Karriere-Highlight: Klaus Pirhalla (r.) wurde von Verleger Dirk Ippen (2. v. r.) stark in die Planung des neuen Verlagshauses in Freising einbezogen. Bei der Einweihung 1999 mit dabei waren (v. l.) Redaktionsleiter Helmut Hobmaier, Landrat Manfred Pointner, Friedhold Metz (Verleger des Freisinger Tagblatts), Wirtschaftsminister Otto Wiesheu, Ministerpräsident Edmund Stoiber und OB Dieter Thalhammer.
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Karriere-Highlight: Klaus Pirhalla (r.) wurde von Verleger Dirk Ippen (2. v. r.) stark in die Planung des neuen Verlagshauses in Freising einbezogen. Bei der Einweihung 1999 mit dabei waren (v. l.) Redaktionsleiter Helmut Hobmaier, Landrat Manfred Pointner, Friedhold Metz (Verleger des Freisinger Tagblatts), Wirtschaftsminister Otto Wiesheu, Ministerpräsident Edmund Stoiber und OB Dieter Thalhammer.

Porträt

Die Sanduhr läuft mit: 45 Jahre hat Klaus Pirhalla den Münchner Merkur stark mitgeprägt - jetzt ist Schluss

  • Manuel Eser
    VonManuel Eser
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Viele Jahre hat Klaus Pirhalla das Freisinger Tagblatt als Regionalleiter geprägt. Die wegweisende Entscheidung seines beruflichen Lebens traf er über Nacht.

Freising – Er hatte genau eine Nacht Zeit, sich zu entscheiden. Es ist das Jahr 1983, spät am Nachmittag schrillt bei Klaus Pirhalla das Telefon, am anderen Ende der Leitung hört er seinen Vorgesetzten: „Klaus, kannst du dir vorstellen, in den Außendienst zu gehen?“, lautet die Anfrage. „Wir brauchen einen Mann für Freising. Morgen um 9 Uhr würde es losgehen.“

Pirhalla erinnert sich noch so gut an das Gespräch, als wäre es gestern gewesen. Denn heute, 38 Jahre später, wenige Tage vor dem Beginn seines Ruhestands, weiß der scheidende Regionalleiter des Freisinger Tagblatts: Beruflich gesehen war es die Entscheidung seines Lebens.

„Eingefrorene Routine“ geht ihm „auf den Senkel“

Als Pirhalla den schicksalhaften Anruf erhält, arbeitet er bereits seit sieben Jahren bei der Verlagsgruppe Münchner Merkur/tz. Das Verlagsgeschäft hat er von der Pike auf gelernt, wie er nicht ohne Stolz erzählt. „Ich musste ein Gespräch stenografieren, um überhaupt eingestellt zu werden“, erinnert er sich und lacht. „Steno habe ich im Anschluss nie mehr gebraucht.“ Dafür aber vieles davon, was er nach seinem Berufseinstieg 1976 in den ersten Jahren an Erfahrungen gesammelt hat. „Ob Buchhaltung oder EDV, Anzeigen oder Redaktion – ich habe alles gemacht und mehr gelernt, als mir jemand an der Schule oder Uni hätte beibringen können.“

Direkt nach dem Anruf ist Pirhalla eigentlich schon klar, dass er sich für die neue Herausforderung entscheiden wird. „Ich finde etwas Neues immer interessant“, sagt der 66-Jährige. Langweilig darf es ihm nicht werden. „Eingefrorene Routine geht mir auf den Senkel.“ Also setzt er sich am nächsten Tag ins Auto und fährt nach Freising.

Höchst innovativ hat Pirhalla das Freisinger Tagblatt gepräft

Bereut hat Pirhalla die Entscheidung nie, die die Weichen für sein weiteres Berufsleben bis zum Schluss gestellt hat. Im Gegenteil: „Noch heute bin ich dem Verleger Dirk Ippen dankbar, dass er mir die Gelegenheit dazu gegeben hat, dass er auf mich gebaut und mir die Freiheit gelassen hat, hier etwas zu entwickeln.“

Und entwickelt hat der 66-Jährige viel in seiner Zeit als Anzeigenchef beim Freisinger Tagblatt. Unter seiner Regie entstanden – höchst innovativ – die Rubrikmärkte: Anzeigenkombinationen wie Fundgrube, Stellenanzeigendoppel sowie historische Beilagen und Magazin, zum Beispiel daHOME, das zweisprachige Landkreis-Magazin. Pirhalla hat die Grüne Seite gemeinsam mit dem Landratsamt entwickelt und bewies damit lange vor Fridays for Future ein gutes Gespür für das Potenzial, das die Themen Natur, Umwelt und Klima bergen. Auch Charity war ihm bei der Heimatzeitung immer wichtig. Er ist ein großer Verfechter der jährlichen FT-Spendenaktion „Menschen in Not“. „Wenn ich sehe, wie viele Kunden und Leser Geld spenden, dann ist das schon enorm.“

Der Verleger hat zu ihm gesagt: „Mach mal“

Außergewöhnlich war auch die Aufgabe, die Verleger Ippen dem Verkaufs- und Geschäftsstellenleiter in den 90er Jahren anvertraute: die Mitplanung des neuen Verlagshauses in Freising. „Er hat zu mir gesagt: Mach mal“, berichtet Pirhalla schmunzelnd. Und so hat er – ganz nebenbei zur alltäglichen Arbeit – auch die Inhouse-Koordination dieses Mega-Bauprojekts an der Münchner Straße für die einzelnen Abteilungen übernommen. Der Einzug im Jahr 1999 gehört deshalb auch zu den großen Höhepunkten in seiner Karriere.

