ersetzt werden. Was den Zubau von PV-Anlagen betreffe, sei die Ausweisung von Vorrangflächen für PV-Freiflächenanlagen durch die Kommunen und auch interkommunal in Flächennutzungsplänen entlang von Autobahnen, Bahnlinien sowie auf weiteren größeren zusammenhängenden Flächen notwendig.

SPD-Stadtrat Peter Warlimont
SPD-Stadtrat Peter Warlimont: Windräder haben im Stadtgebiet von Freising wohl keine Chance. © FT-Archiv

Große Hoffnung setzt Henze auf die vom Landkreis in Auftrag gegebene Potenzialanalyse der Landschaftsschutzgebiete im Bereich der Bahn- und Autobahntrassen, die die Frage beantworten soll, in welchen Teilbereichen eine PV-Freiflächenanlage genehmigungsfähig sei (wir haben berichtet). Hinzukommen müsse die Änderung der Verordnungen der beiden Landschaftsschutzgebiete im Landkreis, damit Ausweisungen von „Sondergebieten Photovoltaik“ zur zeitlich begrenzten Nutzung zulässig seien.

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SPD-Stadt-- und Kreisrat Peter Warlimont schilderte, dass sich die Stadt Freising dem Thema regenerativer Stromerzeugung erst seit zwei Jahren intensiver widme, derzeit dabei sei, Vorrangflächen für PV-Anlagen entlang der Bahnlinie und der A 92 auszuweisen. Und das sei wichtig, weil Windräder im Stadtgebiet von Freising wohl kaum eine Chance auf Realisierung hätten. Warlimont verwies aber auch darauf, dass die Herausnahme von Flächen aus Landschaftsschutzgebieten bei vielen Kreisräten stets auf erheblichen Widerstand stoße.

Ampel will die Wendedramatischbeschleunigen“

Kreisvorsitzender und MdB Andreas Mehltretter, Mitglied im Ausschuss für Klimaschutz und Energie, versicherte, die Ampel-Regierung wolle die Energiewende „dramatisch beschleunigen“. Er versprach, in Sachen Kartierung auf den Flughafen zuzugehen, die Bundeswehr befinde sich gerade in Gesprächen mit der Bundesregierung.

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