Innovation leben: Klaus Pirhalla hat als Regionalleiter Freising der Verlagsgruppe Münchner Merkur/tz viel entwickelt.

In 45 Jahren Berufsleben haben sich die Rahmenbedingungen enorm geändert. „Am Anfang stand der heute unvorstellbare Bleisatz – eine tägliche Anstrengung, die Tages- und Anzeigenzeitungen herauszubringen“, erinnert er sich. Die Digitalisierung habe vieles leichter und bequemer gemacht, aber auch neue Herausforderungen mit sich gebracht. „Alles ist extrem schnelllebig geworden, ein Thema wird vom nächsten überholt. Das macht den Menschen zu schaffen.“

Corona hat aus Verkäufern auch Seelsorger gemacht

Ein Gespür für Menschen zu haben, ist für Pirhalla eine der wichtigsten Eigenschaften, die ein Anzeigen-Verkäufer mitbringen muss – neben Qualifikation, guter Organisation, einem Gespür für den Markt, fairem Umgang und seriösem Auftreten. „Die soziale Kompetenz ist mit das Wichtigste. Es geht nicht darum, ein x-beliebiges Produkt zu verkaufen, sondern die Bedürfnisse des Kunden abzuholen. Dazu muss ich gut zuhören können und empathisch sein.“

Genau das war auch in der Corona-Krise nötig, als etliche Unternehmen um ihre Existenz bangen mussten. „Da haben wir es hier mit Menschen zu tun gehabt, die am Boden zerstört waren. Da waren wir weniger als Verkäufer, sondern mehr als Seelsorger gefragt. Aber darum geht es: die Kunden auch in schwierigen Zeiten zu begleiten.“ Der Umsatz sei wichtig, aber man müsse geerdet bleiben. Die Komplimente, die ihn am meisten gefreut haben? „Wenn ein Kunde oder Mitarbeiter gesagt hat: Klaus, ich habe Vertrauen zu Dir. Denn das entsteht nur, wenn Wertschätzung da ist.“

Eine der schwersten Entscheidungen: Loslassen und in Ruhestand gehen

Er selbst hat in die Einladung zu seiner Verabschiedung an die Kollegen geschrieben: „Danke, dass ihr mich so lange ausgehalten habt.“ War es denn wirklich so schlimm mit ihm? Pirhalla lacht bei der Frage. „Na ja, ich habe eben gefordert und gefördert. Ich habe meine Mitarbeiter immer dabei unterstützt, wenn sie sich weiterentwickeln wollten. Aber ich habe auch Bestleistungen erwartet und dazu aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen.“

Einer, der künftig mehr Verantwortung übernimmt, ist Christian Birkholz. Der 48-Jährige, der seit Oktober 2018 beim Freisinger Tagblatt arbeitet, ist neuer Regionalleiter. „Corona wird für große Umbrüche sorgen, deshalb muss jetzt jemand ran, der die neue Zeit anders interpretiert und die Menschen auffängt“, sagt Pirhalla. Die Entscheidung, in den Ruhestand zu gehen, ist ihm dennoch nicht leicht gefallen – „weil ich fast nur für meine Arbeit gelebt habe, weil es mir Spaß gemacht hat“.

Pirhalla hat begriffen: Die Sanduhr läuft mit

Der 66-Jährige wird den Kontakt mit Mitarbeitern und Kunden vermissen. Mit den vielen unterschiedlichen Menschen, die er dank seines Berufs kennenlernen durfte – vom Politiker bis zum Portier, vom Konzernchef bis zum Mittelständler. „Aber ich habe begriffen, dass da eine Sanduhr mitläuft, und dass ich jetzt neue Schwerpunkte setzen muss.“

Er, der auch mit über 60 Jahren die Treppe im Verlagshaus schneller rauf- und runtergesaust ist als jeder junge Kollege, will jetzt entschleunigen. „Ich möchte mir für alles mehr Zeit nehmen – für seine Partnerin Marita Spring, für Gespräche in der Familie und mit Freunden, aber auch fürs Reisen.“

Die Wüste ist für Pirhalla zum Schicksalsort geworden

Rom und Straßburg peilt er an, aber auch Neuseeland reizt ihn. Vor allem zieht es ihn noch ein zweites Mal nach Namibia. „Ich liebe die Wüste, die Vielfältigkeit, die man dort vielleicht gar nicht erwartet. Die Menschen, die so geerdet sind. Und vor allem die Stille.“ Und die Wüste ist auch ein Schicksalsort für ihn. Im Oman hat er seine Marita kennengelernt.

Inspiration tanken: Für Klaus Pirhalla und seine Partnerin Marita Spring ist die Wüste eine große Energiequelle – und ein Schicksalsort. Die beiden haben sich im Oman kennengelernt.

Ständiges Telefonklingeln hat zu seinem beruflichen Alltagssound gehört. Umso lieber erinnert sich Pirhalla an den Moment, in dem er mutterseelenallein an einer Düne saß. „Erst mal hatte ich leichte Panik. Doch dann habe ich ganz plötzlich das Rieseln des Sandes wahrgenommen, ganz leise und stetig, und bin immer ruhiger geworden. Und auf einmal habe ich meinen Herzschlag und meine Gedanken gehört. Auf einmal habe ich mich selbst gehört.“

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